Leipziger Schule Maler Werner Tübke gestorben

Der Maler Werner Tübke, Mitbegründer der so genannten Leipziger Schule, ist nach schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben. Tübke zählte zu den bedeutendsten Künstlers Ostdeutschlands.


Maler Tübke (2003 in seinem Atelier): Als Maßstab nur die alten Meister
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Maler Tübke (2003 in seinem Atelier): Als Maßstab nur die alten Meister

Leipzig - Tübkes Galerist Klaus Schwind aus Frankfurt bezeichnete den Tod des Malers als Verlust für die Kunstwelt. "Mit Tübke ist einer der größten Maler im letzten Jahrhundert gestorben", sagte Schwind am Freitag.

Werner Tübke hatte sich stets dem in DDR vorherrschenden sozialistischen Realismus verweigert und im Stil italienischer Meister gemalt. Typisch ist sein Manierismus mit bisweilen surrealen Zügen. Sein bekanntestes Werk ist das monumentale Panoramagemälde "Frühbürgerliche Revolution in Deutschland" über die Bauernkriege im 16. Jahrhundert. Es ist im Panorama Museum Bad Frankenhausen am Kyffhäusergebirge in Thüringen zu sehen, Dort wird derzeit auch die Ausstellung "Werner Tübke - Faszination Mittelmeer" mit 45 Gemälden und 51 Aquarellen aus den Jahren 1971 bis 2002 gezeigt. Sie wurde zum bevorstehenden 75. Geburtstag Tübkes am 30. Juli initiiert.

1929 in Schönebeck/Elbe (Sachsen-Anhalt) geboren, besuchte Tübke nach dem Zweiten Weltkrieg die Meisterschule des Handwerks in Magdeburg. Er studierte später an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, deren Rektor er von 1973 bis 1976 war. Seit 1954 lebte er freischaffender Künstler in Leipzig. Tübkes Werk gilt als ebenso bedeutend wie umstritten, da der Maler ausschließlich die großen Meister der Vergangenheit wie Albrecht Dürer und Lucas Cranach als Maßstab begriff. Zuletzt malte Tübke kleine Landschaftsbilder in seinem Leipziger Atelier.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bezeichnete Tübke am Freitag als "visionären Verwandler, der seine Themen konsequent und kraftvoll in unsere Zeit übersetzte". Der für den Aufbau Ost zuständige Bundesminister Manfred Stolpe (SPD) sagte, der Verstorbene habe besonders in den neuen Ländern ein großes künstlerisches Erbe hinterlassen.

Nach Ansicht von Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) verliert die Leipziger Kultur mit dem Tod Tübkes eine ihrer prägenden Stimmen. Mit dem Maler sei ein "kritischer Beobachter, ein sensibler Vermittler und ein engagierter Künstler von uns gegangen".

Nach Auskunft seiner Ehefrau Brigitte starb Werner Tübke am Donnerstagabend in der Leipziger Universitätsklinik. Der 74-Jährige hatte zuvor bereits 14 Tage lang im Krankenhaus gelegen. Erst Anfang April war der Leipziger Maler und Bildhauer Wolfgang Mattheuer gestorben, der ebenfalls zu den Begründern der Leipziger Schule zählte.



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