Kunstschatz Gemälde von Fra Angelico entdeckt

Im Haus einer kürzlich gestorbenen Bibliothekarin in Oxford sind zwei höchst kostbare Gemälde des Renaissance-Malers Fra Angelico aufgetaucht - die Eigentümerin hatte keine Lust, ihren Kunstschatz mit der Öffentlichkeit zu teilen.


London – Die Werke hingen im Gästezimmer der Bibliothekarin Jean Preston, wie der britische "Guardian" berichtet. Ihr Wert wird insgesamt auf eine Million Pfund geschätzt. Der Fund ist spektakulär, weil die kleinen Gemälde Teile eines der Hauptwerke des Dominikanermönchs Fra Angelico (etwa 1387-1455) sind – sie gehören zum Hochaltar des florentinischen Klosters San Marco, der einst von dem Kunstmäzen Cosimo de Medici in Auftrag gegeben wurde.

Die wiederentdeckten Bilder stammen aus einer Reihe von acht Heiligendarstellungen, die ein Gemälde der Madonna mit ihrem Sohn flankierten. Die kleinen Bilder verschwanden vermutlich während der Napoleonischen Kriege. Sechs davon befinden sich in Privatsammlungen und Galerien.

Preston selbst wusste bereits, was für einen Schatz sie in ihrem Haus verbarg: Sie hatte im letzten Jahr den Kunsthistoriker Michael Liversidge beauftragt, sich die Bilder anzusehen - er habe sie daraufhin über die Kostbarkeit der Werke aufgeklärt. Doch statt den Fund mit der Welt zu teilen, hängte sie die 38 mal 13 cm großen Gemälde wieder in ihr Gästezimmer.

Dillian Gordon, Kurator für frühe italienische Malerei in der National Gallery in London, nannte den Fund "atemberaubend" und fügte hinzu: "Es erstaunt mich immer wieder, wie diese Dinge ans Licht kommen." Auch Laurence Kanter, ein führender Fra-Angelico-Experte vom Metropolitan Museum of Art in New York, bezeichnete die Entdeckung als "sehr aufregend".

amg/dpa



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