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Medienkrise in Frankreich: "Le Monde"-Chefin Natalie Nougayrède tritt zurück

"Le Monde"-Chefredakteurin Nougayrède: Rücktritt Zur Großansicht
AFP

"Le Monde"-Chefredakteurin Nougayrède: Rücktritt

Die Krise beim französischen Traditionsblatt "Le Monde" hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht: Chefredakteurin Natalie Nougayrède hat ihren Rücktritt erklärt. In einem offenen Brief klagt sie darüber, dass ihre Vorrechte beschnitten werden sollen.

Paris - Nach nicht einmal 15 Monaten hat die erste Frau an der Spitze der renommierten französischen Tageszeitung "Le Monde" das Handtuch geworfen. Sie trete von ihrem Posten zurück, teilte Natalie Nougayrède am Mittwoch in einem Brief mit, den "Le Monde" auch im Internet veröffentlichte. Es gebe Bestrebungen, die "Vorrechte der Redaktionsleitung drastisch zu beschränken" - unter diesen Umständen sehe sie keine Möglichkeit, ihre Arbeit fortzusetzen.

Die 46-Jährige, die im März 2013 an die "Le Monde"-Spitze gewählt wurde, war in der Redaktion äußert umstritten. Vergangene Woche waren bereits sieben von elf Mitgliedern der Chefredaktion zurückgetreten. In einer Erklärung beklagten sie "ein Fehlen von Vertrauen und Kommunikation". Ein Teil der Journalisten wirft Nougayrède vor, die Redaktion "einzelgängerisch" zu leiten und "auf niemanden zu hören".

Bei dem Streit geht es um Nougayrèdes Pläne zur Neuorganisation der Redaktion, der im Februar bekannt geworden war. Demnach sollen Print- und Online-Ausgaben näher zusammengeführt werden. An die 50 Journalisten sollen in die Online-Ausgabe wechseln. Bei zahlreichen Redakteuren stoßen die Pläne auf massive Vorbehalte.

Das französische Traditionsblatt, das wie viele französische Zeitungen mit einer sinkenden Auflage zu kämpfen hat, steckt seit Jahren in der Krise und hat Schulden von etlichen Millionen Euro angehäuft. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der weltweit verkauften Exemplare um 4,6 Prozent auf durchschnittlich 303.432 pro Tag zurück. Zuletzt hatte die Zeitung im Sommer 2013 daher die Einführung einer englischen Ausgabe beschlossen, um neue Märkte zu erschließen.

mxw/Reuters/AFP

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