"Lens Culture"-Award So, jetzt denken Sie mal nach

Eine Fotografie soll zum Denken anregen, sagt der Künstler Ross Harvey. Also bitte: Hier sind die besten Bilder von Street Photographern, ausgezeichnet vom Online-Fotomagazin "Lens Culture".

Martin Roemers

Die Straße, die durch den Markt im nigerianischen Lagos führt, ist ein wilder Wirbel aus Menschen und Farben. Schwarz-weiß dagegen drängen sich die Passanten durch New York City. Rücken an Rücken. Ein Mann wirft einen Blick zurück. Skeptisch schaut er in die Kamera.

Die Momentaufnahmen der Street Photographer sind so unterschiedlich wie die Orte der Welt, an denen sie entstanden sind. Fotografen aus 115 Ländern hatten Beiträge für den ersten "Lens Culture" Street Photography Award eingereicht. Die internationale Jury des Online-Fotomagazins hat die Arbeiten von 31 Street Photographern ausgezeichnet: Jeweils drei Sieger gab es in den Kategorien "Fotoserie" und "Einzelaufnahme", außerdem 25 Finalisten.

Er habe zunächst befürchtet, dass Street Photography, also Straßenfotografie, heutzutage gar nicht mehr relevant sei, dass alles bereits gezeigt wurde, sagt der Chefredakteur von "Lens Culture", Jim Casper: "Aber ich war überwältigt, als ich feststellte, wie viele frische Eindrücke auf den Straßen der Welt entstanden sind."

Die Bedeutung des Zufalls

Street Photography dokumentiert dabei nicht zwangsläufig Straßenszenen, auch wenn dies häufig der Fall ist. Es sind ganz allgemein scheinbare Momentaufnahmen, die den Alltag auf besonders kunstvolle Weise einfangen.

"Ein gutes Foto verbindet den Betrachter mit der Welt, aber entfremdet sie gleichzeitig. Das macht diese Form der Fotografie so besonders", sagte Jurymitglied Caroline Hunter, die als Bildredakteurin beim "Guardian Weekend Magazine" arbeitet.

Anders als im Studio spielt bei den Aufnahmen das Element des Zufalls eine Rolle. Der Fotograf nutzt die natürlichen Umstände auf kreative Weise, anstatt das Umfeld aktiv zu gestalten. Viele Künstler verwenden analoge Kameras, um die Möglichkeiten der digitalen Retusche von vornherein auszuschließen. Street Photographer arbeiten künstlerischer als Dokumentarfotografen, aber authentischer als Studiofotografen.

Dabei zeigen die Street Photographer nie menschenleeren Straßen - im Gegenteil. Der Mensch steht im Mittelpunkt der von "Lens Culture" preisgekrönten Aufnahmen. Allerdings sind die abgebildeten Menschen nicht als einzelne Personen gemeint, sie sollen vielmehr eine allgemeine menschliche Situation veranschaulichen.

Einige Künstler machen ihre Fotos heimlich, ohne dass die Abgebildeten es überhaupt bemerken. Rechtlich bewegen sich Fotografen dabei manchmal in einer Grauzone. Im Idealfall waren die Menschen auf den Fotos einfach zur rechten Zeit am rechten Ort - vor der Linse des aufmerksamen Street Photographers.

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
frenchie3 28.10.2015
1. Viele Fotos mit Gesichtern,
und zwar sehr deutlich, nicht in der Masse verschwunden. Bei Foto 6 kann ich mir gar vorstellen daß die rauchende Frau Probleme bekommen könnte. Würde ich mein Gesicht so deutlich irgendwo mal sehen, ich würde den Fotografen fertig machen. Kunst hin oder her.
hansgustor 28.10.2015
2. Einzelbild-Sieger
Das Bild vom Strand am Toten Meer ist fies. Links die Weißen, rechts der Schwarze. Wer genau hinschaut, sieht dass links drei Duschen sind, rechts aber nur eine.
mikesch0815 28.10.2015
3. Auch analoge Bilder kann man retuschieren
..und das wurde und wird seit Jahrzehnten gemacht. Im Grunde fängt die "Bildmanipulation" schon mit dem Bildausschnitt an. Analoge Fotografie ist nicht ehrlicher oder verlogener als digitale Fotografie, sie nutzt nur - bis zur Digitalisierung, denn sonst würden wir die Bilder hier bei SPON und Co nicht sehen - einen anderen Bildinformationsträger. Zudem ist Streetfotografie in Deutschland aufgrund der Gesetzeslage ausgesprochen kompliziert - auch das könnte man gern mal in dem Artikel erwähnen.
MartinS. 28.10.2015
4. ...
Zitat von frenchie3und zwar sehr deutlich, nicht in der Masse verschwunden. Bei Foto 6 kann ich mir gar vorstellen daß die rauchende Frau Probleme bekommen könnte. Würde ich mein Gesicht so deutlich irgendwo mal sehen, ich würde den Fotografen fertig machen. Kunst hin oder her.
Aber wie es im Artikel so schön steht "EINIGE Fotografen machen ihre Bilder heimlich..." Woher also können sie erkennen, dass das Bild der Frau ohne ihr Einverständnis gemacht wurde? Ist das nicht ein wenig voreilig, was sie hier so implizieren?
nadennmallos 28.10.2015
5. Ab Nr. 12, dem Highlight, ....
... wird's richtig interessant. Sehr schöne Schüsse.
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