Kunstliebhaber Eli Broad 20 Millionen hier, 50 Millionen da

Wohlhabender Wohltäter: US-Milliardär Eli Broad gehört zu den wichtigsten Kunstsammlern der Welt. Der als herrschsüchtig geltende Mäzen beteiligt sich an Prestige-Projekten wie Frank O. Gehrys "Disney Hall", springt aber auch gerne ein, wenn in Los Angeles mal wieder Geld für Schulen und Museen fehlt.

Von Helmut Sorge, Los Angeles


Kunstsammler Broad: Einer der mächtigsten Männer der Stadt
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Kunstsammler Broad: Einer der mächtigsten Männer der Stadt

Die Zeitschrift "Art News" erklärte Eli Broad kürzlich zu einem der zehn größten "art collectors" der Welt. Unter die TopTen der Kunstsammler zu kommen, ist indes nicht einfach. Unter ihnen sind schwerreiche Kunstinteressierte wie der Emir von Katar, Scheich Saud-Al Thani oder die Erben der Kosmetik-Zarin Estée Lauder. Software-Milliardär Bill Gates schätzt die amerikanischen Impressionisten, die Erben des Jeans-Unternehmens Levi-Strauss, Mimi und Peter Haas, sind ebenso unter den erlauchten Aficionados wie Elton John oder Andrew Lloyd Webber, der ein Kenner der zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert aktiven Meister ist.

Der 70-jährige Broad ist vermögend genug, um mit diesen Kunstsammlern mithalten zu können. In den USA leben mithin an die 222 Milliardäre. Alleine 94 der Superreichen genießen als Kalifornier die Sonne im Westen der USA. Aber nur sieben von ihnen haben noch mehr Vermögen als Eli Road, ermittelte das Wirtschaftsmagazin "Forbes" in seiner Liste der reichsten Männer und Frauen der Welt.

Der Sammler ist nicht nur in der Kunstwelt ein Phänomen. Der Entrepreneur, der seine vier bis sechs Milliarden Privatvermögen mit Häuserbau und Versicherungen verdiente, ist, glaubt das "Los Angeles Magazine", einer der mächtigsten Männer der Stadt, engagiert in der Kreation von Museen wie dem "Museum of Contemporary Art", oder auch aktiv bei der Finanzierung der neuen Konzerthalle, der "Disney Hall".

Broad, ergraut, stets in edles italienisches Tuch von Brioni oder Zegna gekleidet, Eigentümer eines Gulfstream-Jets und mehrerer Immobilien zwischen New York und Malibu, war unlängst sogar bereit, 430 Millionen Dollar, das meiste davon in bar, auf den Tisch zu legen, um das örtliche Baseballteam, die "Dodgers", zu übernehmen. Letztlich übernahm jedoch ein Immobilien-Millionär von der Ostküste das Team einschließlich des Stadions und der unendlichen Parkplätze, die, so fürchten "Dodgers"-Fans, der neue Besitzer nun bebauen wird. Selbst die "Los Angeles Times" hatte Broad in einem Leitartikel ermuntert, das Team zu übernehmen, denn schon häufig zückte der Milliardär sein Scheckbuch, wenn Universitäten oder Museen in Finanzkrisen geraten waren oder dem Staat Geld für einen Schulneubau fehlte.

Star-Architekt Gehry: "Heute wieder die besten Freunde"
DPA

Star-Architekt Gehry: "Heute wieder die besten Freunde"

Zehn Millionen Dollar überwies Broad für den Bau der "Disney Hall", 20 Millionen für einen "Fine Arts Complex" der University of California in Los Angeles (UCLA). 50 Millionen stiftet er für den Umbau des Los Angeles County Museum (LACMA), das ein neues Gebäude nach dem Spender benennen wird: Broad Contemporary Art Museum at LACMA. Eli Broad, dessen jüdische Eltern aus Litauen einwanderten, sich in New York kennen lernten und später im düsteren Detroit mit Krämerläden ihren Lebensunterhalt verdienten, gründete bereits als Jüngling ein Unternehmen, das sich auf den Bau von Einfamilienhäusern spezialisierte - mehr als 500.000 Gebäude hat Kaufman & Broad (heute: KB Home) abgesetzt. 1998 verkaufte Broad sein Versicherungsunternehmen Sun America für 18 Milliarden Dollar an die American International Group (AIG).

Der erfolgreiche Unternehmer, der nicht im luxuriösen Bel Air oder Beverly Hills, sondern seit Jahrzehnten in einer Villa im vergleichsweise preiswerten Brentwood lebt, weiß: "Ich werde weit mehr respektiert als geliebt." Denn Broad ist nüchtern, diszipliniert, unnachgiebig und sogar herrschsüchtig, wie ein Kunsthändler glaubt, der mit Broad verhandeln musste. Er ist kein Typ, der mit der Hollywood-Society schmust oder mit Jack Nicholson bei den "Lakers" am Spielfeldrand sitzt. An Wochenenden wandert er am liebsten durch die nahen Santa Monica Mountains.

Gehry-Bau "Disney Hall": Kräftige Geldspritze von Broad
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Gehry-Bau "Disney Hall": Kräftige Geldspritze von Broad

Gelegentlich läuft er auch Ski, vornehmlich aber verfolgt Broad mit seiner Ehefrau Edythe den Kunstmarkt, mit dem die Familie vor vier Jahrzehnten erstmals in Berührung kam - seine Frau hatte ein Originalplakat Toulouse-Lautrecs erworben. 1972 kaufte Broad seinen ersten Vincent van Gogh, von dem er sich alsbald wieder trennte, denn er hatte die zeitgenössischen Künstler entdeckt: Rauschenberg, Jasper Johns, Andy Warhol und Jeff Koons.

Ihn faszinieren die Aussagen der modernen Arbeiten, die Diskussionen mit den Künstlern, die die Welt aus einer anderen Perspektive sehen, als die Geld-Gesellen, die ihn ansonsten umgeben. Mit seinem Freund Frank O. Gehry hat der Mega-Milliardär sich zerstritten, nicht nur, weil er den Star-Architekten schon während der Planungsarbeiten zur "Disney Hall" kritisiert hatte, sondern weil ihm das von Gehry für ihn konzipierte Privathaus missfiel. Gehry baute die Broad-Villa letztlich nie zu Ende. Er hat sie auch noch nie betreten. Broad selbst behauptet zwar, "wir sind heute wieder die besten Freunde", so wie alle in Hollywood Freunde sind, solange Interessen zu vertreten sind. Der Architekt will sich über Broad jedoch nicht äußern - zumindest nicht öffentlich. Tatsache ist: als das erstmals 1987 geplante "Disney Hall"-Projekt, für das walt Disneys Lilliane 50 Millionen Dollar stiftete, in den neunziger Jahren zu scheitern drohte, engagierte sich Broad trotz seiner Differenzen mit Gehry und brachte seine Freunde dazu, 135 Millionen Dollar zu stiften.

Im Gegensatz zu dem Öl-Milliardär Paul Getty, der seinem nach ihm benannten Museum Milliarden hinterließ, hat Broad - bislang - darauf verzichtet, sich selbst ein Denkmal zu setzen. Seine Broad Art Foundation ist eine "lending library" - die rund 1100 Werke seiner Sammlung werden weltweit und kostenlos an Museen und Galerien verliehen.

Nur ein einziges Kunstwerk hat sich Broad exklusiv gesichert. Eine 60 Tonnen schwere Skulptur von Richard Serra. Die steht vor seinem Haus in Brentwood und trägt den treffenden Namen: "No problem"



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