Staatsanwalt in Polen ermittelt Künstler soll KZ-Asche vermalt haben

Der Schwede Carl Michael von Hausswolff gibt an, in einem seiner Gemälde Asche aus dem KZ Majdanek verarbeitet zu haben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft im polnischen Lublin gegen ihn - und dem Künstler drohen bis zu acht Jahre Haft. Falls seine Version der Geschichte stimmt.

KZ Majdanek: Ein Künstler hat angeblich Asche von Holocaust-Opfern in Malerei verarbeitet
AP/ State Museum at Majdanek

KZ Majdanek: Ein Künstler hat angeblich Asche von Holocaust-Opfern in Malerei verarbeitet


Lublin/Stockholm/Hamburg - Ist so ein Vorgehen noch durch die künstlerische Freiheit gedeckt? Oder nur geschmacklos? Und sogar strafbar? Der Schwede Carl Michael von Hausswolff will in einer seiner Malereien Asche aus dem Konzentrationslager in Majdanek verwendet haben. Nun hat die polnische Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Künstler eingeleitet.

"Extrem abscheulich" - so nennt Salomon Schulman, eine führende Stimme der jüdischen Gemeinde in Schweden, das Gemälde laut einem Bericht des britischen Senders BBC. Schulman bezweifelte, dass man in diesem Fall überhaupt von Kunst sprechen könne.

Im November und Dezember hatte die Bryder-Galerie in der schwedischen Stadt Lund das Schwarzweiß-Aquarell offenbar rund drei Wochen lang ausgestellt. Doch dann wurde in der jüdischen Gemeinde in Schweden zunehmend Protest laut - und die Schau geschlossen. Denn Carl Michael von Hausswolff hatte eigenen Angaben zufolge für die Malerei Asche verwendet, die er während eines Besuchs in Majdanek im Jahr 1989 im Krematorium des Konzentrationslagers gesammelt haben will.

Das Lager in Majdanek bei Lublin wurde während der Nazi-Besatzung Polens von 1941 bis 1944 betrieben. Nach den Schätzungen des dortigen Museums wurden in dem KZ 80.000 Häftlinge, darunter 60.000 Juden, umgebracht oder starben an Hunger, Krankheiten und Erschöpfung.

Die Gedenkstätte Majdanek hatte in einem Kommentar auf ihrer Website nach Bekanntwerden der ersten Berichte über das kontroverse Bild nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine Provokation des Künstlers handeln könne. Sollte die Behauptung stimmen, handele es sich um "einen barbarischen Vorfall".

Die Staatsanwaltschaft in Lublin hat den Fall übernommen, nachdem sich die schwedische Justiz für unzuständig erklärt hatte, weil das Delikt im Ausland begangen worden sei. Bei ihren Ermittlungen, die allein auf Grundlage von Medienberichten eingeleitet worden seien, hofft die polnische Justiz auf Rechtshilfe der schwedischen Behörden. Es werde geprüft, ob sich der Künstler wegen Störung der Totenruhe verantworten müsse, erklärte eine Sprecherin und fügte hinzu, dass bislang keine Beweise vorlägen. Sollte der Maler wegen der Entweihung menschlicher Asche angeklagt werden, drohen ihm bis zu acht Jahre Haft.

bos/AP/AFP/dpa

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