Kunstskandal Terroristen-Darstellung als Mutter Gottes empört Israelis

Palästinensische Selbstmordattentäterinnen als Maria mit Jesuskind: Die Aktion zweier Künstlerinnen sorgt in Israel für Empörung. Angehörige von Terroropfern protestieren, konservative Politiker fordern den Stopp der Ausstellung.


Tel Aviv/Hamburg - Wie war das mit der unbefleckten Empfängnis? Eine Ausstellung, die palästinensische Selbstmordattentäterinnen als Mutter Maria mit Jesuskind darstellt, sorgt in Israel für Empörung. Die israelische Zeitung "Jediot Achronot" zeigte am Donnerstag vorab Bilder der Ausstellung zweier israelischer Künstlerinnen, deren Eröffnung am Donnerstagabend in Tel Aviv stattfinden soll.

Die Schau mit dem Titel "Frau, Mutter, Mörderin ..." zeigt die Bilder von sieben Palästinenserinnen, die in Israel blutige Selbstmordanschläge verübt haben. Darunter die Frau, die im Oktober 2003 bei einem Anschlag auf ein Restaurant in Haifa 21 Menschen in den Tod riss.

Die Kunst der Provokation

Die Gesichter der Attentäterinnen sind dabei in verschiedene Marienbilder montiert. Angehörige von Israelis, die bei den Anschlägen getötet wurden, reagierten mit Zorn auf die geplante Ausstellung der Künstlerinnen Lilia Chak und Galina Bleich. "Haben die kein bisschen Mitleid mit uns?", fragte Avigail Levi im Gespräch mit "Jediot Achronot". Ihre Tochter Racheli war bei einem Anschlag auf einen Supermarkt in Jerusalem ums Leben gekommen.

"Es sind dumme und böse Menschen, die dies absichtlich tun, weil sie wissen, dass sie so Medienaufmerksamkeit wecken", sagte sie über die Künstlerinnen. Bei ihr habe dies alte Wunden aufgerissen.

Konservative Politiker forderten, die Eröffnung der Ausstellung zu stoppen. "Für Tausende Israelis, die unter dem Terror von Selbstmordattentätern zu leiden hatten, ist dies eine schallende Ohrfeige", sagte der Abgeordnete Ofir Akunis von der regierenden Likud-Partei. "Die Meinungsfreiheit im Namen der Kunst hat ihre Grenzen, und eine sich selbst verteidigende Demokratie muss diese Ausstellung verhindern."

Klagen und Fragen

Die Künstlerinnen selbst erklärten, die Ausstellung verurteilte die Taten der Selbstmordattentäterinnen. "Die Aufgabe der modernen Kunst ist es, Fragen zu stellen, und wir fragen, wie konnte so eine Frau eine Terroristin werden", sagte Lilia Chak.

Im Jahr 2004 war es bei einer Ausstellung in Stockholm zum Eklat gekommen, als der israelische Botschafter ein Kunstwerk attackierte, das eine palästinensische Selbstmordattentäterin als "Schneewittchen im Blut" stilisierte.

sha/dpa



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