Kunstraub in Belgien Brutaler Einbruch in Kathedrale

Pistolen, Prügel, Verfolgungsjagd: Wieder hat es einen brutalen Kunstraub gegeben, diesmal in Belgien. Die Täter erbeuteten unter anderem ein byzantinisches Kreuz, in dem ein Splitter aus dem Kreuze Jesu eingearbeitet sein soll.


Brüssel - Die Zürcher Polizei hatte den Fund der beiden gestohlenen Werke aus der E.G.-Bührle-Sammlung noch nicht bestätigt, da wurde bereits ein weiterer spektakulärer Kunstraub bekannt: Aus der Kathedrale Notre Dame in der belgischen Stadt Tournai sind am Montag insgesamt 13 wertvolle religiöse Kunstwerke gestohlen worden.

Kathedrale in Tournai: Die Täter kamen mit Pistolen
OPT Jeanmart / belgiumtheplaceto.be

Kathedrale in Tournai: Die Täter kamen mit Pistolen

Wie schon in Zürich gingen auch die Täter in Belgien mit äußerster Brutalität vor. Zwei mit Pistolen bewaffnete Männer sind Polizeiangaben zufolge in die Kathedrale eingedrungen. In der öffentlich zugänglichen Schatzkammer hätten sie mit einem Vorschlaghammer und einem Baseballschläger auf das Panzerglas der Vitrinen eingeschlagen.

Ein Aufseher, ein Besucher und eine Kassiererin, die sich den Räubern entgegenstellten, seien kurzerhand mit den Schusswaffen niedergeschlagen worden. Ihre Beute verstauten die mit Perücken und angeklebten Bärten verkleideten Gangster in Einkaufstaschen. Als sie die Kathedrale verließen, traf die Polizei ein und nahm die Verfolgung der Täter auf. Diese konnten jedoch im Auto eines Komplizen flüchten.

Bei den gestohlenen Kunstwerken handelt es sich um ein byzantinisches Kreuz, acht Kelche aus dem 17. Jahrhundert, zwei Bischofsringe und zwei weitere Kreuze.

Vor allem der Wert des byzantinischen Kreuzes ist kaum schätzbar. In das mit Edelsteinen besetzte Kruzifix ist als Reliquie ein Holzsplitter eingearbeitet, der von Jesu Kreuz stammen soll. Der Versicherungswert liegt bei 25 Millionen Euro. Die Versicherung greift aber nur, wenn das Kreuz einmal im Jahr wegen einer Prozession aus der Kirche getragen wird.

Zum Zeitpunkt der Tat waren weder das byzantinische Kreuz noch die anderen Beutestücke versichert. Der Domherr von Tournai, Pierre-Louis Navez, sagte: "Die Versicherungen weigern sich, so etwas zu versichern. Man kann den Wert nicht wirklich abschätzen. Aber das Kreuz ist unverkäuflich, denn es ist sehr bekannt."

Das byzantinische Kreuz der Kathedrale Notre Dame von Tournai war 1205 in die Stadt gekommen. Ein Ritter hatte es als Dank für einen erfolgreichen Angriff auf Konstantinopel im Jahr 1204 gestiftet.

cc/AFP/dpa



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