"Let's dance"-Finale Sieg für die Hasen

Susan Sideropoulos hat bei "Let’s dance" gewonnen. Interessanter aber: RTL machte im inoffiziellen Sender-Wettstreit mit der ARD auf dem Tanz-Parkett die deutlich bessere Figur. Gegen Kerkeling, Bohlen und Co. sah Florian Silbereisens "Sommerfest der Volksmusik" sogar noch älter aus als sonst.


Deutschland befindet sich im Tanzfieber. Zumindest suggerieren das unsere TV-Kanäle. Wer gestern Abend zwischen 22.15 und 22.30 Uhr die Live-Showprogramme der großen Sender verfolgte, sah sich gleich zweifach aufgefordert, per Telefon-Voting aus mehreren Bewerberpaaren das beste Tanz-Duo zu küren – egal, ob er zu diesem Zeitpunkt RTL oder ARD eingeschaltet hatte.

Bei dem Privatsender ging nach acht Wochen im Kölner Coloneum das Finale der zweiten Staffel des televisionären Tanz-Wettbewerbs "Let’s dance" über die Bühne; im Ersten galt es, im Rahmen des aus Magdeburg übertragenen "Sommerfests der Volksmusik" den deutschen Teilnehmer für den neu ins Leben gerufenen Eurovision Dance Contest zu ermitteln, der am 1. September in London stattfindet.

Der Nachrichtenwert der Ergebnisse hält sich naturgemäß in Grenzen: Dass bei RTL aus den verbliebenen drei Paaren – Chanteuse Katja Ebstein, Ex-Kicker Giovane Elber, Aktrice Susan Sideropoulos und ihre Profi-Partner – am Ende das hauseigene "GZSZ"-Starlet zum "Dancing Star 2007" gewählt wurde, war genauso nebensächlich wie der Sieg Wolke Hegenbarths im Ersten. Die bizarre Parallelität der Ereignisse ermöglichte aber einige aufschlussreiche Erkenntnisse über den aktuellen Stand der Samstagabend-Unterhaltung. Denn in puncto Präsentationsform lagen Welten zwischen dem privaten und dem öffentlich-rechtlichen Entertainment.

Wer etwa in den RTL-Werbepausen zur ARD rüberzappte, bekam unter anderem den Sechziger-Jahre-Kinderstar Heintje und Schlagerbarde Heino zu sehen – Letzterer schmetterte nach der zutreffenden Silbereisen-Ansage "wie vor 30 Jahren" sein unvermeidliches "Im Frühtau zu Berge". Moderator Silbereisen selbst sang vor kitschiger Kulisse ein Lied von einer weißen Hochzeitskutsche, die "wie einst vor 100 Jahren" zum Altar fahre.

Dagegen nahm sich die von Hape Kerkeling und Nazan Eckes routiniert präsentierte RTL-Show wohltuend gegenwärtig und geradezu charmant-glamourös aus – unerheblich, dass sich die beiden Conférenciers immerfort mit "Hase" anredeten. Hatte man schon im gesamten Verlauf der zweiten Staffel den durchaus angenehmen Eindruck, dass es diesmal weniger als noch in der Premierenrunde darum ging, gestrauchelten Ex-Prominenten beim neuerlichen Stolpern zuzusehen ("Hoppel-Heide" Simonis), so war der Voyeurismus-Faktor im Finale, da nur noch Paare mit ansehnlichen Parkett-Darbietungen antraten, ohnehin weitgehend getilgt.

Dass Katja Ebstein den wackeren Giovane Elber nur dank Zuschauer-Voting und wohl eher aufgrund von Alters-Sympathie-Punkten als wegen ihrer tänzerischen Darbietung bezwang, ging schon in Ordnung – denn peinlich war sie keineswegs. Überzeugend vermittelten alle Teilnehmer Spaß an der Aktion – sogar ein gemeinsamer Auftritt der bisher Ausgeschiedenen geriet inspiriert: Die bereits in der Auftaktsendung ausgemusterte Jenny Elvers-Elbertzhagen, der Ober-Juror Joachim Llambi seinerzeit eine Performance zwischen "Catwalk" und "Nordic Walking" attestiert hatte, verehrte dem Gestrengen nun ein Paar Skistöcke; die tapsigen Markus Majowski und Guildo Horn legten flotte Einlagen aufs Parkett. Und Elber brachte in seiner Freestyle-Abschiedsnummer gar eine hübsche Fußball-Choreografie inklusive Tänzchen an der Eckfahne zur Aufführung.

Nicht mal Bohlen schmerzte

Selbst die Einwechslung Dieter Bohlens in die Jury, wo er die – warum auch immer – verhinderte Ute Lemper ersetzte, löste keine allzu heftigen Schmerzen aus. Der "DSDS"-Rüpel brachte in der üblichen Tonlage und ohne Zweifel an der eigenen Kompetenz auch hier seine Sprüche ("Mich hat’s geflasht, ich fand’s geil"), gab sich aber insgesamt generös und handzahm. Nur die "Deutschland-Premiere" seines bereits am vergangenen Samstag beim ZDF-Mallorca-"Wetten, dass…?" dargebotenen Mark-Medlock-Vehikels "You can get it" hätte nicht unbedingt sein müssen.

Allen formattypischen nervigen Zwischenbilanzen, Schnelldurchläufen und hinausgezögerten Ergebnis-Verkündungen zum Trotz lief die RTL-Show vergleichsweise kompakt ab – um 22.45 Uhr war Schluss. Florian Silbereisen dagegen, an sich mit derselben Sendezeit ausgestattet, überzog ganz und gar schmerzbefreit und schickte sich um kurz nach elf begeistert an, ein Mitglied der Gruppe "Die Zipfelbuben" vor laufender Kamera in den Stand der Ehe zu versetzen. Bis zu seiner obligatorischen Abschiedsformel "Bleiben oder werden Sie gesund" wurde es 23.30 Uhr.

Da wirkte es irgendwie bezeichnend, dass in der ARD mit Wolke Hegenbarth eine RTL-Aktrice ("Mein Leben & Ich") und noch dazu die Zweitplatzierte der ersten "Let’s dance"-Staffel gewann, während sich Ex-Bohlen-Partner Thomas Anders – wie schon beim letztjährigen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest – vergeblich mühte. Tanz-Trend hin, TV-Hype her – auf dem samstäglichen Show-Parkett jedenfalls hinkte die ARD gegenüber der privaten Konkurrenz gestern deutlich hinterher – und der jugendliche Senioren-Unterhalter Silbereisen sah noch älter aus als sonst.



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