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Kunstschatz in München: Zollfahnder finden bislang unbekannte Meisterwerke

Es ist die nächste Sensation im Münchner Kunstfund: Unter den über 1200 beschlagnahmten Bildern befinden sich bislang unbekannte Arbeiten von Meistern wie Dix und Chagall. Das teilte der Augsburger Oberstaatsanwalt mit. Das älteste in einer Wohnung entdeckte Werk stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Hamburg/Augsburg - Unter den in einer Münchner Wohnung gefundenen Bildern befinden sich auch bislang unbekannte Meisterwerke. Es sei ein Selbstporträt von Otto Dix gefunden worden, das bisher völlig unbekannt sei, sagte die Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann am Dienstag in Augsburg. Auch ein bisher unbekanntes Werk von Marc Chagall sei gefunden worden.

Die Behörden haben bei dem spektakulären Kunstfund in der bayerischen Hauptstadt insgesamt 1285 ungerahmte und 121 gerahmte Bilder beschlagnahmt. Dies teilte der Augsburger Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz mit bei der Pressekonferenz mit.

Die Durchsuchung der Wohnung fand nach Angabe des Leiters des Zollfahndungsamts München, Siegfried Klöble, erst im Jahr 2012 statt. Zuvor hieß es, dies sei bereits 2011 geschehen. Die Kunstwerke seien in sehr gutem Zustand gewesen, fachgerecht gelagert. Man gehe nicht davon aus, dass es anderswo noch andere Bilder des Sammlers gebe. Zunächst hatte der "Focus" über den spektakulären Fund berichtet.

Ältestes Werk aus dem 16. Jahrhundert

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Pressekonferenz Kunstschatz: Details über Gurlitts Sammlung
Die Berliner Kunsthistorikerin Hoffmann sagte, es handele sich nicht nur um Werke der klassischen Moderne, sondern auch um Bilder des 19. Jahrhunderts. Das älteste Werk stamme aus dem 16. Jahrhundert. Es gehe nicht nur um NS-Raubkunst.

Zu den beschlagnahmten Bildern gehören nach Angaben der Ermittler unter anderem Werke von Picasso, Chagall, Marc, Nolde, Spitzweg, Renoir, Macke, Courbet, Beckmann, Matisse, Liebermann, Dix. Hoffmann rechnet damit, dass die Ermittlungen, bei welchen Bildern es sich um Raubkunst handelt, noch lange andauern werden.

Siegfried Klöble wies darauf hin, dass die Bilder nicht etwa in einem Depot beim von ihm geleiteten Zollfahndungsamt gelagert, sondern an einem nicht genannten anderen Ort untergebracht seien. Die Bilder sollten auch nicht online gezeigt werden, sagte Oberstaatsanwalt Nemetz. Dies könnte die Interessen von Anspruchsberechtigten verletzen.

Am 22. September 2010 gegen 21 Uhr kontrollierten nach Angaben des Oberstaatsanwalts Zollbeamte einen damals 76-jährigen Mann im Schnellzug von Zürich nach München. Daraus ergab sich laut Nemetz ein steuerrechtlicher Anfangsverdacht, der sich nach Ansicht der Behörden soweit erhärtete, dass es am 28. Februar 2012 zur Durchsuchung der Wohnung in München-Schwabing kam. Das sachgemäße Verpacken der Werke und ihr Abtransport habe nach Zollangaben drei Tage gedauert.

Die gefundenen Werke seien "von ganz außerordentlicher Qualität", sagte die Kunsthistorikerin Hoffmann. Die Bilder entdeckt zu haben, sei "natürlich ein unheimliches Glücksgefühl". Die Einzelforschung zu den einzelnen Künstlern werde davon sehr profitieren.

Als problematisch schilderten die Staatsanwaltschaft und die Expertin die Rekonstruktion der Herkunftsverhältnisse. Nicht alle Werke sind in der NS-Zeit in den Besitz der Familie des Mannes geraten. So präsentierte Hoffmann ein Werk von Gustave Courbet, das 1949 versteigert worden sei.

Die Bundesregierung weiß bereits seit längerem über den Münchner Fund Bescheid. Man sei "seit mehreren Monaten über den Fall unterrichtet", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Durch die Vermittlung von Experten, die sich mit "Entarteter Kunst" und von den Nationalsozialisten geraubter Kunst auskennen, würden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg auch unterstützt.

feb/dpa/AFP

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    Seite 1    
1. warum werden die Bilder beschlagnahmt?
tekaitora33 05.11.2013
Aus dem Bericht geht leider nicht hervor, warum der Staat Privatbesitz beschlagnahmt/raubt.
2. Entdeckte Kunstwerke
hubertrudnick1 05.11.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDie Behörden haben bei dem spektakulären Kunstfund in München insgesamt 1285 ungerahmte und 121 gerahmte Bilder beschlagnahmt. Dies teilte der Augsburger Oberstaatsanwalt mit. Unter den Werken befinden sich auch bislang unbekannte Arbeiten von großen Meistern wie Dix und Chagall. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kunstfund-in-muenchen-zollfahnder-entdeckten-unbekannte-meisterwerke-a-931833.html
Das stimmt nicht ganz, es war schon vorher bekannt, nur hatte man es jetzt öffentlich gemacht.
3.
12many 05.11.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDie Behörden haben bei dem spektakulären Kunstfund in München insgesamt 1285 ungerahmte und 121 gerahmte Bilder beschlagnahmt. Dies teilte der Augsburger Oberstaatsanwalt mit. Unter den Werken befinden sich auch bislang unbekannte Arbeiten von großen Meistern wie Dix und Chagall. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kunstfund-in-muenchen-zollfahnder-entdeckten-unbekannte-meisterwerke-a-931833.html
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4. Extrablatt
EvilGenius 05.11.2013
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5. optional
gfh9889d3de 05.11.2013
Kann mal endlich einer erklären, worin die strafbare Handlung des Besitzers liegt, die eine Beschlagnahmung rechtfertigt? Dem Staat gehören die Bilder ja wohl sicher nicht...
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