Loriot "Fernsehen ist zu schnell für meine Komik!"

Zu hektisch und unmenschlich: Das Medium, das er stets gern auf die Schippe genommen hat, gefällt Loriot nicht mehr. Der "Bild"-Zeitung kündigte der Humorist seinen Rückzug an. Bevor er sich endgültig verabschiedet, ist er noch einmal bei "Kerner" zu sehen.


Berlin - Vicco von Bülow alias Loriot glaubt, dass sein Humor im Fernsehen nicht mehr gefragt ist und will sich deshalb aus dem TV-Geschäft zurückziehen. "Das TV ist zu schnell geworden für meine Komik", sagte der 82-Jährige der "Bild"-Zeitung. Immer mehr Sendungen mit immer mehr Sketchen würden heute gefordert, sagte Loriot. "Bei einer solchen Schlagzahl kann man einfach keine komische Qualität erreichen." Die Forderungen seien unmenschlich geworden.

Vicco von Bülow: "Nur noch kurz in die Kamera winken!"
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Vicco von Bülow: "Nur noch kurz in die Kamera winken!"

Loriot machte klar, dass sein Rückzug aus dem Fernsehen endgültig sein wird. "Wenn zum Beispiel mein alter Freund Blacky Fuchsberger noch einmal eine große Gala macht, dann würde ich kurz in die Kamera winken. Aber ansonsten gibt es mich in keiner Show mehr", sagte er dem Blatt. Er wolle nicht, dass seine Familie und Freunde ihm eines Tages den wohlmeinenden Rat geben müssten, dass sein Auftritt "nichts mehr war".

Loriot ist heute Abend im ZDF bei Johannes B. Kerner zu Gast. In der Sendung, die gestern wegen Loriots angeschlagenen Gesundheitszustandes in der Nähe seines Wohnorts in Oberbayern aufgezeichnet wurde, spricht der Humorist zusammen mit Otto Walkes und Bud Spencer über den verstorbenen Filmproduzenten Horst Wendlandt. Loriot sagte in der Sendung: "Eigentlich wollte ich gar keinen Film machen." Nachdem ihm Wendlandt aber 15 Jahre lang mit dem Griff zur Brieftasche einen Vorschuss regelrecht aufgedrängt habe, sei er schwach geworden. Wendlandts Tochter Susan Nielebock merkte an dieser Stelle an, ihr Vater habe sich schon beim Lesen des Drehbuches von "Ödipussi" vor Lachen gebogen.

Evelyn Hamann, die in zahlreichen Sketchen Loriots Partnerin spielt, habe er gefunden, obwohl er zunächst auf einen ganz anderen Typ fixiert gewesen sei: "Ich wusste, ich brauche eine typisch deutsche Hausfrau: klein, blond und dick. Doch dann sah ich Evelyn: groß, braun und schlank, und ich wusste, die ist es", sagte er.

anr/ddp/dpa/AP



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