Kunstsammlung NRW: Die heimliche Nationalgalerie

Von Ingeborg Wiensowski

Größe zeigen, künstlerisch und architektonisch: Nach zwei Jahren öffnet die Düsseldorfer Sammlung K20 wieder, komplett saniert und um 2000 Quadratmeter erweitert. Noch mehr Platz für eine herausragende Sammlung.

Umgebaute K20-Galerie: Platz da! Kunst! Fotos
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Der offizielle Name ist nicht eben eingängig: Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am Grabbeplatz. Knackiger ist das Kürzel: K20, was für "Kunst im 20. Jahrhundert" steht. Zwei Jahre lang war das renommierte Haus geschlossen, weil es saniert und um 2000 Quadratmeter erweitert wurde. Mit einem Fest stellt es sich nun neu vor.

Spektakulär ist der Anbau nicht, trotzdem war es eine gute Entscheidung, das Kopenhagener Architekturbüro Dissing+Weitling zu beauftragen, das das Museum in den Achtzigern gebaut hatte. Die Dänen haben nun einen Erweiterungsbau mit zwei stützenfreien Hallen optisch genau an das Museum mit seiner elegant geschwungenen, polierten schwarzen Granitfassade angepasst, so dass ein zusammenhängendes Gebäude mit einheitlicher Architektenhandschrift entstanden ist. Wichtig war es den Gestaltern, flexible und multifunktionale Räume zu schaffen, in denen neue Medien genauso gut gezeigt werden können wie die berühmte Sammlung.

Picasso und Matisse, Pollock und Warhol

In der Kunstszene wird das Haus auch schon mal als "heimliche Nationalgalerie" bezeichnet; seinen Status verdankt es dem legendären, jüngst verstorbenen Werner Schmalenbach. Von 1962 bis zu seiner Pensionierung 1990 war er der erste Direktor der neu gegründeten Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Schmalenbach baute eine der wichtigsten Sammlungen zur Malerei des 20. Jahrhunderts auf, mit Werken unter anderem von Picasso, Matisse, Braque und Modigliani, aber auch von Pollock, Warhol und Rauschenberg.

Angegriffen wurde er damals, weil er keine "Neuen Wilden" kaufte, keinen Anselm Kiefer und keinen Joseph Beuys, weil er gegen die zeitgenössische Kunst wetterte und nur dann kaufte, wenn er "die Ungeheuerlichkeit eines Bildes" spürte, wenn ein Bild ihn "überrollte und sprachlos" machte. Wie das 1920 entstandene "Zwei sitzende Frauen" von Picasso, das Schmalenbach für 1,6 Millionen Dollar erwarb und das wenig später auf 50 Millionen Mark geschätzt wurde.

Nach Schmalenbach führte Armin Zweite das Museum, er kaufte unter anderem Werke von Zeitgenossen wie Gerhard Richter und Joseph Beuys und von den Fotografen um Bernd und Hilla Becher. Unter seiner Leitung wurde 2002 das Ständehaus, K21, für die Sammlung zeitgenössischer Kunst des 21. Jahrhunderts eröffnet. Zweite verließ das Museum 2009 und begründete dies mit der Verzögerung beim K20-Erweiterungsbau. Jetzt richtet die neue Direktorin Marion Ackermann, 45, die vorher das Kunstmuseum Stuttgart geleitet hat, das neue Haus ein.

Der Besucher als Gipsskulptur

Die Bestände hat sie neu geordnet und die bisher strenge Aufteilung zwischen der Moderne im K20 und den Zeitgenossen im K21 aufgehoben, was nicht heißt, dass sie die Werke zusammen präsentiert. Die Klassiker hängen weiterhin in den renovierten oberen Räumen des Altbaus, zeitgenössische Interventionen befinden sich in Zwischenbereichen. So hellt Olafur Eliasson die Eingangssituation des K20 mit Monofrequenzlicht und feinfarbigem Nebel auf. Karin Sander bespielt das "Labor", eine neue Einrichtung der Abteilung Bildung, mit ihrer 3-D-Arbeit "135 Museumsbesucher und 1 Hund". In einer Mitmach-Aktion können die Besucher sich selbst einscannen und sich dann als kleine Gipsskulptur in der Ausstellung ansehen.

Im oberen kleinen Café ersetzt Joep van Lieshout die Arne-Jacobsen-Ameisenstühle durch kistenartige, bunte Möbel. Als Literaturcafé soll es dienen, das verschiedene Kuratoren mit Büchern ausstatten. Und draußen am Paul-Klee-Platz hat Sarah Morris ein etwa 180 Quadratmeter großes Wandbild aus farbig glasierten Fliesen angebracht.

Auch die beiden neuen Hallen werden von den Zeitgenossen Kris Martin und Michael Sailstorfer bespielt. Allerdings nur bis September, denn dann zieht ins ganze Haus die große Joseph-Beuys-Schau "Parallelprozesse" ein.


K20 Düsseldorf, Grabbeplatz. Wiedereröffnung mit einem Publikumsfest am 10.7., freier Eintritt bis 25.7.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Nationalgalerie ???
albert schulz 06.07.2010
Zitat von sysopGröße zeigen, künstlerisch und architektonisch: Nach zwei Jahren öffnet die Düsseldorfer Sammlung K20 wieder, komplett saniert und um 2000 Quadratmeter erweitert. Noch mehr Platz für eine herausragende Sammlung. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,704775,00.html
Die heimliche Nationalgalerie ist doch wohl arg sensationsheischend überzogen. Wer die Moderne mag, könnte ein paar passende Bildchen finden, zum Glück wenig von Beuys oder Nagelbilder. Köln hat mehr Moderne, wenn man sich das antun will, und wer meint, es hätte zuvor schon Kunst gegeben, ist in Köln und Wuppertal bestens bedient. Sonst muß er halt nach Stuttgart, München oder Berlin. Ausgerechnet Düsseldorf, nee. Düsseldorf ist das Zentrum für Leute die meinen sie könnten mit Kunst Geld machen ohne was davon zu verstehen.
2. wunder
hermesgolf 07.07.2010
Zitat von albert schulzDie heimliche Nationalgalerie ist doch wohl arg sensationsheischend überzogen. Wer die Moderne mag, könnte ein paar passende Bildchen finden, zum Glück wenig von Beuys oder Nagelbilder. Köln hat mehr Moderne, wenn man sich das antun will, und wer meint, es hätte zuvor schon Kunst gegeben, ist in Köln und Wuppertal bestens bedient. Sonst muß er halt nach Stuttgart, München oder Berlin. Ausgerechnet Düsseldorf, nee. Düsseldorf ist das Zentrum für Leute die meinen sie könnten mit Kunst Geld machen ohne was davon zu verstehen.
ganz meine meinung. die können einen albert nicht von einem albrecht (dürer) und einen erwin nicht von einem edvard (munch) unterscheiden. es erinnert in df alles ein wenig an f.k. wächter: "ikebuma - oder die kunst des blumengießens". kein wunder, wenn der "industrieclub" ständig kunst und kommerz als einheit sieht. (von rau und beuys ganz zu schweigen.) (http://www.welt.de/print-wams/article136674/Beuys_ist_ein_Leben_lang_gestorben.html) dann kann auch schon mal ein papier- und pappknicker in tokio ausstellen;o) aber hände weg von thomas schütte - wenn er nicht gerade... p.s.: heute in "scala" auf wdr5 (wdh. um 21:05) ein interview mit herrn zweite über schmalenbachs tod und sein museum. es enthält leider nichts neues ggü dem spiegel-artikel.
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