Magazin "Yps": Retro-Kick mit Gimmick

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"Yps" ist wieder da: Nach fünf Jahren Pause setzt der Ehapa-Verlag die Tradition des Comic- und Spielzeugmagazins fort. Ausgerechnet eine Geldmaschine liegt der ersten neuen Ausgabe als Gimmick bei. Ein gutes Omen? Oder Menetekel für ein mögliches Scheitern?

"Yps"-Cover: Konsequent retro

"Yps"-Cover: Konsequent retro

Früher nannte man sie "Gelddruckmaschine". Diese Bezeichnung ist inzwischen gesetzlich verboten. Insgesamt achtmal lag sie dem "Yps"-Magazin bei. Dabei war es nur ein kurbeliges kleines Plastikding, wo man vorn heimlich fünf beziehungsweise zehn Mark reinbugsierte, damit hinten fünf beziehungsweise zehn Mark rauskamen. Gewinnspanne: null. Spaßfaktor: na ja.

"Yps", das war schon immer der McDonald's unter den Kindermagazinen, ein zum schnellen Verbrauch bestimmtes Heft. Jeder Ausgabe lag ein Spielzeug bei; einige recht nützlich, andere schon vor dem ersten Spiel öde. Sammler jedenfalls standen recht fix vor Bergen von Plastik.

Das erste "richtige" "Yps" erschien am 13. Oktober 1975, dem waren fünf Testausgaben vorausgegangen. Das Konzept, einem Comicmagazin Spielzeug beizulegen, war damals nicht neu - aber neu auf dem deutschen Markt. Vorbild für diese Art des Marketings war das französische "Pif Gadget", das mit gleichem Konzept seit 1969 erschien. Zur gleichen Zeit lagen Magazinen wie "Micky Maus" oder "Fix und Foxi" allerhöchstens Bastelbögen bei.

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Das "Yps"-Comeback: Comic-Spaß mit Gimmick

Die Idee hinter dem Gimmick ist so einfach wie genial: Spielzeug lässt sich ausgesprochen schlecht teilen. Ob Ostereierbaum oder Abenteuerzelt, ganz zu schweigen von den legendären Urzeitkrebsen - wer so etwas selber haben wollte, musste sich ein "Yps" kaufen bzw. kaufen lassen. Während die "Micky Maus"-Hefte zum Lesen weitergereicht wurden, war das "Yps" wegen seines Spielzeugs ein Schatz.

Dabei war das klassische "Yps" in den siebziger und achtziger Jahren ein passables Comicmagazin; frankobelgische Klassiker wie "Asterix", "Lucky Luke" oder "Isnogud" erschienen in dem Heft. Bergab ging es erst in den Neunzigern, als immer mehr der Comic-Veteranen durch neue, billigst hergestellte Eigenproduktionen ersetzt wurden.

Im Oktober 2000, nach 1237 Ausgaben, wurde das Magazin eingestellt. Das Vorbild für "Yps", "Pif Gadget", erschien bereits seit 1993 nicht mehr. Zum Zeitpunkt der "Yps"-Einstellung hatte sich das Gimmick bereits für sämtliche Kinder- und Jugendmagazine in der BRD etabliert. Nur knapp ein Jahr vorher hatte der Ehapa Verlag, zuständig unter anderem für "Micky Maus", die Lizenz von Gruner + Jahr erworben.

Jetzt will man einen Spagat zwischen Altlesern und den Kids von heute wagen, so Ehapa-Pressesprecherin Marion Egenberger. Was heute offiziell an die Kioske kam, soll dabei vorerst nur eine Probenummer sein, um die Marktakzeptanz zu testen. 32 Seiten, die Hälfte davon Comics, für 2,99 Euro. 150.000 Hefte druckt man davon - viel für heutige Verhältnisse. Ob und wie man danach mit "Yps" weiter verfährt, werde man anhand der Resonanz auf die Testnummer entscheiden.

Alte "Yps"-Ausgabe: Unteilbarer Spaß

Alte "Yps"-Ausgabe: Unteilbarer Spaß

Aber warum gerade jetzt ein "Yps"-Comeback? Einer der Gründe könnte die rollende Retrowelle sein, zu deren Aushängeschild "Yps" in den letzten Jahren geworden ist. Schon vor einigen Jahren wurde "Zack" aus der Versenkung geholt; in Berlin erscheint seit geraumer Zeit das ostdeutsche Jugendmagazin "Frösi" wieder. In Hamburg arbeitet man auf die Auferstehung von "Fix & Foxi" im Oktober hin, einige Unverdrossene basteln an der Wiederbelebung der "Perry Rhodan"-Pop-art-Comics aus den siebziger Jahren. Nostalgie ist, nicht nur auf dem Zeitschriftensektor, zum Trend geworden.

Dass dabei ausgerechnet "Yps" mit dem markanten rot-gelben Logo zum Markenzeichen dieses Retro-Trends wurde, ist leicht erklärbar: Das Magazin ist seit Jahren weg vom Markt. So kann hoffnungslos nostalgisch verklärt werden, was in Wirklichkeit doch nur ein simples Comicheft mit Spielzeug war. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht besonders gut. Von einer "Generation YPS" ist inzwischen gelegentlich die Rede.

Die versucht der Verlag jetzt zu erreichen. Ganz offen spricht der Produktmanager Thomas Puchert davon, die Zielgruppe der 23- bis 32-Jährigen begeistern zu wollen. Comedians wie Atze Schröder und Hennes Bender machen Werbung für "Yps" und begrüßen den Leser auch gleich vorn im Heft. Unter den Comics der Probenummer finden sich "Lucky Luke", die ostdeutschen "Abrafaxe" und "Werner" - Titel, die gerade von älteren Lesern sehr geschätzt werden. Und auch wenn sich viele Rätsel- und Spielseiten in dem Heft finden - das neue "Yps" macht tatsächlich den paradoxen Eindruck eines Kindermagazins für Erwachsene.

Ob die dann auch an der Geldmaschine kurbeln, bleibt fraglich. Man ist ja doch nur einmal Kind. In Frankreich aber erscheint bereits seit letztem Jahr wieder "Pif Gadget" und ist inzwischen nach ähnlich bescheidenen Anfängen auf die stolze Größe von 132 monatlichen Seiten angeschwollen. Vielleicht stirbt das Gestern doch nie.

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