Leucht-Spektakel Orgie des Lichts

Unterschiedliche Welten: Die Deutschen mahnen am Samstagabend mit ein paar Minuten Dunkelheit mehr Klimabewusstsein an, die Franzosen schwelgen in einer Nacht des Lichts. Die Stadt Lyon zieht mit ihrer spektakulären Show Millionen Besucher aus aller Welt an.

Von , Lyon


Lyon - Die Champs Elysées in Paris sind in einen vorweihnachtlichen Glanz getaucht, aber die zweitgrösste Stadt Frankreichs hüllt sich in eine künstlerische Gesamtillumination: Entlang der Rhône-Ufer sind es meterhohe Plastikwürfel, die farbig oszillieren, auf der Luxusmeile Boulevard Republique ist Newtons Pendel übergroß in Szene gesetzt und auf dem Place Bellcourt im Herzen von Lyon wurde das Reiterstandbild von Ludwig dem XIV. mit einer Plastikhülle in eine gigantische Schneekugel verwandelt.

Es ist ein großartiges Spektakel, das Lyon in diesen Tagen bietet: Hunderte von Installationen in allen Stadtvierteln, Lichttunnel entlang der Fußgängerpassagen und phantasievolle Blumenfelder aus Leuchtdioden; dazu öffentliche Monumente und private Fassaden in glitzernde Lichtspiele getaucht und auf dem Hügel von Fouvière wird die Basilika von hinten her angestrahlt.

Tatsächlich hat das Lichterfest religiöse Ursprünge: Seit dem Mittelalter stellten Lyons Bürger jeweils am 8. Dezember Kerzen in die Fenster und richteten ein Gebet an die Heilige Maria, damit die Stadt von Pest, Feuer und Unbill verschont bliebe.

Das ist lange her.

Mittlerweile ist das viertägige Watt-Spektakel, das 1989 als bescheidene Tourismusinitiative angeschoben wurde, längst zur alljährlichen Attraktion geworden. Vier Millionen Besucher aus 105 Nationen und mehr als 60 Delegationen aus Metropolen der ganzen Welt kommen - so etwa auch die Bürgermeisterin von Frankfurt am Main, Petra Roth.

Die Stadt, die sich in den vergangenen Jahren zum Kongresszentrum gemausert hat und zum attraktiven Standort von 160 internationalen Großkonzernen, will sich nach den Worten von Bürgermeister Gerard Colomb mit dem Glanz ins rechte Licht rücken - auch für den Wettbewerb als Kulturhauptstadt Europas.



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