Im Sommer 1990 saugte Elizabeth Peyton das Leben in sich auf. Es war das Leben anderer Leute. Sie las, was Stefan Zweig über das Leben von Marie Antoinette geschrieben hatte. Sie vertiefte sich in das, was Vincent Cronin über das Leben von Napoleon herausgefunden hatte. Peyton war damals Mitte zwanzig, sie war Absolventin der renommierten School of Visual Arts in New York. Sie wohnte in einem kleinen Apartment an der Lower East Side. Und sie hatte gerade ihren Job als Assistentin eines Kunstdozenten verloren.
Peyton suchte nach einem Sinn in ihrem Leben und durch das Lesen fand sie ihn. "Als ich das Buch über Napoleon las, dachte ich darüber nach, wie Menschen Geschichte machen. Es spiegelt sich in ihren Gesichtern wider", sagte die Künstlerin im Oktober 2008 dem Magazin "The New Yorker". "Irgendwie wusste ich dann, was ich tun sollte." Schon immer hatte sie Bilder von Menschen angefertigt. Da sei dieser innere Drang, sagt sie. Woher er kommt? Weiß sie nicht.
Elizabeth Peyton hat sich als Malerin international etabliert. Ihre Bilder, die oft kaum DIN-A4-Format haben, kosten bis zu 300.000 Euro pro Stück. Sie stellt in New York, Minneapolis und London aus. Museen in Paris, Wolfsburg, Basel, Boston, San Francisco und Seattle sammeln ihre Gemälde. Vor zwei Jahren zeigte sie ihre Werke in den Opelvillen in Rüsselsheim.
Nun ist Peyton in Baden-Baden zu sehen. Die Staatliche Kunsthalle zeigt "Here She Comes Now": 30 Ölbilder sowie Arbeiten auf Papier. Viele Stücke wurden in Deutschland noch nie gezeigt oder sehr selten.
Für die Ausstellung in Baden-Baden hat sie nun Porträts von Musikern zusammengestellt: David Bowie, Pete Doherty, Jessye Norman oder Jonas Kaufmann. Ihre Protagonisten zeigt sie konzentriert, singend, versunken. Die Künstler performen, sie kehren ihr Innerstes nach außen, sie wirken apathisch und leidenschaftlich zugleich - ob auf der großen Opernbühne oder beim Punkkonzert, einem Genre, dem Peyton übrigens sehr zugetan ist. "Irgendwie hat Punk mich mehr überzeugt als alles andere. Diese Musik machte mich neugierig auf die Welt", ist in einem Interview im Ausstellungskatalog zu lesen - in dem sie auch ihre Liebe zu Wagner bekennt.
Peyton malt mit harten Linien, sie führt den Pinsel streng, ihre Farben leuchten. Das Rot auf den Lippen der Porträtierten knallt, das Gelb in ihren Haaren strahlt und das Weiß ihrer Haut macht sie blass, zerbrechlich fast. "Die Bilder zelebrieren das Kunstschaffen und Menschen, die ihre Gefühle zum Ausdruck bringen", sagt Peyton. Das hat etwas Naives, etwas Romantisches auch. Und das ist es, woran sie glaubt.
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