Istanbul - Die türkische Polizei hat bei landesweiten Razzien zahlreiche Journalisten festgenommen. Bei der Aktion gegen mutmaßliche Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) wurden am Dienstag 38 Kurdenpolitiker sowie Medienvertreter in Gewahrsam genommen.
Allein in Istanbul setzten die Beamten 25 Menschen fest, darunter auch einen Fotografen der Nachrichtenagentur AFP. Dieser wurde aus seinem Haus abgeführt, wie ein Reuters-Mitarbeiter beobachten konnte. Mehr als zehn Journalisten der pro-kurdischen Nachrichtenagentur Dicle wurden ebenfalls festgenommen, meldeten staatliche Medien. Auch in Ankara, Izmir und Diyarbakir im kurdischen Südosten der Türkei wurden Büros und Wohnungen von Dicle-Mitarbeitern durchsucht.
Unter den Festgenommenen waren nach Medienberichten auch mehrere Vertreter der legalen Kurdenpartei BDP sowie Journalisten von kurdischen Medien, aber auch Mitarbeiter von nicht-kurdischen Zeitungen. CNN Türk berichtete, auch andere Nachrichtenagenturen seien Ziel der Ermittler gewesen. Es seien Computer und Dokumente beschlagnahmt worden.
Den Festgenommenen wird Unterstützung der PKK-nahen Organisation Union der kurdischen Gemeinschaften (KCK) vorgeworfen. Nach Einschätzung der türkischen Justiz hat die KCK die Aufgabe, parallele Staatsstrukturen in kurdischen Gebieten aufzubauen; so soll es PKK-gelenkte Gerichte und andere Institutionen geben. Die PKK wird unter anderem von der Türkei und der Europäischen Union als terroristische Vereinigung eingestuft.
Das Vorgehen gegen die Medien dürfte auf Kritik im Westen stoßen, zumal bereits vor den Razzien in der Türkei 70 Journalisten im Gefängnis saßen - so viele wie in kaum einem anderen Land. Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen führt die Türkei in ihrer Rangliste zur weltweiten Lage der Pressefreiheit auf Platz 138 von insgesamt 178 Staaten und Regionen. 2007 belegte das Land noch Platz 101.
Bereits im vergangenen Monat waren mehr als 100 Menschen bei ähnlichen Razzien festgenommen worden, nachdem sich Angriffe der PKK auf türkische Sicherheitskräfte gehäuft hatten. Nach Regierungsangaben wurden seit Beginn der Ermittlungen vor zwei Jahren rund 500 KCK-Verdächtige verhaftet. Kurdenpolitiker sagen, die Regierung wolle Gegner mundtot machen.
Die PKK kämpft seit den 1980er Jahren für mehr Autonomie. Mehr als 40.000 Menschen kamen in dem Konflikt seither ums Leben.
lgr/AFP/Reuters
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