Golddigger in London: Suche Prada, biete Sex

Von Nora Gantenbrink

Helen Croydon ließ sich drei Jahre lang von Geschäftsmännern aushalten. Sie suchte das Glück in Champagnerbars, in Prada-Kleidern, im Sex mit Multimillionären. Sie fand fast alles. Außer Liebe.

Helen Croydon sucht Liebe und versucht es mit Sex. Wenn Männer in London ausgehen, treffen sie vielleicht auf Croydon. Sie sucht einen Mann mit Geld, gern mit Macht, etwas älter, gutgekleidet, weltgewandt. Einen Sugar Daddy, einen reichen Sack. Lieber Champagner als Prosecco. Ohne Anspruch auf Exklusivität.

Helen Croydon ist 34 Jahre alt. Ihr dünnes Haar ist blondiert und gestuft, und weil es so federleicht ist, wirkt es schnell zerzaust. Ihre Augen sind groß und rund, selbst wenn sie normal guckt, sieht es immer ein wenig aus, als ob sie staunt. Mit diesen Augen hat sie ein London gesehen, fernab von Big Ben und Madame Tussauds. Sie hat in eine sehr fremde Welt blicken können. Dort heißen die Menschen Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater und Hedgefondsmanager und haben wenig Zeit. Es ist die Welt der Banker und der Business-Class, in der es auch nach dem Finanzcrash im Jahr 2008 noch Geld genug gibt für Häuser, Autos, Maßanzüge und Frauen.

Helen Croydon hätte gern Zutritt zu dieser Welt des Geldes, und Frauen wie sie gibt es überall, aber vielleicht gibt es sie in einem Land wie Großbritannien noch etwas öfter als anderswo. Nicht nur, weil London einer der größten Finanzplätze der Welt ist. Sondern weil sich in diesem Land die Schichten klar abgrenzen, besonders die Oberschicht von allem, was darunter ist. Wer aufsteigen will, dem muss jemand von innen die Tür aufmachen.

Helen Croydon trägt ein rotes Kleid von Prada. Sie erzählt, dass sie es von einem amerikanischen Geschäftsmann geschenkt bekommen hat, der mit ihr in New York shoppen war. Um ihren Hals schmiegt sich ein Collier, und an den Füßen trägt sie Highheels mit Schleifen, die ihre Zehen zusammendrücken. Stehen sieht sehr schön aus auf den Schuhen, aber Gehen nicht. Darum sind in der Tüte über Croydons Schulter schwarze Ballerinas versteckt. Ihre Brüste sind rund und fest, die Taille schmal. Ihre Beine sind so dünn wie die von Schaufensterpuppen.

Golddigger: Statt Liebe gibt es Prada

"Golddigger" nennen die Banker die Frauen, die versuchen, reiche Geschäftsmänner aufzureißen, Goldgräber. Sie sind eine Art Pretty Woman, nur ohne Richard Gere. Goldgräber-Frauen kommen aus einfachen Verhältnissen und suchen mit einem reichen Mann ein größeres Glück. Sie mischen sich freitagabends unter die betrunkenen Geschäftsleute, die sich ins Feierabend-Koma saufen. Wer schon einmal bei gutem Wetter an der Themse entlangging oder durchs Embankment-Viertel, der hat sie gesehen, die ganzen schwarzen Anzüge vor den Pubs. Betrunkene sind für Golddigger leichte Beute, aber sie haben auch einen Haken: Nüchtern suchen sie oft das Weite.

Es gibt eine Internetseite namens Golddiggers.uk.com. Dort kann man auf der Startseite aus folgender Eingabe wählen: I am a Golddigger Babe / Golddigger Boy / Wealthy Lady / Wealthy Man. Croydon würde sich selbst niemals als Golddigger bezeichnen. Wenn man sie danach fragt, kräuselt sie die Nase und sagt, das sei ein schlimmes Wort, ein abfälliges. Einen Sugar Daddy suchen, sagt sie, solle man schreiben. Das klinge doch besser.

Sugar Daddys werden Männer genannt, die eine sexuell geprägte längerfristige Beziehung zu jüngeren Frauen suchen. Diese wiederum erhalten Gegenleistungen. Geld. Miete. Geschenke. Manche sogar ihre Rente. "Es gibt auch viele junge Frauen, die sich mit einem Sugar Daddy ihr Studium finanzieren", sagt Croydon. Ist das nicht schon Prostitution? Croydon sagt: "Jede Beziehung ist eine Form von Prostitution."

Croydon hat Japanologie studiert, danach war sie zunächst in einer Steuerberatung angestellt. Es war todlangweilig. Darum wurde sie Journalistin. Sie arbeitete für verschiedene Zeitungen und einen Radiosender in London. Das war zwar etwas aufregender, aber schlecht bezahlt. Sie sagt, dass sie 2007 mit den Business-Datings begann. Sie hatte sich von ihrem Freund nach drei Jahren getrennt, und ihr Job beim Radio lief schlecht. Sie sagt, sie habe zu Hause vor ihrem Computer gesessen und in die Google-Maske "dating older men" eingegeben. So fand sie mehrere Websites, sugardaddie.com war die größte. Sie meldete sich an. Als Pseudonym wählte sie "Perrier Jouet", eine Champagnermarke. Croydon sagt, das Geld habe sie fasziniert, und ältere Männer mochte sie schon immer. Mit 18 Jahren hatte sie ihren ersten Freund - er war 33. Es war ein Cocktail aus Spaß und Sex und Glamour.

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insgesamt 80 Beiträge
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1. ja Frauen werden wie Männer
indosolar 30.04.2012
Zitat von sysopHelen Croydon ließ sich drei Jahre lang von Geschäftsmännern aushalten. Sie suchte das Glück in Champagnerbars, in Prada-Kleidern, im Sex mit Multimillionären. Sie fand fast alles. Außer Liebe. Golddigger in London: Suche Prada, biete Sex - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,828756,00.html)
denn, Zitat:"Zum Abschied sagt sie noch, dass sie bald ein Buch über das Ende der Monogamie schreiben möchte." spätestens dann wird es klar. Dabei wünschen sich selbst die größten Machos eigentlich die Einzigartigkeit ihrer Beziehung, ihrer Frau, ihrer Geliebten und der Mutter ihrer Kinder. Also Feministinnen, das Konzept noch mal überdenken, das kann nicht alles gewesen sein, Sex, Partnerschaft, Liebe und Familie als austauschabare Ware zur Befriedigung eigener Bedürfnisse!
2. Geschichte vom Börsenstrich
ohgottogott 30.04.2012
Zitat von sysopHelen Croydon ließ sich drei Jahre lang von Geschäftsmännern aushalten. Sie suchte das Glück in Champagnerbars, in Prada-Kleidern, im Sex mit Multimillionären. Sie fand fast alles. Außer Liebe.
Und inwieweit unterscheidet sich dies nun inhaltlich/ethisch von ganz ordinärer Strassenprostitution ? Liebe hat die Dame dem Artikel zufolge ja wohl offenbar auch gar nicht gesucht, sondern lediglich jemanden, der Sie (möglichst luxuriös) aushält - d.h. ganz vorne und primär auf der Liste der Faktoren der Partnerwahl stand das Portemonnaie
3. xxxx
charlie1111 30.04.2012
Zitat von ohgottogottLiebe hat die Dame dem Artikel zufolge ja wohl offenbar auch gar nicht gesucht, sondern lediglich jemanden, der Sie (möglichst luxuriös) aushält - d.h. ganz vorne und primär auf der Liste der Faktoren der Partnerwahl stand das Portemonnaie
Das ist ja schon fast ein eheähnlicher Zustand.
4. Eigenartig
snickerman 30.04.2012
Zitate aus dem Artikel: "Das klassische Modell von Liebe sei überholt. Sie wolle nicht heiraten. Sie wolle auch keine Kinder. Sie sagt das sehr fröhlich, es klingt sehr traurig." "Dann stöckelt sie auf ihren Highheels zur Bushaltestelle. Sie setzt ganz vorsichtig einen Fuß vor den anderen und gleicht den unsicheren Gang mit ihren Armen aus. Es sieht ein bisschen so aus, als ob sie strauchelt." Das hört sich schwer nach den Vorurteilen der Artikelschreiberin an. Und nach Alice Schwarzer: "Ihr Mund sagt ja, ihre Augen nein" Kann ja nicht sein, dass es auch solche Lebensentwürfe gibt...
5.
never1 30.04.2012
Bist du als Frau nicht hübsch, aber arm und / oder sexbesessen..dann sei freizügig und schreib darüber ein Buch. Trotzdem bleibt eine Hure eine Hure....ob für 30 € oder für 3000..
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