Kunst-Kontroverse Ist diese Skulptur ein echter da Vinci?

Ein italienischer Professor behauptet, eine Skulptur der Madonna mit Kind stamme von Leonardo da Vinci. Hätte er recht, wäre das eine Sensation.

Statue der Madonna mit lachendem Kind
Getty Images

Statue der Madonna mit lachendem Kind


In Florenz startet an diesem Samstag eine Ausstellung, in der eine Skulptur steht, die heftige Kontroversen in der Kunstwelt auslösen dürfte. Lange hieß es, die Jungfrau mit dem lachenden Kind stamme vom Bildhauer Antonio Rossellino. Wie der britische "Guardian" berichtet, behauptet ein renommierter italienischer Renaissance-Forscher nun hingegen, Leonardo da Vinci habe die Statue erschaffen. Und es sei die einzige Skulptur, die von dem Meister noch existiere.

Der Meister beschäftigte sich auch mit Bildhauerei. Wie viele Skulpturen es heute noch von ihm gibt, ist jedoch unklar. Laut Francesco Caglioti von der Universität in Neapel "Federico II" soll Leonardo da Vinci die Statue um 1472 fertiggestellt haben, als er noch Schüler des florentinischen Künstlers Andrea del Verrocchio war. Caglioti und eine Expertin des Metropolitan Museum in New York stützen ihre These dem Bericht zufolge auf zwei Merkmale:

  • Der wallende Stoff, der die Beine der Jungfrau bedecke, ähnele Gewändern, die Leonardo da Vinci damals häufiger gezeichnet habe.
  • Das Gesicht des lachenden Christuskindes sei typisch für die Kunst des Meisters. Die Ausdrucksstärke seiner Porträts war schon zu seinen Lebzeiten revolutionär. Gerade Kleinkinder sahen in Werken Leonardo da Vincis lebendiger aus als bei anderen Künstlern der damaligen Zeit.

Die Terracotta-Skulptur, die noch bis zum 14. Juli im Palazzo Strozzi in Florenz zu sehen ist, gehört zum Fundus des Victoria and Albert Museum in London. Das reagierte auf die angebliche Sensation zurückhaltend: "Eine mögliche Zuschreibung an Leonardo da Vinci wurde erstmals 1899 aufgeworfen", zitiert der "Guardian" einen Sprecher des Museums. "Die Studien von Professor Caglioti werfen die Diskussion um seine Autorenschaft also neu auf."

Leonardo da Vinci hat der Nachwelt nur gut ein Dutzend fertiger Gemälde hinterlassen. Das Jesusbild "Salvator Mundi", von dem nicht einmal feststeht, dass er es wirklich allein gemalt hat, avancierte 2017 zum teuersten je versteigerten Gemälde.

lov

Mehr zum Thema


insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
seneca55 09.03.2019
1. Ob Verrocchio oder Leonardo, es ist eine wichtige Plastik nicht nur
für Florenz - resp. Museum in London - der Vor-Renaissance (1472). Wenn seit 120 Jahren unter den Kunsthistorikern darüber gerätselt und gestritten wird, wird hoffentlich diese Skulptur nicht unter die Hammer des Kunstmarktes kommen, denn dann bringt das Werk des Leonardo natürlich das Vielfache vom Verrecchio völlig unabhängig von der künstlerischen Qualität der Skuptur.
Emderfriese 09.03.2019
2. Mona
Lacht uns da aus dem Frauengesicht der Statue nicht auch die Mona Lisa an? Jedenfalls, wenn man das feine Gesicht sich dem Betrachter zugewendet vorstellt...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.