Deutsche Wiedervereinigung Leipzig kippt Pläne für Einheitsdenkmal

Der friedlichen Revolution von 1989 sollten Nationaldenkmäler gewidmet werden. In Leipzig wird aus diesem Plan vorerst aber nichts - nach langer Debatte und Rechtsstreitigkeiten hat der Stadtrat das Projekt gestoppt.

Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig (2013): Hier gibt's vorerst kein Denkmal
DPA

Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig (2013): Hier gibt's vorerst kein Denkmal


Leipzig - Leipzig sollte zum 25. Geburtstag der friedlichen Revolution von 1989 wegen seiner wichtigen Rolle bei der deutschen Wiedervereinigung eigentlich ein Freiheits- und Einheitsdenkmal erhalten - doch daraus wird vorerst nichts: Nach langem Streit um die Entwürfe und juristischen Querelen hat der Stadtrat jetzt das vorläufige Aus des Denkmals beschlossen. An dem Vorhaben hatte es schon seit Jahren viel Kritik gegeben.

2011 startete die Stadt einen Gestaltungswettbewerb für das Denkmal, 38 Entwürfe wurden eingereicht. Dass eine Jury den Entwurf "Siebzigtausend" auf Platz 1 setzte, löste heftige Diskussionen aus. Von der Idee, 70.000 bunte Würfel zum Wegtragen aufzustellen, fühlten sich Zeitzeugen der Revolution auf den Arm genommen. Auch der geplante Standort des Denkmals auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz wurde kritisiert: Über den gesamten Ring waren die Demonstranten 1989 gezogen - aber nicht über diesen Platz.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), stets einer der größten Befürworter des Denkmals, sagte nun, er sei froh über die "Atempause". Woran das Projekt letztendlich gescheitert sei, wisse er aber nicht, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die Macher des einst favorisierten Entwurfs, Marc Weis und Martin De Mattia, verteidigten ihren ungewöhnlichen Entwurf: Es sei ein Ansinnen dieses Wettbewerbs, "dass man den Denkmalsbegriff neu denkt und nicht in den Traditionen verbleibt."

Entscheidung ums Vergabeverfahren vor Gericht

Der Streit um das Einheitsdenkmal beschäftigte auch die Justiz. Nachdem "Siebzigtausend" bei der Bevölkerung nicht gut angekommen war, schob die Stadt eine zweite Wettbewerbsphase ein - an deren Ende die bunten Würfel vom ersten auf den dritten Rang heruntergestuft wurden. Weis und De Mattia wandten sich daraufhin an die Vergabekammer des Freistaats und das Oberlandesgericht. Ergebnis: Die Stadt müsse die zweite Phase des Wettbewerbs wiederholen.

Das von den Stadtratsfraktionen von SPD, CDU und Grünen beantragte Ende des Vergabeverfahrens hat dies nun verhindert. Allerdings wird das Projekt nur zeitweise auf Eis gelegt. Langfristig hält die Stadt an dem Ziel fest, die friedliche Revolution mit einem Denkmal zu würdigen. Dafür soll dann auch ein anderer Standort gesucht werden.

Auch in Berlin verzögert sich der Bau eines zweiten geplanten Einheitsdenkmals seit Jahren. Derzeit behindern Fledermäuse im Sockel und der Fund historischer Mosaiken aus der Kaiserzeit die Realisierung.

mxw/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
reever_de 16.07.2014
1. Wer weiß wofür es gut ist ...
Deutsche Denkmäler haben zuweilen die Angewohnheiten, sündteure Scheußlichkeiten aus Marmor, Granit und Bronze zu werden aus denen man ohne Erklärung den eigentlichen Zweck oder Hintergrund nicht erkennen kann ... von daher ist es vielleicht nicht unvernünftig, auf derartige Verschönerungen des Stadtkerns zu verzichten. Andererseits, wenn sich die Stadtoberen dieses heheren Datums und Ereignisses so schämen, kann ja die Solizahlung für Leipzig schon mal eingestellt werden. Also, alle Seiten sind zufrienden, West wie Ost! ;)
reever_de 16.07.2014
2. Wer weiß wofür es gut ist ...
Deutsche Denkmäler haben zuweilen die Angewohnheiten, sündteure Scheußlichkeiten aus Marmor, Granit und Bronze zu werden aus denen man ohne Erklärung den eigentlichen Zweck oder Hintergrund nicht erkennen kann ... von daher ist es vielleicht nicht unvernünftig, auf derartige Verschönerungen des Stadtkerns zu verzichten. Andererseits, wenn sich die Stadtoberen dieses heheren Datums und Ereignisses so schämen, kann ja die Solizahlung für Leipzig schon mal eingestellt werden. Also, alle Seiten sind zufrienden, West wie Ost! ;)
quark@mailinator.com 16.07.2014
3. Besser isses
Denkmäler können gebaut werden, wenn der Osten seine Würde wieder hat. Soll heißen, wenn die Jugend hier bleiben und in ordentlicher Großindustrie arbeiten kann. Solange man gezwungen ist, nach Süddeutschland zu gehen und seine Eltern und Großeltern allein zurückzulassen, können se die Denkmäler auch lassen.
western_skies 16.07.2014
4. Denkmal / Mahnmal
Ein Denkmal der Einheit, das sich nicht eindeutig erkennbar mit den Ursachen der Teilung befasst, verfehlt sein Thema und taugt nicht zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit dem Ziel, es in Zukunft besser zu machen. Ich würde in diesem Fall noch einen Schritt weiter gehen: Ein Denkmal der Einheit, das nicht vom Holocaust her gedacht ist, ist bestenfalls naiv, schlimmstenfalls geschichtsvergessen, jedenfalls rührend bis anrührend. Linksliberale Betroffenheitsposen liegen mir nun wahrhaftig fern und die fleißige Zensurtätigkeit der Spiegel-Online Redaktion gegenüber meinen Kommentaren bestätigt mich um so mehr in meiner konservativen Einstellung. In diesem Fall jedoch möchte ich sogar die Pamphlete von Günter Grass über die bevorstehende Wiedervereinigung zur Lektüre empfehlen, die dieser noch vor der Einheit, Ende 89, Anfang 1990 verfasst hat.
bumminrum 16.07.2014
5. Leipzig
hat schon mehrfach Schiffbruch mit solchen wichtigen Bauvorhaben erlitten. Hier kann man nur den abgrundtief hässlichen Schandbau des Neuen Bildermuseum inmitten der Altstadt hervorheben. Dieser ist massgeblich durch den ehemaligen Beigeordneten Lüdtke Daldrup zu verantworten und wurde wie das Einheitsdenkmal komplett gegen die Meinung der Bürger geplant. Die gebildeten Expertengremien stehen offensichtlich nicht für Qualität und der OBM kann nicht sagen waran es liegt - das ist Führung!!!
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