Kunstmarkt: Noldes "Nadja" unter dem Hammer

Ist sie über all den Geheimnissen rot geworden? Den Ruhm von Emil Noldes "Nadja" begründet jedenfalls eine mysteriöse Gemäldehistorie. Hoffentlich verschwindet das Bild nicht gleich wieder hinter dicken Mauern.

Lange war es unauffindbar, jetzt wird es versteigert: Das Porträt "Nadja" des norddeutschen Malers Emil Nolde. Am 12. Juni kommt es im Auktionshaus Ketterer Kunst in München unter den Hammer.

Emil Noldes Porträt "Nadja" aus dem Jahr 1919: Gemälde-Krimi mit blutrot verschmierten Wangen
DPA

Emil Noldes Porträt "Nadja" aus dem Jahr 1919: Gemälde-Krimi mit blutrot verschmierten Wangen

Fast 30 Jahre lang galt das Ölgemälde als verschollen. Nebulös bleiben bis heute die Umstände, unter denen es auf den Dachboden eines anonymen Kunstsammlers gelangte. Ein mutmaßlicher Raub, in den die verstorbene Tochter des Sammlers verwickelt sein könnte, wäre verjährt. Der namentlich nicht bekannte Herr aus der Nähe von Ladenburg im Rhein-Neckar-Kreis gab es weiter an die Polizei. Der Schätzpreis des Werks liegt zwischen 1,2 und 1,8 Millionen Euro.

Das im Jahr 1919 gemalte Porträt gehörte zuerst dem Außenminister der Weimarer Republik, Walther Rathenau, nach dessen Ermordung 1922 erbte es sein Bruder Ernst. Nachdem dieser in die USA emigrieren musste, brachte die Sekretärin des Verlegers "Nadja" bei der Berliner Privatbank Merck Finck & Co in Sicherheit, dort lagerte es während des zweiten Weltkriegs. Die Nationalsozialisten hatten 1941 ein Malverbot gegen Emil Nolde verhängt.

Ob "Nadja" nach der Versteigerung für die Öffentlichkeit zugänglich bleibe, sei ungewiss, teilte die Bank heute mit. Der Expressionist Emil Nolde (1867-1956), der zeitweilig Mitglied der Künstlergruppe "Brücke" war, wird weithin als "Magier der Farbe" verehrt.

bos/ddp

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