Entkriminalisierung von Prostitution Lena Dunham und Meryl Streep gegen Amnesty International

Amnesty International will Prostitution entkriminalisieren, um Sexarbeiterinnen vor Diskriminierung zu schützen. Stars wie Lena Dunham oder Meryl Streep wollen das verhindern - mit einem Brief wenden sie sich an die Menschenrechtsorganisation.

Schauspielerin Lena Dunham: Unterzeichnerin des Protestbriefs
AP

Schauspielerin Lena Dunham: Unterzeichnerin des Protestbriefs


Es sind viele prominente Namen, die den Brief unterzeichnet haben: Lena Dunham, Kate Winslet, Anne Hathaway, Meryl Streep, Emily Blunt - sie alle stellen sich in einem Protestschreiben gegen Amnesty International. Denn die Menschenrechtsorganisation will Sexarbeit entkriminalisieren. Hunderte mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten sprechen sich ausdrücklich gegen den Vorschlag aus.

Amnesty hat zu dem Thema eine Strategie aufgesetzt, die im August auf einer Amnesty-Konferenz in Dublin vorgestellt werden soll. Darin heißt es, dass "Aktivitäten, die mit dem Kauf oder Verkauf von einvernehmlichem Sex zwischen Erwachsenen" zu tun haben, nicht bestraft werden sollten. Denn die Kriminalisierung habe zur Folge, dass Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter häufiger diskriminiert werden, etwa in Form von Misshandlung durch Polizisten oder Ausschluss aus dem öffentlichen Leben. Das Ziel sei, das Leiden dieser Menschen zu mindern.

Gleichzeitig wird betont, dass mit der vorliegenden Strategie nicht angezweifelt werde, dass "Zwangsarbeit und Menschenhandel ernsthafte Menschenrechtsverletzungen darstellen und unter Strafe gestellt werden müssen". Alles müsse dafür getan werden, "Kinder vor Ausbeutung und Missbrauch zu schützen".

"Amnesty pustet die eigene Kerze aus"

In dem Brief, der sich an die Geschäftsführer von Amnesty richtet, zeigt man sich "tief besorgt" über die Strategie. Zwar sei es richtig, dass Sexarbeiterinnen nicht strafrechtlich verfolgt werden dürfen. Es stimme auch, dass einige Länder die Rechte von Prostituierten mit Füßen treten. Die Entkriminalisierung der Branche hätte jedoch auch zur Folge dass Zuhälter, Bordellbesitzer und Freier legal handelten.

Als Negativbeispiel wird in dem Schreiben Deutschland angeführt, wo Prostitution legal ist. Dort habe die rasante Zunahme von rechtmäßigen Bordellen auch mehr Menschenhandel hervorgerufen. Bordellbesitzer würden ungestraft junge Frauen aus armen, osteuropäischen Ländern nach Deutschland holen, damit diese sich prostituieren.

Außerdem wird darauf verwiesen, dass Frauen im Sexgewerbe häufig Gewalt erfahren. "Es ist unfassbar, dass eine Menschenrechtsorganisation wie Amnesty nicht erkennt, dass Prostitution die Ursache und Konsequenz von geschlechtsspezifischer Ungleichheit ist." Mit der vorliegenden Strategie würde die Organisation sich auf die Seite der Ausbeuter schlagen, nicht auf die der Ausgebeuteten. Amnesty, so heißt es, würde damit "ihre eigene Kerze auspusten".

"Noch keine Entscheidungen getroffen"

Zu den Unterzeichnern gehört auch die Redaktion der "Emma", die von Alice Schwarzer herausgegeben wird. Schwarzer ist überzeugte Gegnerin von Prostitution und hatte vor zwei Jahren in Deutschland für eine ähnlich hitzige Debatte gesorgt, als ihr Buch "Prostitution - Ein deutscher Skandal" erschien. Darin berichten verschiedene Autorinnen und Autoren von den prekären Bedingungen im deutschen Sexgewerbe.

Ein Amnesty-Sprecher sagte dem Branchendienst "Hollywood Reporter", dass man in einem Prozess der Beratung sei und noch keine Entscheidungen bezüglich einer Strategie getroffen worden seien.

kis

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