Libeskinds Las-Vegas-Prunkbau "Man muss wohl ein bisschen verrückt sein"

Er ist gigantisch, ein steingewordener Traum von Kunst, Entertainment und Kommerz. Daniel Libeskind hat Las Vegas' neuen Konsumtempel gebaut - das Herz eines 8,5-Milliarden-Dollar-Projekts. Mit SPIEGEL ONLINE spricht der Stararchitekt über Rekordbauten, Visionen und seine ganz eigene Sicht der Immobilienkrise.


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Libeskind-Architektur: Las Vegas' luxuriöses Einkaufszentrum
SPIEGEL ONLINE: Herr Libeskind, Sie haben "Crystals" entworfen. Das Einkaufszentrum des CityCenters Las Vegas, das an diesem Mittwoch eröffnet wird, ist das Herzstück des größten privaten Bauprojekts in der US-Geschichte - mit einem Volumen von 8,5 Milliarden Dollar. Ist das nicht etwas anachronistisch in diesen Krisenzeiten?

Libeskind: Im Gegenteil. Vor allem jetzt, da die Leute kein Geld haben, sind gewagte Projekte wichtig, die einen dauerhaften finanziellen Wert haben. Es ist nicht die Zeit für Mittelmäßigkeit. Nur in Krisenzeiten schaffen die Menschen Außerordentliches. Unter solchen Umständen wurden auch das Empire State Building oder das Rockefeller Center gebaut.

SPIEGEL ONLINE: Das Empire State Building entstand während der Weltwirtschaftskrise, war danach aber 20 Jahre lang nicht profitabel.

Libeskind: Sicher, Projekte wie das CityCenter werden wir in den kommenden Jahren nicht mehr sehen. Aber die Vision meiner Klienten war außerordentlich. Diese Art von Architektur ist ihrer Zeit auf viele Weise voraus.

SPIEGEL ONLINE: Das muss ein ziemlicher Kraftakt gewesen sein. Das Kapital kommt je zur Hälfte von MGM Mirage und vom hochverschuldeten Emirat Dubai. Wie konnte da so ein Mega-Projekt entstehen?

Libeskind: Das müssen Sie MGM Mirage fragen. Für mich jedenfalls war es irrsinnig, dass dieses Vorhaben in so kurzer Zeit und auf einmal fertig wurde. Und dann guckst du aus dem Fenster, und der Rest von Las Vegas scheint sich in einer ganz anderen Zeitzone zu befinden.

SPIEGEL ONLINE: Sie widersprechen also Kritikern wie Christopher Hawthorne von der "Los Angeles Times", der das CityCenter als "ein letztes Echo der Boom-Jahre" abtut?

Libeskind: Große Visionen, die Städte verwandeln, werden nicht verschwinden. Wir werden nicht verzagen und jetzt kleine Häuser bauen. Natürlich ist es für viele eine schwierige Zeit. Aber es ist auch eine gute Zeit, Architektur zu überdenken. Zu überdenken, was wir hier überhaupt machen.

SPIEGEL ONLINE: Und was machen Sie in Las Vegas?

Libeskind: Meine Idee war es, die Trennung zwischen Kommerz, Kultur und Entertainment auszuradieren. Wir sind so daran gewöhnt, dass wir auf der einen Seite Museen haben, auf der anderen Wohnhäuser und so weiter. Ich wollte einen kühnen architektonischen Raum schaffen, der diese Regeln sprengt. "Crystals" ist wie ein spektakuläres Museum, in dem Sie eine Gucci-Tasche kaufen können.

SPIEGEL ONLINE: Sind Einkaufszentren unsere neuen Museen?

Libeskind: Irgendwie ist das ironisch: Jedes Mal, wenn ich ein Museum baue, will der Kunde sichergestellt haben, dass es sich kommerziell trägt, dass auch der Shop Geld macht. Umgekehrt wollen kommerzielle Klienten Geld verdienen, aber auch den kulturellen Wert erhöhen.

SPIEGEL ONLINE: Kommerz ist Kultur.

Libeskind: Schon immer. Schauen Sie sich nur die belebten Straßen in Städten an, die wir lieben und zu schätzen wissen. Meine Idee war es, den urbanen Raum des "Las Vegas Strip" zu erweitern und zu einem Anziehungspunkt zu machen, durch den die Menschen flanieren können.



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
tobsum 16.12.2009
1. .
für mich ist das city-center ein wilder stil-mix, den man ohne weiteres planieren könnte, ohne das gefühl zu haben, hier sei ein stück architektur-geschichte verloren gegangen. das habe ich eher, wenn ich auf steve wynns "wynn" und "encore" schaue, da erkennt man wenigstens ein ineinander übergreifendes design-konzept in der architektur.
dreamtimer 16.12.2009
2. Er kann einfach nicht aufhören
Was sind Liebeskind-Bauten doch symbolisch überfrachtet worden, auch vom Meister selbst. Er war der Architekt zum Poststrukturalismus, zusammen mit Kollege Eisenmann. Nun ist er bloß ein weiterer Klassiker, der seine einst singulär wirkenden Bauten für ein paar von Scheichs gepumpte Dollars überall wiederholt. Aber was soll er machen? Die Firma braucht halt Aufträge. Vielleicht ist es ja auch ein besonderes Verdienst, dass man sich in dem von ihm gebauten Holocaust-Museum nun fühlt wie in einer Las Vegas Shopping Mall und umgekehrt? Auf diesen Zusammenhang hätte man vor 10 Jahren erst einmal kommen müssen.
kahpunkt, 16.12.2009
3. "Stararchitekt"
Zitat von sysopEr ist gigantisch, ein steingewordener Traum von Kunst, Entertainment und Kommerz. Daniel Libeskind hat Las Vegas' neuen Konsumtempel gebaut - das Herz eines 8,5-Milliarden-Dollar-Projekts. Mit SPIEGEL ONLINE spricht der Stararchitekt über Rekordbauten, Visionen und seine ganz eigene Sicht der Immobilienkrise. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,667330,00.html
Irgendwo hatte ich mal gelesen: Libeskind & Co. erschaffen keine Architektur, sondern setzen immer die gleiche Pinkelmarke rund um den Globus. Dem gibt es nichts hinzuzufügen.
mark pohland 16.12.2009
4. Luftsätze
Leere, sinnfreie Luftsätze sind das von Liebeskind, die zeigen, dass dieses Projekt vor der Finanzkrise geplant wurde und sich jetzt, wie der Architekt, fast schuldlos für den Pomp entschuldigen muss. "Meine Idee war es, die Trennung zwischen Kommerz, Kultur und Entertainment auszuradieren." "'Crystals' ist wie ein spektakuläres Museum, in dem Sie eine Gucci-Tasche kaufen können." Alles Ausreden. Klingt wie ein Theaterregisseur, der sich für seine moderne Inszenierung von Romeo&Julia entschuldigen muss. Das "Gold-Prädikat für umweltfreundliches Design" ist da auch nur vorgeschobenes Placebo für die Sinnlosigkeit. Prädikate kann jeder vergeben. Der Bau könnte zu einem ganz anderen Symbol werden, wenn in einigen Jahrzehnten die gigantischen Wasserfontänen und künstlichen Seen in der Eingangshalle versiegen, wenn die Hotelzimmer wegen Wassermangels durch die trockenen Rohre nach Kloake stinken und Las Vegas zur Geisterstadt wird. Hoffentlich kommt's anders.
Schlüssel, 16.12.2009
5. Konform
Zitat von kahpunktIrgendwo hatte ich mal gelesen: Libeskind & Co. erschaffen keine Architektur, sondern setzen immer die gleiche Pinkelmarke rund um den Globus. Dem gibt es nichts hinzuzufügen.
KONFORM! Auch ich kann mit dem Libeskind´schen Entwürfen und Bauten nichts anfangen. Einfach nur Menschenfresser sind seine klobig klumpigen Klotzgebäude. Glatte Flächen, Glas und grauer Beton kann jeder Erstklässler. Da fragt man sich wo der studiert hat. Wahrscheinlich bei Onkel Albrechts Abteilung Tetrapak und sonstige Getränkebehälter. Einer Architektur unwürdiges Gelump!
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