Kunstmesse Arco Das Wunder von Madrid

Die Kunstmesse Arco beweist drei Dinge: Eine Kunstmesse kann sehr gut aussehen. Eine Kunstmesse ist nicht nur etwas für reiche Kunstsammler. Auf einer Kunstmesse können Galerien ihre Kunst in Gesprächen vermitteln.

AFP

Die Arco ist nicht nur die erste große Messe für zeitgenössische Kunst im Jahr. Sie ist auch die bestbesuchte: Dieses Mal werden rund 212 Galerien aus 30 Ländern erwartet - und dazu rund 250.000 Besucher.

Stolz ist man darauf in Madrid, auch wenn die Arco nach Umsatzzahlen nicht zur Top-Riege der Kunstmessen gehört. Bei ihrer Gründung Anfang der Achtzigerjahre, nach dem Ende des Franco-Regimes, sollte die Arco eine "Vermittlerin zeitgenössischer Kunst" sein. Inzwischen hat sie sich zu einer Messe entwickelt, "auf der mit Kunst gehandelt wird", wie es Carlos Urroz ausdrückt, der Messechef seit 2012. Die Finanzkrise in Spanien verlangte nach Veränderungen, der Messe-Boom auf dem Kunstmarkt ebenso.

Die Veränderungen haben der konservativen und viel zu groß gewordenen Messe gut getan, sie ist modern geworden und seriös geblieben. Immer noch wird sie vom spanischen Königspaar eröffnet, das nicht nur winkt, sondern auch durch die beiden Hallen geht. Pflicht ist immer der Besuch bei den Galerien des Gastlandes, in diesem Jahr Kolumbien.

Messe ohne "Milliardärspack"

Die zwei ersten Tage gehört die Messe den Fachbesuchern, darunter rund 250 Museumsvertreter, freie Kuratoren, Biennale-Chefs, Künstler und Sammler aus aller Welt, die von der Messe eingeladen, eingeflogen und beherbergt werden. Danach ist die Messe für jeden Interessierten offen, auch für Hunderte von Schulkindern, die einen ordentlichen Messe-Rummel veranstalten. Das sei zwar anstrengend, sagt eine Galeristin, aber immer noch unterhaltender als das blasierte "Milliardärspack" auf den angesagten Messen in London, New York oder Hongkong. Dort, sagt eine ihrer Kolleginnen, habe sie das kürzeste Gespräch all ihrer Messe-Teilnahmen geführt: "Hi! Prize?"

Das wird ihr auf der Arco nicht passieren, denn Kunst kauft man in Madrid nach längeren Gesprächen, die oft erst später Resonanz zeigen, wenn zum Beispiel der Gesprächspartner in der Galerie auftaucht, wie ein mexikanischer Sammler bei den Berlinern Barbara Wien / Wilma Lukatsch. Die beiden Galeristinnen stellen Jimmy Durham aus und die Mexikanerin Mariana Castillo Deball, die im vergangenen Jahr den Preis der Nationalgalerie gewann. Beide Künstler haben Sammler in Brasilien und Mexiko, die anreisen werden. Castillo Deball zeigten die Galeristen 2013 schon einmal und verkauften einen Film an das Museum Reina Sofia, zusammen mit einer zwanzig Meter langen Zeichnung. "Da kommt man gern wieder, zumal die Standgebühr der Arco die Hälfte von anderen Messen kostet. Außerdem ist die Arco kooperativ und hat das ungewöhnlichste VIP-Programm überhaupt, dessen Zusagen sie sogar vorher zusenden", sagt Lukatsch.

Niedrige Kosten für Galerien

Dass die Arco sogar die Erfinderin des "VIP-Programms" ist, weiß der Galerist Thomas Schulte, der im Komitee der Arco sitzt und über die Teilnehmer mitentscheidet. Seit vielen Jahren kommt er nach Madrid, und weil er an vielen großen Messen teilnimmt, weiß er genau, warum er von Carlos Urroz fast schwärmt. Der kenne die Galerie-Szene genau, sei "ein großer Diplomat", der "auf künstlerische Qualität setzt, eine eigenständige Messe will und eine super Organisationstruppe hat". Durch die niedrigen Kojen-Preise habe er im vergangenen Jahr das Dreifache seines Einsatzes verdient, sagt Schulte, "was z.B. in Basel wegen der hohen Kosten fast unmöglich wäre".

Auch Markus Peichl von der Berliner Galerie Crone ist vom Gesamtkonzept begeistert: Die Arco sehe super aus, mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Solo- und Gruppenschauen sowie guten internationalen Galerien. Zudem gebe es eine gute Klientel von Sammlern und Museumsleuten. Das alles sei die Leistung von Messechef Urroz.

Peichls Stand wurde von der Presse im vergangenen Jahr zum besten Stand erklärt. Dieses Jahr zeigt er eine Einzelschau mit Monika Grzymala, die sie eigens für die Arco konzipiert hat. So hat Grzymala mit schwarzen, rund fünf Kilometer langen Klebebändern eine dreidimensionale Zeichnung im Raum angefertigt und zeigt dazu großformatige, handgeschöpfte Papierarbeiten.

Man könnte also meinen, dass es keinen Grund gibt, den Messehallen auch mal den Rücken zu kehren. Doch das täuscht: In fast allen Galerien und Museen Madrids laufen Sonderschauen, von denen man einige wirklich nicht verpassen sollte.


Arco Madrid. International Contemporary Art Fair. Madrid, vom 25. Februar bis 1. März.



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