Kunst-Highlights: Als Models die Macht übernahmen

Sie mögen Models und Modefotos? Sie möchten die Euro-Schuldensünder den Schweinen zum Fraß vorwerfen? Oder die Kreuzzüge als Marionettenspiel erleben? Dann bitte hier entlang. Die kommenden Highlights aus Architektur, Fotografie, Malerei und Performance aus dem In- und Ausland.

In Deutschland

Santiago Sierra und Tino Sehgal, Sommerfestival, Kampnagel, Hamburg
(ab 9. August)

Griechen aus dem Euro drängen? Warum die Schuldensünder nicht gleich den Schweinen zum Fraß vorwerfen? So macht es Santiago Sierra beim Sommerfestival auf Kampnagel, das sich in diesem Jahr dem Thema "Wachstum" verschreibt. Mit Tanz, Theater, Musik, Diskussion und Kunst. Auch der deutsch-britische Performance-Star Tino Sehgal ist dabei: Er lässt in einer seiner einmaligen "konstruierten Situationen" sechs Menschen aufeinander los - und auf das Publikum.

"12 Rooms", Museum Folkwang, Essen
(17. bis 26. August)

In den zwölf Räumen der Live-Art-Gruppenausstellung im Museum Folkwang passiert was. Bei Allora & Calzadilla wird man von einer Drehtür in Menschengestalt erfasst. Tino Sehgal (ja, derselbe wie auf Kampnagel) lässt eine schon länger in der Kunst herumvagabundierende Mangafigur lebendig werden. Und in Marina Abramovics Raum hängt eine nackte Frau an der Wand, gehalten nur von einem Fahrradsitz. Vor einem Jahr hatte des Projekt in Manchester Premiere. Da hieß es noch "11 Rooms". Und was gibt's im neuen Raum zu sehen? Eine ältere Arbeit von Damien Hirst: Zwillinge, die vor seinen Spot Paintings sitzen.

"gute aussichten_mustererkennung", Museum für Angewandte Kunst, Köln
(18. August bis 14. Oktober)

Von den Gewinnern der Nachwuchsfotowettbewerbe "Gute Aussichten" aus den Jahren 2004 bis 2011 hat Wibke von Bonin neue Arbeiten ausgesucht, die mit Strukturen, Formen und Mustern zu tun haben.

"Zeitlos schön. 100 Jahre Modefotografie von Man Ray bis Mario Testino", C/O Berlin
(18. August bis 28. Oktober)

Mit "Vanity Fair", "Glamour" und vor allem der "Vogue" prägt der Condé Nast Verlag die Modefotografie des vergangenen Jahrhunderts wesentlich mit. Die 150 Motive aus den Verlagsarchiven zeigen, wie Mode als solche in den Aufnahmen zunehmend zurücktrat und die Aura der Models und die spektakulären und bisweilen tabubrechenden Inszenierungen wichtiger wurden.

"Afrika, hin und zurück", Museum Folkwang, Essen
(25. August bis 21. Oktober)

Mit Arbeiten etwa von Germaine Krull, Robert Lebeck oder Malick Sidibé fragt die Ausstellung, wie sich politische Machtverhältnisse in den vergangenen 80 Jahren in der fotografischen Afrika-Berichterstattung niederschlugen - von der Kolonialzeit bis zu den heutigen Konflikten. Dabei nehmen die Fotografen den Kontinent aus der europäischen Perspektive in den Blick. Bis auf Sidibé, der die euphorische Aufbruchstimmung im Bamako der sechziger und siebziger Jahre festhielt, der Hauptstadt des heute wieder bettelarmen, praktisch zweigeteilten und teilweise von islamistischen Bilderstürmern beherrschten Mali.

"Wael Shawky", KW, Berlin
(26. August bis 21. Oktober)

Wael Shawky ist gefragt. Der Ägypter nimmt an der aktuellen Documenta teil und war im vergangenen Jahr auch auf den Biennalen von Istanbul, Marrakesch und Bukarest zu sehen. In Kassel werden seine "Cabaret Crusades" gezeigt: die von Marionetten gespielte Geschichte der Kreuzzüge - aus arabischer Sicht. Für eine andere Arbeit ("Telematch Sadat") ließ der Videokünstler Kinder die Ermordung und das Begräbnis des ägyptischen Präsidenten Sadat nachspielen.

"BIOS - Konzepte des Lebens in der zeitgenössischen Skulptur", Georg-Kolbe-Museum, Berlin
(26. August bis 11. November)

Welchen Einfluss haben Gentechnolgie und Mikrobiologie auf die Skulptur? Mit Arbeiten von 13 Künstlern, etwa von Lee Bul, David Zink Yi, Tue Greenfort oder Mark Dion. Von Dion wird "Sea Life" (2012) gezeigt: Ein Vitrinenschrank voll mit Gläsern, in denen Kinder-, Tier- und Sexspielzeuge schwimmen.

"1912 - Mission Moderne. Die Jahrhundertschau des Sonderbundes", Wallraf-Richartz-Museum, Köln
(31. August bis 30. Dezember)

Sommer 1912: Noch saß die plüschig-pompöse Ästhetik des Wilhelminismus in den Köpfen fest, da sorgte in einer eigens gebauten Halle eine Ausstellung mit 650 Kunstwerken für frischen Wind in Köln. Darunter 130 van Goghs, 26 Cézannes, 25 Gauguins, 32 Munchs und 16 Picassos. Von Postimpressionismus bis Expressionismus war alles zu sehen, was der Kunst des 20. Jahrhunderts den Weg bahnen sollte. Junge Künstler waren begeistert, das normale Publikum indigniert. Jetzt, 100 Jahre später, rekonstruiert das Wallraf-Richartz-Museum mit gut hundert bedeutenden Leihgaben die Jahrhundertschau.

"Mythos Olympia - Kult und Spiele", Martin-Gropius-Bau, Berlin
(31. August bis 7. Januar)

500 Leihgaben aus Griechenland und weitere aus Rom, Paris und Dresden beleuchten dreierlei: das antike Heiligtum von Olympia, die antiken olympischen Spiele, die als Teil des Zeus-Kults entstanden, und die Ausgrabungsgeschichte Olympias. Ein Highlight sind die Rekonstruktionen der beiden 30 Meter langen Giebel des Zeus-Tempels. Im nächsten Jahr geht die Ausstellung nach Doha und Athen - wo dann auch der umstrittene Ausstellungsteil über die Olympischen Spiele der Neuzeit zu sehen sein wird. In Berlin hat man darauf verzichtet - offiziell aus Zeitgründen, doch wird vermutet, dass das Emirat Katar als Sponsor der Schau Einfluss auf die Inhalte nehmen wollte. Damit drohten kritische Aspekte wie Doping, Korruption, politischer Missbrauch und Bausünden zu kurz zu kommen, monierten Kritiker.

Im Ausland

"Quay Brothers", MoMA, New York
(12. August bis 7. Januar)

Erste umfassende Ausstellung zu den (Trickfilm-)Regisseuren Stephen und Timothy Quay, die 1947 in Pennsylvania als Zwillinge geboren wurden, heute in London arbeiten und unter anderem an Peter Gabriels vielfach preisgekrönten "Sledgehammer"-Video mitgewirkt haben. Neben einer Film-Retrospektive werden Zeichnungen, Kalligrafien, Installationen und Objekte gezeigt.

13. Architektur-Biennale, Venedig
(29. August bis 25. November)

Architekt David Chipperfield gilt als still, zurückhaltend und weder als großer Theoretiker noch als Architekturrevolutionär oder Stilexzentriker. Trotzdem ist er Kurator der diesjährigen Architektur-Biennale, der wichtigsten Architekturausstellung der Welt. Das mehrdeutige Motto seiner Biennale heißt "Common Ground" - unter anderem will er den Bauprozess der Hamburger Elbphilharmonie dokumentieren, als Beispiel, "um Einblicke in die Realität des Planens und Bauens zu geben".

Im Deutschen Pavillon nimmt man Abstand vom Konzept Abriss/Neubau: Unter dem Titel "Reduce/Reuse/Recycle" geht es um Neunutzung, Umbau und Erweiterung von bestehenden Bauten. Verantwortlich für das Konzept ist der Münchner Architekt Muck Petzet, der sich beispielsweise durch den Umbau von Plattenbauten in Leinefelde und Hoyerswerda einen Namen gemacht hat.

"Magie der Dinge - Das Produktplakat", Museum für Gestaltung, Zürich
(29. August bis 6. Januar)

Gegenstand der Ausstellung ist eine Form der Werbung, die heute weitgehend ausgedient hat: Plakate, auf denen noch das Waschmittelpaket, das Stück Butter oder die Scheuermitteldose im Zentrum stehen - und nicht schöne Menschen an schönen Orten, die ein Lebensgefühl vermitteln sollen.

Karin Schulze

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1. Auch das kann man sich diesen Sommer anschauen.
muguet 07.08.2012
Ostrale 12 in Dresden.Die OSTRALE präsentiert gattungsübergreifend und interdisziplinär das gesamte Spektrum der Gegenwartskunst. An einem industriehistorisch und architektonisch bedeutsamen Ort mit beträchtlichen Raumdimensionen (Ausstellungsfläche:15.000 qm Außenfläche: 50.000 qm) werden jährlich mehrere hundert nationale und internationale Künstler für eine Teilnahme am Festival eingeladen.http://www.ostrale.de/de/ostrale/de_ostrale.html
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