Legendärer Graffitikünstler "Iz the Wiz" ist tot

Er war der berühmteste New Yorker Sprayer der Siebziger und Achtziger, seine bevorzugte Arbeitsfläche die U-Bahn: Jetzt ist Michael Martin, der sich "Iz the Wiz", nannte im Alter von 50 Jahren gestorben.


Einer der hartnäckigsten Mythen des Kunstbetriebs ist der vom Genie, das erst nach seinem Tod entdeckt wird. In einer Zeit allerdings, in der Kunsthändlern und Kunstmessenbesuchern anscheinend fast gar nichts entgeht, ist die Chance, dass irgendwo im Hinterland des Kunstbetriebs noch ein verkannter Großmeister sein Werk schafft, nicht allzu groß.

Und doch war Michael Martin, der, wie die "New York Times" meldet, am 17. Juni gestorben ist, so ein Künstler: der legendäre Graffitimeister der Siebziger und Achtziger. Seine Arbeiten, bevorzugt auf den Zügen der New Yorker U-Bahn-Linie A zu sehen, haben das damalige Bild der Stadt geprägt, noch viel mehr aber die Popkultur: Martin war Vorbild für Generationen von Writern, die nach ihm kamen.

Mit 14 Jahren sprühte Martin seine ersten Graffiti, und als er 1975 ein Plakat für das Broadway-Musical "The Wiz" sah, hatte er auch seinen Künstlernamen gefunden: "Iz the Wiz". Unter dem brachte er es zum "am längsten herrschenden König von N.Y.C.", wie es eine amerikanische Graffiti-Webseite jetzt ausdrückte. Seine Arbeiten, meist bunte, waggonfüllende Schriftzüge, aber auch Porträts, zum Beispiel von John Lennon, ruckelten im Fahrplantakt durch New York. Martin trat in Filmen wie "Style Wars" und "Wild Style" auf, zog sich Mitte der Achtziger aber aus der Graffitiszene zurück.

Erst in den Neunzigern fing er wieder an, zu sprayen. Ein Nierenschaden jedoch, wohl eine Folge der eingeatmeten Gase, zwang ihn ab 1996 in Dialyse-Behandlung.

Zuletzt lebte Martin verarmt in Florida. Von der Graffitiszene verehrt, im etablierten Betrieb aber so gut wie unbekannt, hatte Martin es nie geschafft, die entscheidenden Kontakte zur Kunstwelt zu knüpfen. Dabei geht der Kunstmarkt-Trend der Nuller Jahre doch ganz entschieden auch auf seine Vorarbeit zurück: Street Art.

Es gibt also doch einmal wieder einen toten Künstler zu entdecken.

sha



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