Leser-Reporter: Bildblog startet Diekmann-Foto-Aktion

Das Bildblog treibt die Idee der "Bild"-Zeitung, Leser-Reporter einzusetzen, auf die Spitze: Es ruft dazu auf, Kai Diekmann, den Chefredakteur des Axel-Springer-Blatts überall zu fotografieren - beim "Nasebohren" oder "frisch verliebt auf Sylt".

Paparazzi auf Schritt und Tritt - der Alptraum eines jeden Prominenten. Ausgerechnet für "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann könnte er jetzt Wirklichkeit werden. Der Grund: Die Betreiber des Bildblogs haben auf ihrer Webseite dazu aufgerufen, Handyfotos von ihm zu machen. Und zwar überall: "in Badehose am Strand oder in einer Bäckerei oder auf dem Parkplatz oder am Flughafen oder im Flugzeug oder eingenickt im Flugzeug oder beim Shopping oder beim Nase-Bohren nachdenklich oder frischverliebt auf Sylt." Stefan Niggemeier, Mitbegründer des Blogs, sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Wir haben uns gedacht, warum soll Kai Diekmann, der selbst in der Öffentlichkeit steht, der einzige Prominente sein, der nicht von Leserreportern genervt wird?"

"Bild"-Chefredakteur Diekmann: Belastungsprobe für sein Persönlichkeitsrecht
DDP

"Bild"-Chefredakteur Diekmann: Belastungsprobe für sein Persönlichkeitsrecht

Damit reagiert das "Bild"-kritische Blog auf eine Aktion der Zeitung, die seit der Fußball-WM ihre Leser auffordert, Prominente, Unfälle und Delikte aller Art zu fotografieren. Die Zeitung lockt die Laienfotografen zu tausenden mit knackigen Sprüchen wie "Schwarz-rot-klick" und mit viel Geld - wird ihr Schnappschuss veröffentlicht, zahlt das Blatt ihnen zwischen 100 bis 500 Euro.

Das Bildblog rechtfertigt sein "Experiment" mit einem Urteil des Landgerichts Berlin. Das habe vor einigen Jahren entschieden, dass "Bild"-Chef Kai Diekmann "bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung anderer sucht" und deshalb "weniger schwer durch die Verletzung seines eigenen Persönlichkeitsrechtes belastet wird". Jetzt wolle man, heißt es auf der Internetseite des Blogs weiter, "Diekmanns Persönlichkeitsrecht erneut einer Belastungsprobe aussetzen".

Angst, sich mit der Aktion den Vorwurf einzuhandeln, sich auf das Niveau von "Bild" herab zu begeben, hat Niggemeier nicht: "Anders als 'Bild' sind wir uns unserer Verantwortung bewusst und werden uns bei jedem Foto gut überlegen, ob wir es zeigen." Das Motto des "Experiments" sei nicht, alle Grenzen zu überschreiten, die "Bild" regelmäßig überschreite.

Die "Leserreporter"-Aktion der "Bild"-Zeitung hatte bundesweit für Diskussionen gesorgt. So kritisierte der Deutsche Journalistenverband, dass der Aufruf einen ganzen Berufsstand in Misskredit bringe. Der Medienrechtler Christian Schertz berichtete von Anrufen seiner Klienten, die sich über die Zudringlichkeit der Laienpaparazzi beschwerten. In der "SZ" sagte Schertz: "Da macht sich berechtigterweise eine gewisse Paranoia breit."

In einigen Fällen gingen die Fotografierten bereits mit Erfolg juristisch gegen die Veröffentlichungen vor. So setzten sich etwa die Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski und David Odonkor, sowie der ehemalige Außenminister Joschka Fischer gegen die Amateurfotografen zur Wehr.

amg/hoc

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