Legendärer DDR-Fotograf Arno Fischer ist tot

Der Alltag im geteilten Berlin, die Einsamkeit der Dietrich: Arno Fischer schoss im Nachkriegsdeutschland Bilder, die heute jeder kennt. Er war einer der großen Fotografen der DDR, unkorrumpierbar sein Blick, poetisch seine Komposition. Am Dienstag verstarb der Berliner im Alter von 84 Jahren.

Arno Fischer: Foto-Chronist deutsch-deutscher Nachkriegsgeschichte
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Arno Fischer: Foto-Chronist deutsch-deutscher Nachkriegsgeschichte


Hamburg/Berlin - Seine Werke sind nicht wegzudenken aus dem kollektiven Bildarchiv der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte: Seine Aufnahmen aus dem frisch geteilten Berlin der fünfziger Jahre sind genauso berühmt wie seine Porträts der späten, vereinsamten Marlene Dietrich. Mit Arno Fischer starb am Dienstag einer der bedeutendsten Foto-Chronisten des Landes.

Sein Kurator Matthias Flügge, der mit ihm eine Schau in Bonn gestaltete, würdigte Fischer für "den Erhalt und die Weiterentwicklung der humanistischen Sprache der Fotografie". Die besten Bilder seien von einer "unaufdringlichen Vielschichtigkeit", sagte Flügge. Man nehme nur das Foto eines Jungen, der im Nachkriegsdeutschland vor einem Militaria-Laden steht.

Nach dem Krieg hatte der im Arbeiterbezirk Berlin-Wedding geborene Fischer zunächst Bildhauerei in Ost und West studiert. Eine Assistentenstelle mit dem Lehrauftrag Fotografie an der Kunsthochschule Weißensee Mitte der fünfziger Jahre machte ihn zum DDR-Bürger.

Mit seiner Geburtsstadt sei die "wichtigste Arbeit seines Lebens" verbunden, erklärte Fischer. Schwarz-Weiß-Fotos, frei von jeder Propaganda, entstanden bei seiner Wanderung zwischen dem Ost- und Westteil. Die meisten erzählen vom Alltag der Menschen, ruhig in der Betrachtungsweise, frappierend in ihrer Detailgenauigkeit.

Wie seine Frau, die 2010 verstorbene Sibylle Bergemann, arbeitete Fischer für die legendäre DDR-Modezeitschrift "Sibylle" und war maßgeblich an der Entwicklung ihrer Bildsprache beteiligt. Trotz kritischer Haltung gegenüber dem sozialistischen Staat sah er in der DDR seine Heimat: "Ans Abhauen habe ich nie gedacht", erklärte er vor drei Jahren im Interview mit seen.by. "Ich habe es den Leuten, die nicht zurückgekommen sind, sogar eher übelgenommen, weil sie uns im Stich gelassen haben."

Stets lag ihm auch die Nachwuchspflege am Herzen: Fischer schärfte als Lehrer und Professor in Berlin, Leipzig und Dortmund den Blick mehrerer Generationen von Fotoschülern. Als der Emeritus 2001 eine eigene Fotografenschule - "Fotografie am Schiffbauerdamm" - gründete, meldeten sich schlagartig 400 Interessenten für einen Kurs. "Mit jungen Leuten zu arbeiten, ist mein Leben", sagte er einmal.

2010 erhielt Arno Fischer für sein Lebenswerk den Kunstpreis des Landes Berlin. Wie die von seiner Frau gegründete Fotoagentur Ostkreuz bekanntgab, verstarb der Foto-Großmeister und Bild-Pädagoge am Dienstag im Alter von 84 Jahren.

cbu/dpa/dapd



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laszlo_szell, 14.09.2011
1. fotostrecke
eine ordentliche fotostrecke hätten sie dem fotografen doch gönnen können.
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