Kunstprovokateur Banksy: Kugelsichere Friedenstauben in Bethlehem

Seine Graffitis sind weltberühmt, er selber bleibt anonym: Künstler Banksy mischt den öffentlichen Raum auf. In Bethlehem provoziert der Sprayer nun mit Zeichnungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt.

Graffiti-Künstler Banksy hält seine Identität geheim, seine Werke aber sind umso prominenter. Jetzt attackiert der 25-jährige Brite die Mauern Bethlehems mit kritisch-ironischen Motiven zum israelisch-palästinensischen Konflikt: An ein Gebäude mit Einschusslöchern hat er eine Friedenstaube in schusssicherer Weste gezeichnet. Sie schaut auf einen israelischen Wachturm. Andere Zeichnungen zeigen einen israelischen Soldaten, der einen Esel nach seinem Ausweis fragt oder ein Mädchen mit Pferdeschwanz, das einen Soldaten durchsucht. Eine Ratte, eines der zeichnerischen Markenzeichen des 25-jährigen Künstlers, richtet ein Katapult auf einen Wachturm.

Banksy-Motiv: Kunst gegen den Krieg
REUTERS

Banksy-Motiv: Kunst gegen den Krieg

Die Graffitis gehören zum Kunstprojekt "Santas Ghetto", das, anders als im Vorjahr, nicht in London, sondern in Bethlehem stattfindet. In einem in eine Galerie umgewandelten Schnellrestaurant gegenüber der Geburtskirche stellen bis zum 25. Dezember Künstler aus den palästinensischen Gebieten und Großbritannien aus.

Auch im Straßenbild sind sie präsent: künstliche abgerissene Beine in Hosen und Schuhen ragen aus Häuserwänden, ein Schneemann thront grinsend auf einem Panzer.

Die Erlöse aus den Kunstwerken gehen in lokale Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche, geben die Veranstalter auf ihrer Homepage bekannt. Sie seien keiner Religion, politischen Organisation oder Lobbygruppe zuzuordnen. Mit dem Kunstprojekt solle die Aufmerksamkeit auf die West Bank gerichtet werden.

Star der vorweihnachtlichen Aktion bleibt Banksy. Der Künstler, der selten Interviews gibt, hatte bereits vor zwei Jahren für Schlagzeilen gesorgt, als er Anti-Kriegs-Graffitis auf der palästinensischen Seite des Sperrzauns zeichnete.

Außer Straßenkunst hat Banksy sich durch Guerilla-Aktionen in Museen einen Namen gemacht. Eigene Gemälde konnte er unter anderem ins British Museum, den Louvre und das Museum of Modern Art einschleusen.

Im Jahr 2005 brachte er rund 500 Fälschungen des Debütalbums der US-amerikanischen Hotelerbin Paris Hilton in englischen Plattenläden in Umlauf. Im Booklet erschien der Star mit Hundekopf oder als Nacktcollage.

lw/Reuters

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