Kurt Krömer Show "Wollnse Sekt?"

Kurt Krömer ist ohne Zweifel das Lustigste, was Berlin seit langer Zeit hervorgebracht hat - trotzdem versteckt die ARD seine neue Show weit nach Mitternacht im Programm. Die Folge: Trotz urkomischer Momente verpuffen seine Gags in den Kulissen.


Warum nur wollen alle ins Erste? Sogar Kurt Krömer, eigentlich ein hervorragender Nischenwitzbold, macht für seine neue Show in der ARD die nötigen Abstriche: Er lässt das Publikum aber auch jeden Mucks bekichern und beklatschen, was, wie immer, zur Folge hat, dass mit dem ständigen Lachteppich im Hintergrund die Gags beliebiger werden.

"Krömer - Die internationale Show": TV-Scherzkeks von Format
RBB

"Krömer - Die internationale Show": TV-Scherzkeks von Format

Die neue Krömer-Show, von feigen ARD-Planern erst mal nach Mitternacht versteckt, um sie dann, wenn die Quoten stimmen, nach vorne zu ziehen und damit plötzlich voll dahinter zu stehen, hat auf jeden Fall ihre urkomischen Momente. Etwa wenn Krömer in einem Einspielfilm einen Zahnarztbesuch absolviert, und sich als echter Panikpatient erst mal draußen hinter der Bio-Mülltonne versteckt, um dann, wenn der Zahnarzt ihn suchen kommt, mit verstellter Stimme zu rufen: "Ich hab den Krömer gerade mit 'nem Taxi wegfahren sehen, der wollte drei Wochen nach Hamburg...".

Das ist hübsch, genauso wie die Methoden, mit denen der Zahnarzt seinen schwitzenden Patienten behandelt: Der amüsierte Doktor setzt Krömer eine wackelnde Plastikmöwe auf die Fingerspitze, um ihn abzulenken, und fährt das volle Programm, das er normalerweise benutzt, um kleinen Kindern die Angst zu nehmen. Die Figur Kurt Krömer ist auf jeden Fall das Lustigste, das die Berliner, die zum Lachen ja normalerweise in den Keller gehen, seit sehr langer Zeit hervorgebracht haben.

Anarchistisch, methodisch unvorbereitet und eben fast authentisch neuköllnisch hatte der 1974 in Berlin-Wedding geborene Krömer bereits vor Jahren einen liebenswerten, trotteligen und sich dem One-Liner-Comedian-Diktat eigenwillig versperrenden Charakter geschaffen - wie gut passt er momentan zufällig zur großen Rütlischulen-Bildungsdiskussion: Der Blödmann mit dem Sprachfehler, der die Pausen an völlig anderen Stellen macht, als es die eingeübten TV-Scherzkekse sonst tun, und der skrupellos an jedem Gast nagt, bis man an Borat und großartige Comedians wie Andy Kaufman denken muss.

Trottelfigur mit Charme

Doch in der ersten der zehn neuen Shows verpufft Krömers Charme zwischen den guten und den schlechten Gags. Wenn das Publikum einen Spruch wie "Wissen Sie, wer in dem Kostüm steckt? Ihr Vorgänger!" zu seinem Talkgast Klaus Wowereit angesichts eines lebensgroßen Berlinbären-Assistenten mit genau dem gleichen frenetischen Gejohle frequentiert wie die tolle Frage: "Wollnse Sekt? Glas oder Pumps?", dann zieht das die starken Gags runter und wertet die schwachen nicht auf. Und gerade bei einer entspannten Rampensau wie Wowereit hängt Krömer manchmal geradezu in der Luft, nicht, weil der Bürgermeister wirklich witzig ist, aber er lässt sich eben auch nicht an den Karren fahren, und genau das müsste Krömer tun, um seiner Show noch eine wichtige Ebene hinzuzufügen.

Der zweite Talkgast Christian Anders bekommt zwar durch penetrantes und gerechtfertigtes Ignorieren von dessen Eigenwerbung einigermaßen das Fett weg, aber man sollte so einem beharrlichen Esospinner wie Anders, dessen krude Theorien zu Aids und Politik geradezu nach Maulkorb schreien, eigentlich noch viel mehr zusetzen, ihm zumindest mal den grässlichen Zopf abschneiden.

Doch Krömers Fragen und seine Repliken sind oft zu seicht, er bleibt in seiner Trottelfigur gefangen und verlässt sich darauf, dass die Leute auch lachen, wenn er nichts macht. Trotz schöner, rotter Studiokulisse und reizenden Einfällen, wie dem dunklen, ungemütlichen Wartezimmer für die Gäste, in dem nach Honnecker-Manier die Wand ein Riesen-Krömer-Konterfei ziert, oder die Blitzhochzeit, die Krömer in einem weiteren Einspielfilm off camera mal eben feiert – eine typisch britische Comedy-Idee – war Krömer im kleinen, berlin-brandenburgischen Dritten irgendwie beeindruckender. Und unverschämter. Ob das mit den ethischen Grundsätzen des großen ersten Programms oder einer – nach 14 Jahren guten Witzen nicht unverständlichen - gewissen Ermüdung zusammenhängt, ist eigentlich egal. Vielleicht, hoffentlich, dreht Krömer ja auch einfach in den nächsten Sendungen richtig auf und zeigt seinen Gästen, was eine Harke ist. Oder ein Rechen, ganz egal.



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