Al Feldstein Langjähriger "Mad"-Chefredakteur gestorben

Al Feldstein ist tot: Der langjährige Chefredakteur des "Mad"-Magazins machte aus der einstigen Comic-Zeitschrift Kult. Die Ausgaben, die während der 28 Jahre seiner Führung erschienen, formten den Humor einer ganzen Generation.

AP/ Billings Gazette, James Woodcock

Das bekannteste Gesicht von "Mad" war Al Feldstein nicht. Aber er war einer derjenigen, die es schufen: Als 1956 erstmals Alfred E. Neuman, das sommersprossige Markenzeichen des US-amerikanischen Satire-Magazins, auf dem Cover erschien, war Feldstein gerade Chefredakteur geworden. Und er war es auch, der der Zeitschrift und dem grinsenden Jungenkopf während seiner 28 folgenden Dienstjahre zu weltweiter Popularität verhalf.

Bis 1984 leitetet Feldstein die Redaktion. Danach setzte er sich zur Ruhe und verwirklichte seinen Traum, Landschafts- und Western-Maler zu werden, wie es in einem Nachruf auf der Website des Beerdigungsinstituts Franzen Davis heißt, das nun seinen Tod bekanntgab. Feldstein starb demnach bereits am Dienstag im Alter von 88 Jahren in seinem Wohnort Livingston im US-Bundesstaat Montana. Seine Gesundheit sei in den vergangenen Monaten zunehmend schlechter gewesen, heißt es. Er hinterlässt seine Frau und eine Stieftochter.

Feldstein sei es zu verdanken, dass das Magazin zu einem kommerziellen Erfolg wurde, heißt es in dem Nachruf. Und tatsächlich sei er es gewesen, der das 1954 erstmals von "Mad"-Gründer Harvey Kurtzman gezeichnete Markenzeichen Alfred E. Neuman aus dem Heftinneren aufs Titelblatt brachte.

Vom Comic-Magazin zum Satire-Medium

Feldstein wurde 1925 geboren und wuchs in Brooklyn, New York, auf. Schon als Teenager, als er in New York eine auf Kunst und Musik spezialisierte Highschool besuchte, gewann er Preise für seine Cartoons. Seinen ersten Job als Comic-Zeichner bekam er 1939 in einem von Will Eisner und Jerry Iger geführten Studio, zwei Männern, die die Entwicklung dieser neuen Kunstform in den USA entscheidend vorantrieben. Einer seiner ersten Aufträge bestand darin, den Hintergrund für "Sheena - Königin des Dschungels" zu zeichnen, einer weiblichen Version von Tarzan.

Nach seinem Militärdienst am Ende des Zweiten Weltkriegs zeichnete er für Zeitungen und arbeitete frei an verschiedenen Comics mit, bevor er 1948 fest bei dem Verlag EC, Entertaining Comics, anfing. Dort arbeitete er, bis er acht Jahre später die Regie bei "Mad" übernahm - und erst fast 30 Jahre später wieder abgab.

Unter seiner Führung entwickelte sich "Mad" von einem reinen Comic-Magazin zum Satire-Medium - mit kulturkritischem Anspruch, wie der SPIEGEL 1963 schrieb. Zwar sei "Mad" ein "für den europäischen Geschmack allzu direktes Witzblatt", sein Humor sei aber "mitunter couragierter" als "die Satire einheimischer Karikaturisten". 1967 erschien erstmals ein deutscher Ableger.

In den USA entwickelte sich "Mad" zu einem der unter Jugendlichen beliebtesten Magazine. "Jeder, der zwischen 1955 und 1975 jung war, las 'Mad'", sagte "Simpsons"-Produzent Bill Oaykley einmal in einem Interview. "Darüber wurde unser Verständnis von Humor geformt."

emt/Reuters/AP



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