Aktion in New York: Äh, da steht Columbus im Wohnzimmer

Mit einer Kunstaktion in New York hat ein Japaner die Entrüstung einer italo-amerikanischen Interessenvertretung provoziert: Tatzu Nishi inszeniert eine Columbus-Statue in Manhattan in einem "temporären Wohnzimmer". Die Aktion soll den Besuchern das riesige Monument näher bringen - wortwörtlich.

Ein Japaner verhüllt Columbus: Auf einen Kaffee mit dem Admiral Fotos
AP

Hamburg/New York - Couch, Kaffeetisch, Lämpchen, Columbus-Statue: Welcher Gegenstand ist nicht typisch für ein Wohnzimmer? Aber halt, das ist vielleicht die falsche Frage. Der japanische Künstler Tatzu Nishi rückt öffentliche Monumente, die sich in entrückter Ferne befinden, so dicht wie möglich an den Betrachter heran - und schafft dafür gern eine Wohlfühlatmosphäre wie auf dem Sofa. Schöne Idee. Eigentlich.

Doch sein aktuelles Werk in New York, wo er die rund 21 Meter hohe Columbus-Statue von Manhattan in ein Gerüst eingekleidet hat, um sie in einem "temporären Wohnzimmer" zu präsentieren, trifft keinesfalls nur auf Gegenliebe. Das Italic Institute of America stößt sich daran, wie die Aktion "Discovering Columbus" die historische Figur darstellt. "Diese majestätische Statue in einen Kokon konzeptueller Kunst zu verkapseln, trivialisiert die Geschichte," sagte ein Sprecher des Instituts. Und der Leiter der Einrichtung, John Mancini, urteilt, die Präsentation mache sich über den "Admiral der ozeanischen See" lustig.

Mit dieser Meinung steht die italo-amerikanische Gesellschaft allerdings relativ alleine. Bislang habe sich keine andere Interessenvertretung in dieser Richtung geäußert, vermeldet der nicht profitorientierte Public Art Fund, der die kostenfrei zugängliche Ausstellung von Nishi betreibt. Das Gerüst um die privat gesponserte Kunstinstallation soll nach dem Ende der Aktion für Restaurierungsarbeiten genutzt werden. Für die Erhaltung des Monuments wiederum stellt die Stadt New York die Summe von einer Million Dollar bereit.

Der in Berlin lebende japanische Künstler Tatzu Nishi ist international dafür bekannt, öffentliche historische Denkmäler in heimeliger Atmosphäre zu präsentieren. Vor der Aktion an der New Yorker Columbus-Statue, Nishis erstem Projekt in den Vereinigten Staaten, hat er beispielsweise für die Biennale in Liverpool 2002 rund um eine Statue von Königin Viktoria ein temporäres und normal funktionierendes Hotel inszeniert.


Installation: "Tatzu Nishi: Discovering Columbus". Public Art Fund, New York.
20. September bis 18. November.

bos/AP

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