Liebesgroteske "Ach, da bist Du ja!" Lachen und verkrachen

Mal lustig, mal schaurig: Thomas Jonigk schildert Begegnungen zwischen Männern und Frauen. Ihm ist ein bizarres Beziehungsstück gelungen, dessen Uraufführung nun Stefan Bachmann besorgt. Die Zuschauer werden viel zu lachen haben. Die Figuren nicht.

Sebastian Hoppe

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Ein Mann und eine Frau treffen sich und streiten drauflos: Darüber, wie lange sie verheiratet sind, seit fünf oder seit sechs Jahren, was für ein Auto sie fahren, einen Twingo oder einen Corsa, welchen Beruf er hat, Versicherungsmakler oder Stadtplaner, wie alt sie ist, 31 oder 35, wie sie heißt, Claudia oder Gerda. Um dann endlich zu merken, dass sie gar nicht verheiratet sind, sondern sich verwechseln. Kurz später küssen sie sich, heiraten und beginnen zusammen ein neues Leben, in dem die Vorwürfe und Zickereien jedoch recht bald von vorne beginnen.

"Ach, da bist Du ja!" heißt das bizarre Beziehungsstück, das nun im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses uraufgeführt wird. Über weite Strecken reden die Figuren so zielsicher aneinander vorbei, dass man manchmal den Überblick verliert. Keiner scheint den anderen wirklich zu kennen, ja keiner kennt sich selbst, so dass die Identitäten ineinander rutschen und sich kaum noch aufdröseln lassen. Erst nach und nach werden Bruchstücke der Biografien und Beziehungskonstellationen serviert.

Autor der grotesken Komödie ist Thomas Jonigk, 43, der Mitte der Neunziger als Nachwuchsdramatiker gefeiert wurde und heute als Leiter des Düsseldorfer Autorenlabors selbst den Nachwuchs auf die Erfolgsspur setzt.

Hinter den Pointen lauert der Wahnsinn

Sein neuer Text ist recht konventionell gebaut, mit viel Psychologie und Pingpong-Dialogen, in denen Pointe auf Pointe folgt, Verwechslung auf Verwechslung. Ein schnelles Konversationsstück, in dem die Figuren immer wieder auch das Publikum direkt ansprechen. Doch hinter dem boulevardesken Witz kommt mehr und mehr der Wahnsinn zum Vorschein, bestialische Morde inklusive. Schauspieler lieben solche Vorlagen, zumal Jonigk bereits beim Schreiben bestimmte Mitglieder des Ensembles im Blick hatte: Rainer Galke, Claudia Hübbecker, Katrin Röver, Susanne Tremper und Hans-Jochen Wagner.

Regie führt Stefan Bachmann, 43, der das Theater Basel einst als Schauspieldirektor in die erste Bühnenliga führte und dreimal zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, der Adelsschlag für jeden Regisseur. Mit Jonigk verbindet ihn nicht nur das gleiche Alter, sondern eine Freundschaft und langjährige Arbeitsbeziehung: "Ach, da bist Du ja!" ist das sechste Jonigk-Stück, das er inszeniert; gemeinsam gründeten sie 1992 in Berlin das "Theater Affekt", eine freie Produktionsgemeinschaft von Regisseuren, Dramaturgen und Bühnenbildnern, zu der unter anderem auch Lars-Ole Walburg gehörte, heute Intendant am Schauspiel Hannover.

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die mit Jonigks grotesker Komödie fortgeschrieben werden könnte. Mal schauen, was Bachmann daraus macht.


"Ach, da bist Du ja!": Uraufführung 10. Januar, weitere Termine 12., 16. und 17. Januar, jeweils 19.30 Uhr, Düsseldorfer Schauspielhaus, Kleines Haus, Kartentelefon 0211/ 36 99 11.



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ClaudeBühler 02.01.2010
1. Stefan Bachmann
hat das Theater Basel vielleicht zu einer interessanten Spielstätte für Feuilletonisten und Theaterkritiker gemacht. Nachprüfbar ist aber seine Auslastung unter/um 50 Prozent. Wegen seinem Schauspiel beraumte sein damaliger Chef Schindhelm eine Publikumsdiskussion an unter dem Titel "Da geh ich nicht mehr hin".
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