Manga-Messe in Kassel Blaue Haare, rote Augen und japanische Helden

Je abgedrehter und bunter, desto besser: Die aus Japan stammenden Comics mit dem Namen Manga leben von einer explosiven Bildästhetik. Tausende Fans aus ganz Deutschland trafen sich am Wochenende in Kassel - natürlich in ihren schrillen Outfits.

DPA

Kassel - Bunte Haare, gertenschlanke Körper und vor allem riesige Augen und kleine Nasen machen die japanischen Comics unverwechselbar. Die Helden erleben bizarre Geschichten, in kunstvollen Phantasiewelten wird geflogen und mit Blitzen geworfen, mit Tieren gesprochen und gezaubert.

Mangas sind seit einigen Jahren weltweit erfolgreich: In Japan sind knapp 40 Prozent aller Druckerzeugnisse Mangas, in deutschen Comic-Läden machen sie oft mehr als die Hälfte des Angebots aus. Beliebt sind auch die daraus entstehenden Trickfilme, Anime. Wie die Helden der Comics, die ihre Wurzeln in jahrhundertelanger japanischer Zeichentradition haben, sind auch die meisten Käufer jung und weiblich. Zwei Drittel der Fans sind jünger als 21, zwei Drittel sind Frauen.

Am Wochenende feierte sich die Szene in der Stadthalle in Kassel - schrill und bunt. Tausende Manga- und Anime-Begeisterte aus ganz Deutschland kamen, um sich bei der Messe "Connichi" mit den neuesten Heften und DVDs zu versorgen. Das Spektrum reichte von lustigen Kinder-Comics bis zu harten Politthrillern.

In Deutschland seien vor allem die bunten mädchenhaften Hefte und Filme beliebt, doch das ändere sich gerade, sagte Organisatorin Janina Mayer. "Die Fangemeinde wächst und sie nimmt das Thema immer ernster."

Zur ersten "Connichi" 2002 in Ludwigshafen kamen 1500 Fans, im vergangenen Jahr waren es in Kassel schon zehnmal so viele.

Tierfelle, Raketenanzüge oder Schulmädchenkostüme

Giftgrüne Haare und wallende Umhänge, auch mit Schwanz oder Schleppe - das waren am Wochenende in Kassel die eher langweiligen Kostüme. Für die echten Fans müssen es schon Tierfelle, Raketenanzüge und Lederklamotten sein - oder Schulmädchenkostüme.

Besonders beliebt ist Yuki, die Heldin von "Vampire Knight". Mit schwarzen Haaren, roten Kontaktlinsen und einer Art Schulmädchenuniform stellten gleich vier weibliche Fans das Vampirmädchen dar. "Sie ist lustig, süß, aber auch total tough", sagte die als Yuki verkleidete Stefanie Fröhlich. Die 16-jährige Vanessa Nickel aus dem rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr betonte: "Sie ist auch total sexy."

In Deutschland hat Manga fast immer auch mit Erotik zu tun: volle Brüste, enge Blusen, knappe Röcke. "Aber Manga ist eine jahrhundertealte Kultur", sagt Yukiko Iwata ärgerlich. "Und eigentlich eine hohe Kultur." Die Japanerin freut sich über das Interesse, aber solche Kostüme wären in Japan verboten, sagt sie und zeigt auf Teenager mit knappen Röcken. "Die Deutschen gehen da etwas weit."

"Gefühl, Spaß, Spannung - was will man mehr?"

Jennifer Heinglein ist regelrecht süchtig nach Mangas: "Manga bietet Gefühl, Spaß, Spannung - was will man mehr?" Auf der "Connichi" in Kassel komme die Lust am Verkleiden dazu, sagte die 22-Jährige. "Die Manga-Kultur ist unglaublich phantasievoll, und man kann seine ganze Kreativität spielen lassen und die verrücktesten Kostüme basteln."

Nadja Stolarczyk aus Schönwalde bei Berlin verbrachte wegen ihrer Leidenschaft für Mangas als Schülerin sogar ein Austauschjahr in Japan: "Die Kultur ist total spannend, und jetzt kann ich Manga auch im Original lesen."

Die Männer gehen eher technisch an die Comics ran: "Wir besorgen uns Anime, die nur in Japan erscheinen und erarbeiten deutsche Untertitel", sagt Matthias Beha aus Freiburg. "Da wird manchmal stundenlang über einen Satz diskutiert, aber gerade das macht Spaß."

Rechtliche Probleme, die kopierten Filme dann zu tauschen, gebe es nicht, sagt Mit-Übersetzer Dirk Meyer. "Das gehört bei dieser Kultur dazu. Bei uns würden sich gleich die Anwälte melden. In der Anime-Szene komme eher eine lobende E-Mail.

siu/dpa

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