US-Traditionszeitung Milliardär übernimmt "Los Angeles Times"

Seit Monaten rumort es zwischen Redaktion und Führung der renommierten "Los Angeles Times". Nun will der Biotech-Investor Patrick Soon-Shiong das angeschlagene Blatt retten. Er zahlt eine halbe Milliarde Dollar.

Gebäude der "Los Angeles Times"
REUTERS

Gebäude der "Los Angeles Times"


Die "Los Angeles Times" bekommt einen neuen Eigner. Für 500 Millionen Dollar erwirbt Patrick Soon-Shiong das Traditionsblatt. Soon-Shiong, ein in Südafrika geborener Arzt, ist Milliardär und ebenfalls Anteilseigner der in Chicago ansässigen Firma Tronc, der die "L.A. Times" bisher gehörte.

Der Megadeal soll auch die "San Diego Union-Tribune" umfassen. Soon-Shiong war für Stellungnahmen bisher nicht zu erreichen.

Der 64-jährige Soon-Shiong hat sein Vermögen, das auf neun Milliarden Dollar geschätzt wird, mit der Gründung und dem Verkauf von Biotech-Firmen gemacht. Der studierte Mediziner soll sich zur Aufgabe gemacht haben, das "Gesundheitssystem zu retten" und den "Krieg gegen Krebs" zu gewinnen. Er beriet US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr in der Übergangsphase, ebenso wie den ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden und Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

Redaktion in Aufruhr

Trotz der Anzeigeneinbußen im Zeitungsmarkt und immer weniger Lesern behauptete sich die "Los Angeles Times" als starke Marke und wichtigste Zeitung in Los Angeles, der zweitgrößten Stadt der USA. Gleichzeitig schrumpfte die Redaktion von etwa 1300 Mitgliedern in den späten Neunzigerjahren auf 400 Menschen.

Für das Unternehmen Tronc, der bisherige Besitzer, zu dem auch die "Chicago Tribune" und "New York Daily News" gehören, bedeutet der Verkauf ein entscheidenden Rückzug vom Zeitungsmarkt. Zwischen dem Vorsitzenden und mächtigsten Anteilseigner Michael W. Ferro Jr. und Soon-Shiong war es im vergangenem Jahr zu heftigem Kompetenzgerangel gekommen, woraufhin Soon-Shiong aus dem Vorstand geworfen wurde.

Anlass des Streits war ein Schrumpfen der Redaktion: Immer mehr freie Mitarbeiter sollten feste Redakteure ersetzen. Auch über die Gründung eines Betriebsrats gab es Streit.

Medienkrise breitet sich aus

Es ist nicht der erste Verkauf einer traditionsreichen Zeitung in den USA an einen Investor. Zuletzt hatte Internetunternehmer und Amazon-Gründer Jeff Bezos die "Washington Post" gekauft, die "New York Times" veräußerte den "Boston Globe" an einen Unternehmer und das einflussreiche Wochenmagazin "Newsweek" wechselte ebenfalls den Besitzer.

Dort herrscht derzeit Aufruhr, weil das Management die Kollegen nicht über die Entlassungen von Chefredakteur Bob Roe, Nachrichtenchef Kenneth Li und Investigativreporterin Celeste Katz informiert hatte.

brs



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