Medienwissenschaftler Kurt Imhof ist tot

Er war in den Medien, die er analysierte, höchst präsent: Der Zürcher Soziologieprofessor Kurt Imhof stritt um die Qualität der Schweizer Publizistik. Nun ist der Wissenschaftler im Alter von 59 Jahren gestorben.

Mediensoziologe Kurt Imhof: Geschätzt und gefürchtet
Universität Zürich

Mediensoziologe Kurt Imhof: Geschätzt und gefürchtet


Zürich - Die Schweizer Medien schätzten und fürchteten Kurt Imhof: Sie schätzten ihn, weil er "sich praktisch zu jedem Thema qualifiziert äußern konnte", wie es der Medienjournalist Nick Lüthi gegenüber dem SRF ausdrückte. Pointiert analysierte der Soziologe gesellschaftliche Entwicklungen, vom Komasaufen bis zur Arbeitsmoral, gerne auch in TV-Talkrunden.

Das zentrale Thema, über das der Universitätsprofessor forschte, waren allerdings die Medien selbst; 1994 habilitierte Kurt Imhof über "Medienereignisse als Indikatoren sozialen Wandels". Seit 2010 stellte er die Schweizer Publizistik öffentlichkeitswirksam in die Kritik: Das Jahrbuch "Qualität der Medien" setzt sich scharf mit Entwicklungen von Presse und Rundfunk auseinander.

Herausgegeben wird das Jahrbuch vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög), den Imhof an der Universität Zürich mitgründete. Die darin Kritisierten schlugen oftmals zurück, warfen dem Institut vor, Gratismedien und Onlinejournalismus jeglichen Wert abzusprechen. Newsrooms hatte Imhof zum Beispiel als "Verrichtungsboxen" bezeichnet.

Geprägt von den politischen Positionen der 68er, war der gelernte Hochbauzeichner Imhof auf dem zweiten Bildungsweg an die Universität Zürich gekommen, wo er 2000 den Lehrstuhl für Publizistikwissenschaften und Soziologie übernahm.

Am Sonntagmorgen erlag Kurt Imhof in einer Zürcher Klinik einem Krebsleiden. Er wurde 59 Jahre alt.

feb

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