Legendäres Klimt-Porträt: Langsame Heimkehr

Von Daniel Haas

Der Kosmetik-Mogul Ronald Lauder erstand Klimts berühmtes Porträt der "Adele Bloch-Bauer" für die Rekordsumme von 135 Millionen Dollar. Das von Österreich zurückgegebene Bild sei endlich dort, wo es hingehöre, sagt die Erbin des Werks - nach einer dramatischen Gerichts-Odyssee.

"Das ist unsere Mona Lisa", sagte Ronald Lauder zur "New York Times", und tatsächlich hat das Klimt-Gemälde "Adele Bloch-Bauer I", das der Kosmetik-Mogul für den Rekord-Preis von 135 Millionen Dollar für sein Museum erstand, ähnlichen Kultstatus wie Leonardo Da Vincis Meisterwerk. Seine Geschichte hat die Qualitäten eines Kriminalromans, in dem Gier und Eitelkeit, aber auch Ausdauer und Tapferkeit die tragenden Rollen spielen.

Klimts Porträt "Adele Bloch-Bauer I": Langsame Rückkehr
AFP

Klimts Porträt "Adele Bloch-Bauer I": Langsame Rückkehr

Hartnäckig und tapfer, diesen Part übernahm die heute 90-jährige Maria Altmann, die rechtmäßige Erbin des Bildes. Fast acht Jahre lang stritt die Amerikanerin für die Restitution des berühmten Porträts und vier weiterer Bilder, die ihr von ihrem Onkel Ferdinand Bloch-Bauer vermacht worden waren. Ihr Gegner in dem Millionen Euro teuren Prozess: die Republik Österreich, die Altmann über Jahre mit fadenscheinigen Argumenten abwimmelte.

Ferdinand Bloch-Bauer, ein böhmischer Zuckindustrieller, war einer der bedeutendsten Förderer der Wiener Moderne; in den zehner Jahren des 20. Jahrhunderts gingen in seinem Palais neben der Akademie der Bildenden Künste Gustav Mahler, Arthur Schnitzler und Gustav Klimt ein und aus. Seine Frau Adele stand Klimt Modell; mit dem Kauf der Bilder ermöglichte der Mäzen dem Maler ein freies, von ökonomischem Druck befreites Arbeiten.

Adele Bloch-Bauer äußerte in ihrem Testament zwar den Wunsch, Klimts Werke sollten nach dem Tod ihres Mannes in den Besitz der Österreichischen Galerie übergehen, doch rechtlich bindend - auch wenn Wien darauf beharrte - war dieser Wunsch nicht. Dass der vor dem Hitler-Regime nach Zürich geflohene Unternehmer von einer Schenkung nichts mehr wissen wollte, nachdem die nationalsozialistischen Behörden die Bilder "kommissarisch" in Verwahrung genommen hatten, ist nur allzu verständlich. Sein Besitz sollte an die nach Kalifornien geflüchtete Nichte, Maria Altmann, gehen.

Als im Januar dieses Jahres die Rückgabe der Klimt-Werke beschlossen wurde, ging ein Aufschrei durch Österreich: Vom "kulturellen Super-GAU" war die Rede, der Direktor der Österreichischen Galerie im Belvedere, Gerbert Frodl, sprach in der "Welt" von einem "Schlag für Österreichs Kultur". Dass die österreichische Kultur bereits sechzig Jahre zuvor geschlagen war - mit Ignoranz und Gewalt durch die Vertreibung und Ermordung der österreichischen Juden -, schien in Vergessenheit geraten.

Dass Ronald Lauder das Bild für seine Neue Galerie in New York gekauft hat, ist konsequent: Der Erbe des Kosmetik-Imperiums Estée Lauder hilft seit Jahren, geraubte Kunstwerke wieder in den Besitz ihrer rechtmäßigen Erben zu überführen. Lauder setzte sich für dieses Ziel in verschiedenen Rollen ein: als US-Botschafter in Österreich, als Berater einer von Clinton geschaffenen Kommission, die Fälle von Nazi-Raubgut in Amerika untersuchte, als Mitglied der "World Jewish Resitution Organization". Zwischenzeitlich kam der Milliardär allerdings selber in Verruf: Seine Galerie horte Raubkunst von Holocaust-Opfern, hieß es.

Für Maria Altmann, die sich bis zum Supreme Court vorkämpfte, um Österreich in Amerika verklagen zu können, zählt heute jedoch vor allem Lauders Loyalität und Hingabe an die Kunst. Wenn das legendäre Porträt schließlich in der Neuen Galerie hängen werde, sei es endlich dort angekommen, wo es hingehöre, sagte sie der "New York Times".

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