Kunstrestitution Im Abgrund der Berliner Straßen

Wer nicht fragt, bleibt dumm, nicht nur in der Sesamstraße. Dies scheint sich auch die Erbin des berühmten Gemäldes "Berliner Straßenszene" von Ernst Ludwig Kirchner gedacht zu haben. Anita Halpin bekam das Bild. Zu Recht? Ein Streit und kein Ende.


Berlin - Wer? Wie? Was? Der Himmel über der Spree bleibt dunkel, die Staatsanwaltschaft fischt im Trüben. Gegen die mutmaßliche Erbin des letzten Bildbesitzers von Ernst Ludwig Kirchners "Berliner Straßenszene" wird nun wegen Betrugsverdachts ermittelt. Ein entsprechendes Verfahren gegen Anita Halpin wird wieder aufgenommen, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft heute mit. Er bestätigte damit einen Bericht der "Berliner Morgenpost".

"Berliner Strassenszene" aus dem Jahr 1913: Die Schlammschlacht um Kirchners Kunstwerk geht weiter.
DDP

"Berliner Strassenszene" aus dem Jahr 1913: Die Schlammschlacht um Kirchners Kunstwerk geht weiter.

Im Sommer 2006 wurde das Gemälde im Berliner Brücke-Museum abgehängt. Im Restitutionsfall um das berühmte Gemälde war ein Sonderausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zuletzt zu dem Schluss gekommen, dass die Rückgabe an Anita Halpin rechtens war. Umstritten bleibt, ob sie vorschnell erfolgte, ohne vorher alle Möglichkeiten für einen Rückkauf des Gemäldes noch vor der Versteigerung zu prüfen.

Halpin hatte im Jahr 2004 Ansprüche auf das Bild erhoben, das nach der Rückgabe im November 2006 für 38,1 Millionen Dollar an den Sammler Roland S. Lauder in New York versteigert wurde. Die Staatsanwaltschaft interessiert nun, was die Grundlage der Entscheidung zur Rückgabe des Gemäldes war.

Deshalb richtet sich ein weiteres Ermittlungsverfahren auch gegen den Berliner Senat: gegen die heutige Chefin der Senatskanzlei und damalige Staatssekretärin für Kultur, Barbara Kisseler, und den früheren Berliner Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei). Die Generalstaatsanwaltschaft gab einer Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens jetzt statt. Die Ermittlung konzentriert sich darauf, "alle Tatsachen zu ermitteln, auf deren Grundlage die Senatsverwaltung ihre Entscheidung zur Rückgabe des Gemäldes getroffen hat", sagte der Sprecher.

bos/dpa



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