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"Louvre Abu Dhabi": Die Kunst des Mega-Deals

Das Emirat Abu Dhabi unterzeichnete heute mit Frankreich einen Vertrag über eine eigene Louvre-Filiale. 700 Millionen Euro fließen in die Kassen der grande nation.

Paris - Frankreich und Abu Dhabi haben sich für einen Ableger des renommierten Pariser Louvre in Abu Dhabi entschieden. Das französische Kulturministerium in Paris teilte heute mit, dass ein entsprechender Vertrag unterzeichnet worden sei. Das 24.000 Quadratmeter große Museum wird unter dem Namen "Louvre Abu Dhabi" über einen Zeitraum von 20 Jahren wechselnde Leihgaben ausstellen. Als Lizenzgebühr dafür erhält Frankreich rund 700.000 Millionen Euro, davon sind 400 Millionen Euro allein für die Nutzung des Markennames "Louvre".



Der französische Staat stellt für das geplante Museum auf einer Golf-Insel Namen, Fachwissen und Kunstwerke zur Verfügung. Innerhalb von zehn Jahren nach der Eröffnung des Museums-Neubaus wird Frankreich für Ausstellungen im Louvre Abu Dhabi Kunstwerke zur Verfügung stellen. Diese sollen aus sämtlichen Epochen stammen und "die kulturellen Werte" beider Partner respektieren. Ihre Leihdauer soll jeweils zwei Jahre nicht übersteigen.

Die weltweit erste Vereinbarung dieser Art ist in der Kulturszene heftig umstritten. Kritiker fürchten vor allem eine zunehmende Kommerzialisierung von Museen, warnen aber auch vor religiöser Zensur in dem konservativen Emirat. In Frankreich protestierte man gegen einen Ausverkauf des nationalen Erbes.

In einer Petition hatten sich 4650 Unterzeichner, darunter Museums-Experten, Archäologen und Kunsthistoriker, gegen den Vertrag ausgesprochen. "Die Museen sind nicht zu verkaufen", betonten sie. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, beklagte, mit der Niederlassung in Abu Dhabi handele das weltbekannte Pariser Museum "als Unternehmen mit einer klar definierten Strategie, die Gewinnmaximierung heißt".

Frankreichs Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres betonte dagegen, der "Louvre Abu Dhabi" werde zum weltweiten "Strahlen" der französischen Kultur beitragen. Zudem helfe das Projekt, Touristen nach Frankreich zu locken. Mit den Einnahmen aus dem Abu-Dhabi-Deal will der französische Staat unter anderem die Lagerbestände des Louvre und anderer Pariser Museen gegen eine mögliche Jahrhundertflut der Seine sichern. Im Louvre selbst soll ein derzeit von Restauratoren als Werkstatt genutzter Pavillon renoviert werden, um ihn für Gemäldeaustellungen zu nutzen. Der Pariser "Figaro" notierte, hätte der Louvre die Gelegenheit nicht ergriffen, dann hätten dies "Sankt Petersburg, Madrid oder Wien" getan.

Der futuristische Gebäude-Entwurf des Stararchitekten Jean Nouvel wird bei seiner Umsetzung rund 83 Millionen Euro kosten. Die Bauarbeiten sollen noch dieses Jahr beginnen und werden frühestens 2012 abgeschlossen sein.

Die Louvre-Zweigstelle soll, ebenso wie die 30.000 Quadratmeter große Dependance des New Yorker Guggenheim Museums, auf der Saadiyat-Insel ("Insel des Glücks") gebaut werden. Ein Teil der Insel im Persischen Golf soll zu einem "Kulturbezirk" werden. Zusätzlich soll dort ein Nationalmuseum, ein Seefahrtsmuseum sowie ein Entertainmentzentrum beheimatet werden.

Neben dem Kulturbezirk entstehen bis 2018 aber auch Luxushotels, Golfplätze, Yachthäfen und Privatvillen auf Saadijat. Kritiker befürchten deshalb, der "Louvre in der Wüste" werde eine Art "Disneyland"-Museum.

hae/dpa/AFP

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