Foto-Ausstellung in London Elton Johns private Schätze

Elton John besitzt eine der wichtigsten Sammlungen der Fotografie. Nun zeigt die Londoner Tate Modern eine Auswahl der Bilder - sogar jene, die sonst über dem Bett des Popstars hängen.


Elton John sagt, er habe nie ein Kunstwerk gekauft, um damit Geld zu machen. Er habe sich der Fotografie nach seinem Alkoholentzug Anfang der Neunzigerjahre zugewandt, weil das Sammeln von Kunst schlicht "eine viel gesündere Sucht" sei.

8000 Fotografien umfasst mittlerweile die Sammlung von Elton John und seinem Lebensgefährten David Furnish, es ist eine der weltweit größten und wichtigsten privaten Sammlungen. Nun gewährt das Ehepaar Einblick: 150 Bilder von 70 Künstlern ihrer Sammlung sind nun in der Ausstellung "The Radical Eye" in der Londoner Tate Modern zu sehen.

"Fotografie wurde für mich ein wunderbarer Begleiter", schreibt Elton John im Katalog über seine Leidenschaft. Er habe sich bei den ersten Investitionen auf einer Frankreich-Reise "wie ein Kind im Süßwarenladen" gefühlt.

"The Radical Eye" dokumentiert die Anfänge der künstlerischen Schwarzweiß-Fotografie von 1920 bis 1950, darunter Meilensteine wie Aufnahmen von Man Ray, Alexander Rodchenko, Edward Steichen, Berenice Abbot, André Kertész - herausragende Fotokünstler des vergangenen Jahrhunderts. Es war eine experimentelle Zeit, in der Fotografen mit Perspektiven, mit Negativ und Positiv und mit Spezialeffekten spielten und die Fotografie so den Bereich des rein beschreibenden Mediums verließ.

Zu Elton Johns Lieblingsbildern zählt "Glass Tears" (1932) des Surrealisten Man Ray, das Porträt eines Models mit Glastränen auf dem Gesicht, das John im Jahr 1993 bei einer Sotheby's-Auktion für 200.000 Dollar ersteigerte, einem Rekordpreis für damalige Verhältnisse.

Nicht alle der mehr als 8000 hochkarätigen Werke werden im Depot aufbewahrt. Viele hängen in dem 1670-Quadratmeter-Apartment des Paares in Atlanta und in ihren weiteren Wohnsitzen. Dort schmücken sie die Wände vom Fußboden bis zur Decke. Im Wohnzimmer in Atlanta etwa hängt normalerweise ein Porträt von Dorothea Lange, "Migrant Mother" - für Elton John "die Mona Lisa der Fotografie". Auch über seinem Bett wird es in den nächsten Monaten leer aussehen: Das Porträt mit Maske "Noire et Blanche" (1926) von Man Ray ist ebenfalls jetzt in London zu sehen.


Ausstellung: The Radical Eye. Modernist Photography from the Sir Elton John Collection, Tate Modern , London, 10. November bis 7. Mai 2017.

cpa/AP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.