Kunst-Highlights im Juni: Fashion und Fetisch

Von Karin Schulze

Haben Sie Lust auf erotische Möbel? Auf Fotos von verwirrten Teenagern am Strand? Auf einen Ausflug nach Spanien zu Edward Hopper? Dann hilft Ihnen die Kunstvorschau für den Juni - mit Highlights aus Architektur, Fotografie, Malerei und Design aus dem In- und Ausland.

In Deutschland

"Choreographie der Massen: Im Sport. Im Stadion. Im Rausch", Akademie der Künste, Berlin (startet am 6. Juni)

Die Berliner Ausstellung kommt gerade recht zur Fußball-EM und zu den Olympischen Spielen: "Choreographie der Massen" spürt den Wechselwirkungen von Sport, Architektur und Fankultur nach. Kuratiert wird sie von dem Architekturhistoriker Gert Kähler und dem Architekten Volkwin Marg, dessen Büro Gerkan, Marg und Partner etwa das Nationalstadion in Warschau entwarf. Auch Politisierung und Kommerzialisierung des Sports sowie Gewalt und nationalistische Tendenzen in seinem Umfeld sollen beleuchtet werden. Allerdings konzentriert sich die Schau vor allem auf Stadionentwürfe von Akademie-Mitgliedern.

"Lost Places. Orte der Photographie", Kunsthalle Hamburg (8. Juni bis 23. September)

Verstörend, verlassen, verloren - so wirken Orte und Schauplätze bei auffallend vielen Fotokünstlern der Gegenwart, zu sehen in der Hamburger Kunsthalle. Historischer Wandel und soziale Krisen markieren die Städte, Vorstädte und Landschaften bei Joel Sternfeld und Jeff Wall, bei Andreas Gursky und Thomas Struth oder auch bei Jüngeren wie Beate Gütschow und Ben Rivers.

"dOCUMENTA (13)", Kassel (9. Juni bis 16. September)

Die Documenta findet nur alle fünf Jahre statt und umso mehr ist zu hoffen, dass die 13. Ausgabe der Kasseler Kunstschau nicht so kurios ausfällt, wie es die Schreibweise ihres Namens ist - und wie sich ihre Leiterin, die amerikanisch-italienische Kunsthistorikerin Carolyn Christov-Bakargiev, mitunter äußert: Gerade erst forderte sie ein Wahlrecht für Erdbeeren und Hunde. Teilnehmer wie William Kentridge, Jimmie Durham oder Pierre Huyghe deuten auf welt- und realitätshaltige Kunst. Angekündigt sind aber auch "andere Objekte und Experimente auf dem Gebiet der Kunst, Politik, Literatur, Philosophie und Wissenschaft".

"BMW Guggenheim Lab", Fabrikgelände Pfefferberg, Berlin (15. Juni bis 29. Juli)

Das Lab ist eine Mischung aus Think-Tank, Ausstellungsraum und Content Marketing. Die BMW-Guggenheim-Co-Produktion macht auf ihrer sechsjährigen Reise durch neun Metropolen Station in Berlin, wo sie der aufsässige No-Gentrification-Geist aus dem ungehobelteren Kreuzberg ins aufgehübschte Viertel Prenzlauer Berg vertrieben hat. Ob am Ende unter dem Motto "BMW: Freude am Fahren" die Vision einer autofreien Stadt stehen wird?

"Allen Jones. Die Retrospektive zum 75.", Kunsthalle Tübingen (16. Juni bis 16. September)

Mit Fetisch-Accessoires aufgebrezelte Frauen in devoter Haltung als Tisch, Stuhl oder Hutständer - mit seinen erotomanischen Möbelskulpturen wurde der britische Pop-Art-Künstler Allen Jones 1969 bekannt. In Tübingen soll jetzt die bisher umfassendste Jones-Retrospektive gezeigt werden.

"Diane Arbus", Martin-Gropius-Bau, Berlin (22. Juni bis 23. September)

Retrospektive der Fotografin (1923-1971), die in den fünfziger und sechziger Jahren in New York eine Art Anthropologie der Kamera begründete und mit ihren Aufnahmen das Fremde im Bekannten entdeckte. Die Schau im Martin-Gropius-Bau präsentiert ihre Bilder von Nudisten, Artisten, Exzentrikern und Transvestiten, dazu bislang ungezeigte Fotos und einen biografischen Teil. Die Ausstellung war zuvor in Paris und Winterthur zu sehen.

Im Ausland

Serpentine Gallery Pavilion, London (1. Juni bis 14. Oktober)

In diesem Jahr wurde der temporäre Bau der Serpentine Gallery vom Schweizer Stararchitektenduo Herzog & de Meuron und Ai Weiwei konzipiert: Auf elf Säulen wird an die bisherigen Serpentine-Pavillons erinnert. Gleichzeitig ruht auf ihnen ein Dach, das eine spiegelnde Wasserfläche trägt. Schon beim Entwurf des Pekinger Olympiastadions hatten die Architekten mit dem regimekritischen Künstler aus China zusammengearbeitet.
Der Pavillon ist Teil des London 2012 Festivals, des Kulturprogramms im Umfeld der Olympiade. Zu sehen sind in diesem Rahmen auch eine Yoko-Ono-Ausstellung und eine sarkastische Arbeit des Turner-Preis-Gewinners Jeremy Deller: eine Hüpfburg in Form des Weltkulturerbe-Monuments Stonehenge.

"Hopper", Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid (12. Juni bis 16. September)

Große Werkschau in zwei Teilen: Der erste zeigt die Jahre, in denen Edward Hopper (1882-1967) bis etwa 1924 seinen Stil entfaltet, der zweite präsentiert in thematischen Gruppierungen sein reifes Werk. Die Ausstellung geht im Anschluss nach Paris.

Art Basel (14. bis 17. Juni)

Die Art Basel gilt noch immer als weltweit wichtigste Messe für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts - und als alljährliches Szene-Treffen. Am Rande: Weil das Schaulager, der gigantische Baseler Kunstspeicher, derzeit wegen Umbaus geschlossen ist, ließ es sich von Herzog & de Meuron einen Pavillon auf den Messevorplatz bauen, der als Schaulager Satellite vom 4. bis 17. Juni einen Eindruck von der Privatsammlung vermittelt.

"Reflecting Fashion. Kunst und Mode seit der Moderne", Mumok, Wien. (15. Juni bis 23. September)

Die Ausstellung im Mumok spürt den historischen Vorläufern des aktuellen Crossover von Kunst und Mode nach. Sie fängt bei der Avantgarde des 20. Jahrhunderts an (Sonia Delaunay, Giacomo Balla), setzt einen Schwerpunkt in den poppigen Sechzigern (Andy Warhol, Yayoi Kusama) und landet mit Cindy Sherman, Sylvie Fleury und Erwin Wurm in der Gegenwart.

"Rineke Dijkstra", Guggenheim Museum, New York (29. Juni bis 3. Oktober)

70 Fotografien und fünf Videoinstallationen der holländischen Künstlerin, die für ihre Porträtserien von Clubbesuchern, Teenagern am Strand oder israelischen Soldaten und Soldatinnen bekannt ist. Fast immer gelingt es Rineke Dijkstra auf fast altmodische Weise, den Moment eines authentischen und individuellen Ausdrucks festzuhalten.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Entwürdigend
heiko_2012 31.05.2012
Ich finde das mit dem Tisch und der Frau darunter nicht gut. Das geht mir zu weit, das ist entwürdigend.
2. Blinde Kuh Spiel in der Kunst
neanderspezi 31.05.2012
Irgendwie trostlos alle diese Highlights von Kunst und dergl.. Solche Sachen sind vermutlich nur etwas für Freaks, die sich soweit in die Materie vertieft haben, dass sie das absolute Nichts, das in Vorbereitung befindliche Nichts, oder das dem Schein nachempfundene Nichts mit ausufernder, chiffrierter und vernebelnder Sprachakrobatik zu epochalen Kunstschöpfungen hochstilisieren können. Ein Kranz an Bewunderern, geprägt durch alle möglichen Überspanntheiten, findet sich zu derartigen Schaustellungen in schöner Regelmäßigkeit ebenfalls ein und opfert dem Hofschneider unbesehen den zur Schau gestellten Kunstgeschmack.
3. Des Kritikers alte Kleider
wiediebäume 01.06.2012
In der konservativen Kritik an der zeitgenössischen Kunst scheint es ja so eine Konstante zu geben, dass sie die angebliche "vernebelnde Sprachakrobatik" des Kunstdiskurses immer noch an Sprachakrobatik überbieten muss. Was z.B. soll ganz konkret "das dem Schein nachempfundene Nichts" sein, das neanderspezi hier in der zeitgenössischen Kunst diagnostiziert? Solche Kritiken wirken manchmal wie ein verkapptes Bewerbungsschreiben, um doch noch im kritisierten Diskurs mitspielen zu dürfen. Sonderbar.
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