Kunstmesse Art Cologne: Noch einmal gut gegangen

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Am Dienstag beginnt in Köln die Mutter aller Kunstmessen: die Art Cologne. Noch vor zwei Jahren kriselte dort das Geschäft, die Traditionsmesse wurde totgesagt. Doch nun hat sie sich erholt - auch dank der Finanzkrise.

Die Kunst war schneller als der Staub: Die 44. Art Cologne eröffnet heute wie vorgesehen mit allen Kunstwerken, auch denen aus dem Ausland, denn alle schafften es gerade noch vor der Vulkanaschewolke nach Köln. Auch sonst sieht es gut aus für die Messe: 180 Galerien sind dabei; die Veranstalter erwarten rund 60.000 Besucher und gute Verkäufe.

Vor zwei Jahren war das noch ganz anders: Als die zeitgenössische Kunst boomte, reisten Sammler lieber zur hippen Frieze nach London, an den Strand von Miami zur Art Basel Miami Beach und in die Kunstszene-Hauptstadt Berlin, deren Messe aus Protest gegen Behäbigkeit, Klüngel und Bürokratie der Art Cologne sogar von einigen Kölner Galeristen mit gegründet worden war. Die älteste Kunstmesse büßte Aussteller, Besucher und Sammler ein - und war auf dem besten Weg, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Legendäre Galerien sind wieder dabei

Aber seit dem vergangenen Jahr ist die Art Cologne wieder da. Der neue Art-Cologne-Direktor Daniel Hug hat die Zahl der teilnehmenden Galerien radikal gesenkt und damit für mehr Qualität und mehr Übersicht in nur noch einer Halle auf zwei Etagen gesorgt. Und er hat Galerielegenden wie die Londoner Galerie Annely Juda oder die Düsseldorfer Galerie Hans Mayer auf die Messe zurückgeholt. Sie müssen gute Geschäfte gemacht haben, denn sie sind auch in diesem Jahr dabei.

Dass es für Köln noch einmal gut gegangen ist, hat die Messe auch den Galerien zu verdanken, die mit Klassischer Moderne und Nachkriegskunst handeln - das fehlt auf den Messen in London und Berlin. In der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass Sammler weniger auf Risiko setzen und mehr solide Werte kaufen. Sicher ist sicher.

In Köln fehlt kein großer Name: Karsten Greve zeigt den Französischen Informellen Pierre Soulage, Georg Nothelfer bietet Deutsches Informel von Künstlern wie Walter Stöhrer, Emil Schumacher und K.R.H. Sonderburg. Es ist toll, wenn man in Köln von Stand zu Stand geht, von einem Wassily Kandinsky oder Max Beckmann zu einem Andy Warhol oder Georg Baselitz, dann am immer sensationell guten Stand von Schönewald mit Bildern von Gerhard Richter oder Sigmar Polke vorbeikommt und schließlich in der oberen Halle bei den zeitgenössischen Galerien und den "New Positions" landet, den "Förderkojen", die nur ein Künstler bespielt. Daneben gibt es noch die "New Contemporaries": 22 junge Galerien, deren Stände subventioniert werden.

Ein kompletter Zirkus im Koffer

Unter dem Label "originelle Verjüngung" läuft sicher auch der "Circus Hein" des dänischen Künstlers Jeppe Hein: Mit "Magie, Illusion, Sensation, Partizipation und Amüsement" verwandelt er die Kommunikationsfläche "Open Space" in ein "artistisch-circensisches Gesamtszenario". Auf seine Zirkus-Idee kam Hein während eines Aufenthaltes im Atelier von Alexander Calder, der zwischen 1926 und 1933 einen Zirkus mit Mini-Figuren aus Blech und Draht gebaut hat, den er in einem Koffer mit sich trug.

In Köln hat nicht nur die Messe auf die Kunstkrise in Köln reagiert, die Kunstinstitutionen und Galerien der Stadt ziehen zusammen an einem Strang. Alle Kölner Galerien eröffnen ihre Ausstellungen am 21. April, gemeinsam mit dem Kunstverein, der "Blondie" zeigt eine Schau der Kölnerin Alexandra Bircken. Im Museum Ludwig ist eine Schau der Wolfgang-Hahn-Preisträger Peter Fischli und David Weiss zu sehen, Rosemarie Trockel offenbart, was sie liebt und sammelt, und am 22. April eröffnen auch noch die Ausstellungen von Jochen Lempert und Wade Guyton.

Ebenfalls am 22. April wird der Sammler-, Kuratoren- und Galeristenfamilie Grässlin der mit 10.000 Euro dotierte Art-Cologne-Kunstpreis für "herausragende Verdienste um die Vermittlung moderner Kunst" verliehen, im festlichen Rahmen im alten Rathaussaal. Frühere Preisträger bekamen ihn noch irgendwo auf der Messe in die Hand gedrückt.


Art Cologne. 44. Internationaler Kunstmarkt. Köln, Messe, Halle 11. 21.-25.4.

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