Leseraktion Retten Sie ein Wort vor dem Aussterben!

Von Affenzahn bis Mannequin, von Dauerlauf bis Testbild: Viele Wörter sind vom Tod durch Vergessen bedroht. Bodo Mrozek will in seiner neuen Kolumne bei SPIEGEL ONLINE ein paar davon retten. Dabei sind Sie gefragt: Schicken Sie uns Ihr schönstes bedrohtes Wort!


Die deutsche Sprache wächst unaufhörlich: Laut Duden kamen in den letzten acht Jahren 8000 neue Wörter dazu, das sind gut zwei pro Tag. Einige davon erregen Aufsehen und werden allgegenwärtig. Von "Blog" bis "Ich-AG", von "Prekariat" bis zum Begriff "Fanmeile" - der wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2006 gewählt.

Doch was passiert eigentlich mit Wörtern, die aussterben, die veralten, die immer seltener gebraucht werden? Oft verschwinden sie klammheimlich aus dem Duden, und keine der Zeitungen, die täglich die im Trend liegenden Neologismen verwendet, meldet den Verlust.

Von Januar an wird Journalist Bodo Mrozek wöchentlich bei SPIEGEL ONLINE das "Wort zum Montag" erklären – einen Begriff, der langsam in Vergessenheit gerät, aber eigentlich viel zu schade zum Wegwerfen ist. Der "Jäger des verlorenen Wortschatzes" (Kunsttexte.de) Mrozek ist ein Kämpfer für die Vergessenen und Ungeliebten. So viel Altruismus macht populär - sein "Lexikon der bedrohten Wörter" wurde zum Bestseller, zum "Verkaufsschlager", wie man früher gesagt hätte.

Seltene Tiere sterben aus, wenn ihr Lebensraum zerstört wird, und mit Wörtern ist das ähnlich: Bald wird kaum noch jemand wissen, was eine Wählscheibe oder ein Testbild ist, weil Handys und 24-Stunden-Fernsehprogramm die Begriffe überflüssig machen. Auch fremdsprachliche Eindringlinge betreiben unverhohlenen Wortmord, der "Blockbuster" ersetzt den "Kassenschlager", und statt zum "Gabelfrühstück" geht der moderne Mensch zum "Brunch".

Ob irgendjemand das "Gabelfrühstück" vermisst, ist fraglich, doch manchmal löst ein seit Jahren nicht gehörtes Wort aus früheren Zeiten beim Leser ein Wohlgefühl aus wie die vertraute Erinnerung an den Duft von Omas Apfelkuchen. Ob das der nach Bundesjugendspielen und zu kurzen Streifen-Shorts klingende "Dauerlauf" ist oder die einstmals skandalträchtige "Hotmusik", hängt davon ab, ob man in den achtziger oder in den fünfziger Jahren seine Jugend verbracht hat. Auch ob jemand abends in die Disco oder in einen Club geht, hängt mehr vom Geburtsjahr als vom Ausgehziel ab.

SPIEGEL-ONLINE-Wettbewerb

Senden Sie uns ein seltenes, lieb gewonnenes, vom Aussterben bedrohtes Wort, das gerettet werden sollte! Und begründen Sie in maximal 100 Zeichen, warum gerade dieses Wort erhalten bleiben muss. Eine Jury aus Wortexperten wird dann das schönste bedrohte Wort aussuchen – der Gewinner erhält als symbolischen Preis die nach einem seltenen Wort benannte Skulptur "Käseigel", die eigens für den Anlass von der Künstlerin Laura Kikauka (Ontario/Berlin) gefertigt wird. Als Trostpreise gibt es vier Bücherpakete des Rowohlt-Verlags mit aktuellen Bestsellern im Gesamtwert von 100 Euro. Einsendeschluss ist der 28. Februar 2007. Klicken Sie hier, um Ihr Lieblingswort vorzuschlagen.

Die Jury:

<li>Bodo Mrozek, Journalist, Autor von "Lexikon der bedrohten Wörter" Teil I und II.

<li>Michael Angele, Essayist, Autor von "Ankunft Weltende, halb zwölf. Melancholische Erkundungen". List-Verlag, 2004.

<li>Jakob Hein, Schriftsteller, Autor von "Herr Jensen steigt aus". Piper, 2006.

<li>Eva Menasse, Schriftstellerin, Autorin von "Vienna", Kiepenheuer und Witsch, 2005.

<li>Marco Scheider, Germanist, arbeitet an der Fortführung des Deutschen Wörterbuchs der Brüder Grimm.

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