Magazin-Cover Kreativität von ihrer nackten Seite

John Lennon, babygleich an Yoko Ono gekuschelt; Muhammad Ali, mit Pfeilen gespickt: legendäre amerikanische Magazin-Cover, die zu Ikonen wurden. Die renommiertesten Verleger und Artdirektoren der USA haben jetzt die 40 besten Titelblätter ausgewählt - ein Panorama, nicht nur der Popkultur.


Ein englisches Sprichwort besagt, man solle ein Buch nicht nach dem Cover beurteilen. Für Magazine gilt das nicht. Im Gegenteil: Die Titelseiten sind Visitenkarte, Aushängeschild und Werbemaßnahme in einem. Grund genug, für die Herausgeber und Art-Direktoren der 50 erfolgreichsten Magazine, anlässlich des 40. Geburtstags des National Magazine Awards die 40 besten Cover der letzten 40 Jahre zu wählen.

Den Spitzenplatz belegt eine "Rolling Stone"-Ausgabe von 1981 mit dem nackten John Lennon, der sich in fötaler Verkrümmung an seine Frau Yoko Ono schmiegt. Annie Leibovitz schoss das berühmte Foto am 8. Dezember 1980, nur wenige Stunden bevor Lennon ermordet wurde.

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Preisgekrönte Magazin-Cover: Obendrauf und obenauf

Auf Platz zwei folgt ein "Vanity Fair"-Cover vom August 1991 mit der hoch schwangeren Demi Moore, auch dies ein Foto von Leibovitz. Als drittbestes Cover wurde ein Titelbild von "Esquire" aus dem Jahr 1968 ausgezeichnet. Es zeigt einen von Pfeilen gepiercten Muhammad Ali, der sich damals weigerte, als Soldat in den Vietnam-Krieg zu ziehen.

Der "New York Times" zufolge versteht die Branche den Wettbewerb auch als Demonstration von Selbstbewusstsein in einer Zeit, da Printmedien zunehmend Konkurrenz bekommen, vor allem vom Internet. Wie entscheidend das Cover für den Absatz ist, das thematisiert eines der prämierten Titelbilder gleich selbst: Das "National Lampoon"-Cover von 1973 zeigt einen Hund, an dessen Kopf eine Waffe gehalten wird. Überschrift: "Wenn Sie dieses Magazin nicht kaufen, töten wir diesen Hund."

An dem Wettbewerb können sich alle Magazine des Landes mit einer Auswahl von jeweils vier Titelseiten bewerben. Dieses Jahr erhielt der Verband der Magazin-Verleger, der den Wettbewerb ausrichtet, 444 Einsendungen von insgesamt 136 Magazinen. 52 Herausgeber wurden als Juroren bestellt.

Drei der Top-Ten-Cover stammen von George Lois, der sie für das "Esquire"-Magazin gestaltete. Lois gilt als einer der besten Artdirektoren der Branche, seine Bildideen sind legendär. Weil Lois dies auch selber weiß, zitiert er seine klassischen Arbeiten gerne selbst, zuletzt für einen Titel des Magazins "Radar", das einen mit Pfeilen gespickten Tom Cruise zeigt.

Die Konkurrenz findet der Top-Kreative hingegen ziemlich öde. Im Zeitgeistblatt "Radar" schrieb er: "Viele Magazine versuchen noch nicht mal mehr, eigene Cover-Ideen zu entwickeln. Man kann nicht einfach ein Bild von Nicole Kidman aufs Titelbild klatschen und dann erwarten, dass die Leute 'Wow, was für ein Cover!' schreien. Es bleibt einfach ein Bild von Nicole."



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