Legendärer Strippenzieher Medienmanager Josef von Ferenczy ist tot

"Text-Krämer" nannte man ihn zu Zeiten der alten Bundesrepublik: Josef von Ferenczy wurde reich damit, die Artikel seiner Autoren an bunte Blätter zu vermitteln. Als Dienstleister für "atmosphärische PR" beriet er die Mächtigen des Landes. Nun ist der Medienmanager im Alter von 92 Jahren gestorben.

"Erfinder des modernen Medienmanagements": Josef von Ferenczy im Jahre 2004
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"Erfinder des modernen Medienmanagements": Josef von Ferenczy im Jahre 2004


München/Hamburg - Den "größten Verknüpfungskünstler der deutschen Medienszene" und den "Erfinder des Medienmanagements" nannte ihn einmal der SPD-Politiker Peter Glotz: Der in Ungarn geborene Wahl-Münchner Josef von Ferenczy ist am Sonntag im Alter von 92 Jahren gestorben, wie Bayerns Medienminister Marcel Huber (CSU) am Dienstag bestätigte.

Ferenczy war "einer aus der Gründerzeit der Bundesrepublik, aus der Gründerzeit der modernen Mediengesellschaft", schrieb Jakob Augstein 2001 über den schillernden Unternehmer: "Der Menjou-Bart, das alterslose Gesicht, der sorgsam gepflegte osteuropäische Akzent" - Josef von Ferenczy fiel auf in der bundesrepublikanischen Gesellschaft.

1919 wurde Ferenczy im ungarischen Kecskemet geboren. Er entstammt einer ungarischen Landadelsfamilie - seine Großtante Ida soll Vorleserin der österreichischen Kaiserin und ungarischen Königin Elisabeth gewesen sein, der legendären Sissi.

Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Ferenczy dem Widerstand gegen Nazi-Deutschland an, 1946 wurde er Staatssekretär im ungarischen Verteidigungsministerium. Nachdem in Ungarn die Kommunisten die Macht übernahmen, flüchtete er, über Wien kam er 1951 nach München, mit nicht viel mehr als einer Badehose im Gepäck, wie Ferenczy oft erzählte.

Als im Finale der Fußballweltmeisterschaft 1954 seine neue Heimat Deutschland sein Vaterland Ungarn besiegte, hatte Josef von Ferenczy seinen ersten großen Coup im Mediengeschäft schon perfekt gemacht. Er hatte sich erfolgreich bei der Fifa um die Verfilmungsrechte beworben - mit einer auf Ungarisch geschriebenen Bewerbung, die seine Frau Katharina ins Deutsche übersetzt und sein Sohn Andreas, damals in der 2. Klasse, in korrektes Deutsch übertragen hatte - so berichtete Josef von Ferenczy es jedenfalls der Münchner "Abendzeitung".

Mit der Gründung seiner Presseagentur 1957 startete Ferenczy seinen Aufstieg im Journalismus. Schon 1962 porträtierte der SPIEGEL Ferenczy unter dem Titel "Deutsch serr gutt". Damals entstammte weit über ein Drittel aller Romane und Serien in deutschen Wochenblättern mit Massenauflage seiner Produktion. Magazine wie "Quick", "Revue" oder "Stern" zählten zu den Abnehmern der Geschichten, die Ferenczy vermittelte.

Ferenczy entdeckte Autoren wie Heinz Günther Konsalik, der den "Arzt von Stalingrad" zunächst als Zeitschriftenserie veröffentlichte, bevor ein erfolgreicher Roman und Spielfilm daraus wurde. Landserromantik und Liebesschnulzen, Arztromane, Krimis und Erotik waren die Themen der Geschichten, mit denen Ferenczy handelte. "Sexpapst" Oswalt Kolle zählte ebenso zu seinen Autoren wie Ephraim Kishon. Bei den Zeitschriftenartikeln behielt Ferenczy eine Provision von 25 Prozent der Autorenhonorare ein. Doch: "Ohne ihn nix verdien'", sagte sein Erfolgsautor Will Berthold. Ferenczys Gespür für populäre Themen war legendär, unter anderem verlegte er die Memoiren von Klaus Kinski, Max Schmeling und Siegfried & Roy.

"Byzantinischer Lebensstil"

Von den siebziger Jahren an widmete Ferenczy sich zunehmend der "atmosphärischen PR": Er beriet Konzernvorstände von AEG oder VW in ihrer Außendarstellung, auch von Friedrich Karl Flick erhielt er zeitweise mutmaßlich eine Million Schweizer Franken jährlich für PR-Dienste - den Kontakt stellte der CDU-Politiker Rainer Barzel her.

Barzel war bei weitem nicht der einzige gute Bekannte Ferenczys im politischen Geschäft: Willy Brandt, Helmut Kohl, Franz Josef Strauß - sie alle suchten Ferenczys Rat in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit oder des Verlagswesens. Der langjährige österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky sagte einmal über den Medienhändler: "Sieht aus wie ein Operettenbonvivant - und nachher stimmt alles."

"Dialog ist die Muttersprache der Menschheit", philosophierte Ferenczy, als er gemeinsam mit Hans-Dietrich Genscher und Michail Gorbatschow seine Memoiren vorstellte. Als Gastgeber informeller Treffen versuchte er, Politiker unterschiedlicher Couleur zusammenzubringen - nach seinem Ziel: "Aus Feinden Gegner machen und aus Gegnern Freunde".

Josef von Ferenczy bezeichnete sich selbst als "leidenschaftlicher Ungar, treuer Deutscher und begeisterter Europäer". Mit dem Axel Springer Verlag beteiligte er sich an einem Joint Venture in Ungarn. Zwei SOS-Kinderdörfer hat Ferenczy in seinem Heimatland initiiert, das ihn für seine Verdienste zum Ehren-Brigadegeneral der ungarischen Armee ernannte.

Gegen Ende seines Lebens häuften sich die Schicksalsschläge für Josef von Ferenczy. Seine beiden Söhne starben kurz hintereinander, Csaba 1993 und Andreas 1996, beide im Alter von 52 Jahren. Sie hätten die Firma übernehmen sollen.

Stattdessen machte sich Ferenczy auf die Suche nach geschäftlichen Kooperationspartnern. Unter anderem scheiterte 2000 eine Zusammenarbeit mit dem PR-Manager Moritz Hunzinger, der bald darauf berüchtigt wurde als skandalträchtiger Berater von Rudolf Scharping und Cem Özdemir. Im Jahr 2001 musste die Firma Ferenczy Medienhaus GmbH & Co KG Insolvenz anmelden.

Legendär war Josef von Ferenczys "byzantinischer Lebensstil" (SPIEGEL). Er ließ sich von Andy Warhol porträtieren und bewohnte eine säulenbewehrte Villa in Grünwald mit einem Knopf unter dem Konferenztisch, mit dem man den Butler oder Koch herbeiklingeln konnte. Er verließ die Villa im Februar 2011, fünf Monate nach dem Tod seiner Frau Katharina und zog in eine Seniorenresidenz in München-Grünwald, wo er am Sonntagabend nach langer Krankheit starb.

feb/dpa



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