Letzte Ausstellung Guggenheims Abschied von Berlin

Mehr als zwei Millionen Besuchern hat das Deutsche Guggenheim in 15 Jahren seine Kunst gezeigt. In Berlin eröffnet am Donnerstag die letzte Ausstellung. Die Deutsche Bank und das Guggenheim Museum freuen sich bereits über neue Kunstprojekte - auf getrennten Wegen.

DPA

Von Karoline Kuhla


Schief und krumm erscheint der Blick in die Kirche Saint-Séverin. Die gotischen Gewölbe liegen nicht auf einer Linie, die Säulen stehen schräg. Natürlich nicht in der echten Kirche in Paris, sondern auf einem Gemälde des französischen Künstlers Robert Delauney. Das Bild läutet einen Abschied ein: In der Ausstellung "Visions of Modernity" ist es im Deutsche Guggenheim in Berlin zu sehen - und das nicht zum ersten Mal. Bereits zur ersten Gemeinschaftsausstellung von Deutsche Bank und Guggenheim 1997 mit dem Titel "Visions of Paris", kam es in die Hauptstadt.

Die erneute Präsentation in der am Donnerstag eröffnenden Ausstellung ist dabei genauso wenig ein Zufall wie die Ähnlichkeit der Ausstellungstitel. Sie markieren den Anfang und das Ende des Projekts Deutsche Guggenheim. Im Februar dieses Jahres war bekannt geworden, dass Bank und Museum sich trennen. Der Fokus der letzten gemeinsamen Ausstellung liegt auf Werken, welche die Sammlung des Guggenheimmuseums Spendern zu verdanken hat. Mit Stillleben von Pablo Picasso und Paul Cézanne, Skulpturen von Edgar Degas, Alexander Calder und Constantin Brancusi, Landschaftsbildern von Vincent van Gogh und Claude Monet sowie abstrakten Gemälden von Franz Marc und Wassily Kandinsky verabschiedet sich das Guggenheim bis zum 17. Februar 2013 von Berlin. Währenddessen planen die ehemaligen Veranstaltungspartner bereits neue Kunstprojekte.

Die kleinste Filiale der New Yorker

In 15 Jahren hatte das "Deutsche Guggenheim" 61 Ausstellungen präsentiert. Eine Erfolgsgeschichte, die auf einer Idee aus den 90er Jahren beruht. Im Gespräch zwischen Hilmar Kopper, dem Ex-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, und Thomas Krens, dem ehemaligen Direktor des Guggenheimmuseums, war damals das Projekt geboren worden. 1997 wurde in der historischen Bankfiliale Unter den Linden die gemeinsame Kunsthalle eröffnet.

Mit 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche war das Deutsche Guggenheim die kleinste Filiale für das New Yorker Museum. Neben dem von Frank Lloyd Wright gebauten Haupthaus in New York gibt es ein von Frank Gehry errichtetes Museum im spanischen Bilbao und die Peggy Guggenheim Collection in Venedig. Über weitere Expansionen, beispielsweise nach Hongkong, Singapur, Rio de Janeiro oder Helsinki, gibt es Gerüchte.

Konkret geplant ist jedoch im Augenblick nur ein Museum in Abu Dhabi, das ebenfalls von Gehry entworfen wurde und 2017 eröffnet werden soll. Mit dem Haus in Berlin schließt bereits der dritte Guggenheim-Ableger. Auch SoHo (1992-2002) und Las Vegas (2000-2008) mussten sich von Guggenheim verabschieden. Doch alle Zuständigen versichern, das Auslaufen des Projekts "Deutsche Guggenheim" sei kein Ende der Zusammenarbeit - auch in Zukunft seien gemeinsame Projekte möglich.

Unter den Linden will die Deutsche Bank künftig unter dem Namen "Deutsche Bank KunstHalle" ausstellen. Friedhelm Hütte, Leiter der Kunstabteilung der Deutschen Bank, sagte SPIEGEL ONLINE, "in der Kunsthalle wollen wir nicht regional, sondern global agieren und Kunst aus anderen Ländern zeigen." Eine namentliche Verwechslung mit der vor kurzem geschlossenen temporären Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz schließt er aus: "Wir hoffen, dass unser Branding wirkt."

Deutsche Bank zeigt Werke aus eigener Sammlung

Für künstlerische Expertise sei die Deutsche Bank auf das Guggenheim nicht angewiesen, so Hütte. In den vergangenen Jahrzehnten habe die Bank erfolgreich mit einem Team aus Kunsthistorikern zusammengearbeitet, außerdem setze man auf das Beratungsteam, bestehend aus den Kuratoren Okwui Enwezor, Hou Hanru und Victoria Noorthoorn, sowie dem Direktor der Berliner Nationalgalerie, Udo Kittelmann.

In Zukunft sollen zudem mehr Werke aus der über 56.000 Werke umfassenden hauseigenen Sammlung gezeigt werden. Hütte erklärt, das sei ein Grund für die Trennung gewesen. Der Schwerpunkt der Sammlung Deutsche Bank, die zu den bedeutendsten Privatsammlungen weltweit gehört, liegt auf Grafiken, Zeichnungen und Fotografien. Hütte freut sich bereits darauf, bald Papierarbeiten von Gerhard Richter, Jackson Pollock und anderen zeigen zu können.

Während die Bank künftig auf Eigeninitiative setzt, hat sich das Museum einen neuen Partner gesucht. Anfang des Jahres schloss sich die Guggenheim Stiftung mit der Schweizer Bank UBS für zunächst fünf Jahre zur "Guggenheim UBS MAP Global Art Initiative" zusammen. Deren selbsterklärtes Ziel ist es, über den amerikanisch-europäisch geprägten Tellerrand hinauszublicken und Kunst in einen globalen Zusammenhang zu bringen.

Wie bei jeder Trennung, gilt es auch bei dieser zu entscheiden, wer welches Stück von den gemeinsam erworbenen Gütern behalten darf. Es geht um 18 millionenschwere Auftragsarbeiten von Künstlern wie James Rosenquist, Hiroshi Sugimoto, Jeff Koons, Gerhard Richter und Hanne Darboven. Diese Entscheidung sei bereits getroffen, erklären Guggenheim Direktor Richard Armstrong und Friedhelm Hütte am Mittwoch einvernehmlich, sie werde allerdings erst nächstes Jahr in New York bekannt gegeben.

Bleibt der Abschied des Guggenheims von Berlin. Für Kuratorin Megan Fontanella war es die erste Ausstellung in Berlin. "Es war mir eine Ehre, diese letzte Ausstellung zu kuratieren." Sie habe darin Verweise auf die Geschichte des Deutschen Guggenheims versteckt, erklärt Fontanella: Sechs der gezeigten Werke - darunter der Delauney - waren schon einmal im Deutsche Guggenheim präsentiert worden. "Vielleicht erkennen manche Besucher das eine oder andere Werk von früher wieder", hofft sie.

Für Fontanella geht es als nächstes zu einer Ausstellung am Guggenheim-Standort Venedig. Auf Berlin wird sie dennoch weiterhin ein Auge haben: "Ich spüre, dass die Kunst in Berlin einen Puls hat. Die Stadt wächst und verändert sich, wie eine einzige große Ausstellung."



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