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Hipster-Postille: Magazin "De:Bug" steht vor dem Ende

Ihr Leserkreis ist eine feine, aber eben auch kleine Gemeinde mit Nerd-Einschlag. Offenbar zu klein, denn das Magazin "De:Bug" kündigt an, dass nach 16 Jahren Schluss ist - es sei denn, es findet sich ein Käufer für die Zeitschrift für "elektronische Lebensaspekte".

Hamburg - Die treuen Leser des Magazins "De:Bug" werden die Nachricht mit Unglauben aufnehmen. Die unabhängige Zeitschrift für elektronische Musik und weitere "elektronische Lebensaspekte", wie sie es selbst nennt, die in ihrer Nische seit 16 Jahren stilistische und inhaltliche Maßstäbe setzt, soll es nicht mehr geben?

"Nein, kein Witz. Zeit Abschied zu nehmen.", schreibt Herausgeber Sascha Kösch auf der Website des Magazins. Die nächste Ausgabe mit der Nummer 181 werde wahrscheinlich die letzte sein. "Ein unabhängiges Magazin zu machen, ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden und die Beine, die man sich dafür ausreißen musste, wachsen auch nicht nach", schreibt Kösch zur Begründung.

Als einen Hauptgrund für das drohende Ende des monatlich erscheinenden Titels nennt er die Krise der Printmedien, die auch an "De:Bug" nicht vorbeigehe. An alternativen Modellen habe es nicht gemangelt, so Kösch, "allein die Umsetzung aus dem Flickenteppich der Unabhängigkeit heraus" habe sich als unmöglich erwiesen.

Avantgardistisch und sperrig

Auf der anderen Seite weigerte man sich bewusst, dem Trend zum immer Schnelleren und leicht Verdaulichen zu folgen. Man wolle "ja auch den langen Text, den schweren, wenn es sein muss, den gewichtigen, und nicht nur das schnelle Futter", so der Herausgeber.

"De:Bug", 1997 in Berlin als kostenlos in Plattenläden und Clubs ausgelegte Zeitschrift gestartet, erweiterte sein Themenspektrum über die Jahre von der elektronischen Musik unter anderem auf Technik, Netzkultur, Kunst und gesellschaftliche Diskurse. Neben Journalisten schreiben in "De:Bug" auch regelmäßig Musikproduzenten, DJs, Blogger, Grafiker oder Softwareentwickler.

Aufgrund seiner Fachkundigkeit in den Szenen der elektronischen Kultur, aber auch seiner avantgardistischen und intellektuellen Atitüde war "De:Bug" bei Hipstern und Nerds gleichermaßen beliebt. Das markante Layout der Zeitschrift gewann mehrere Design-Preise. Zuletzt lag die verkaufte Auflage laut Mediadaten bei 26.800 Stück.

seh

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