Leipziger BMW-Werk Architekturpreis für Zaha Hadid

Mit ihrem gewagten Entwurf für das Leipziger BMW-Werk hat die Londoner Star-Architektin Zaha Hadid den Deutschen Architekturpreis gewonnen. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde erstmals seit 1985 für ein nicht-öffentliches Gebäude verliehen.


Leipzig - Die britische Star-Architektin Zaha Hadid ist am Freitag in Leipzig mit dem Deutschen Architekturpreis geehrt worden. Sie erhält die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für die Planung und den Bau des BMW-Werkes Leipzig. Stifter ist der Energieversorger E.ON Ruhrgas.

BMW-Werk in Leipzig nach Hadid-Entwurf: Ungewöhnliche Formensprache
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BMW-Werk in Leipzig nach Hadid-Entwurf: Ungewöhnliche Formensprache

Nachdem der Deutsche Architekturpreis in den zurückliegenden Jahren für öffentliche Gebäude - Bundeskanzleramt, Festspielhaus Recklinghausen, Jüdisches Museum Berlin - vergeben wurde, setzt die international besetzte Jury mit der Prämierung eines Bauwerkes aus der Arbeitswelt einen neuen Akzent. Zuletzt wurde 1985 mit der Zeitungsdruckerei des Süddeutschen Verlags ein privatwirtschaftliches Gebäude ausgezeichnet. Damals ging der Preis an die Architektengemeinschaft SV, bestehend aus den Münchner Architekten von Seidlein, Fischer, Winkler, Der Deutsche Architekturpreis wurde heute zum 18. Mal zugesprochen.

"Durch die Art der Gestaltung wurde eine neue Form der Industriearchitektur geschaffen, in der die Standards üblicher Industriebauten konsequent vermieden wurden", sagte Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann bei der Preisvergabe. Dies könne zukunftsweisend für neue Formen des Zusammenwirkens von Produktion und Management und für eine neue Arbeitskultur sein.

"Natürlich waren wir uns der Folge bewusst, dass wir mit dem Bau des BMW-Werkes Leipzig in Deutschland ein Zeichen setzen würden", sagte Produktions-Vorstand Norbert Reithofer stolz. Die Investition von 1,3 Milliarden Euro sei auch ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland gewesen. Das Werk in Leipzig war im Mai 2005 offiziell eröffnet worden. Derzeit werden täglich rund 400 Autos produziert.

Architektin Hadid: Vorreiterin der Avantgarde
DDP

Architektin Hadid: Vorreiterin der Avantgarde

Zaha Hadid - 1950 als Tochter eines irakischen Managers in Bagdad geboren - gilt als eine Vorreiterin der Avantgarde. Lange Jahre galten ihre visionären Entwürfe jedoch ausschließlich unter Theoretikern als Diskussionsstoff, erst Mitte der neunziger Jahre gelang Hadid der Durchbruch, dem Realisierungen folgten, darunter das Feuerwehrhaus für die Designfirma Vitra in Weil am Rhein.

Die Arbeiten der Architektin mit Wohnsitz in London zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Formensprache aus. 1983 erlangte sie internationales Ansehen für das Projekt "The Peak", einem hängenden Freizeit- und Erholungspark in Hongkong, der allerdings in seiner ursprünglich geplanten Form nicht realisiert wurde. 2004 wurde Hadid mit dem sogenannten Nobelpreis der Architektur, dem Pritzker Preis, ausgezeichnet.

Erst vor wenigen Wochen wurde in Wolfsburg das von Hadid entworfene Wissenschaftszentrum Phaeno eröffnet - ein mindestens ebenso spektakulärer Bau wie das BMW-Werk.



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