Manipulierte Anruf-Sendungen BBC muss halbe Million Euro Strafe zahlen

Erfundene Gewinner, vorgetäuschte Chancen auf Preise: Die renommierte britische Rundfunkanstalt BBC hat mehrere Anruf-Sendungen manipuliert. Jetzt wurde der Sender dafür zur höchsten Geldstrafe seiner Geschichte verurteilt.


London - Mediengigant unter Beschuss: Wegen Tricksereien bei Telefongewinnspielen in Fernseh- und Rundfunksendungen ist die britische BBC zu einer Geldstrafe von 400.000 Pfund (rund 507.000 Euro) verurteilt worden. In insgesamt acht Sendungen sei zum Anrufen aufgefordert worden, obwohl keine Chance auf einen Gewinn bestanden habe, urteilte die Medienkontrollbehörde Ofcom. "In jedem der Fälle führte die BBC ihr Publikum in die Irre, indem die Gewinner erfunden und die Spiele absichtlich unfair durchgeführt wurden", begründete die Behörde ihr Urteil. Die Verstöße der BBC gegen den Rundfunkkodex seien "sehr schwerwiegend". Die Strafe ist die höchste, die je gegen die öffentliche Rundfunkanstalt verhängt wurde.

BBC-Zentrale im Westen von London: Schwerwiegende Verstöße gegen Rundfunkkodex
REUTERS

BBC-Zentrale im Westen von London: Schwerwiegende Verstöße gegen Rundfunkkodex

Die BBC soll in mehreren Fernseh- und Radioshows Zuschauer oder Zuhörer aufgefordert haben, bei Wettbewerben mitzumachen, obwohl die Kandidaten bereits feststanden. Andere Shows wurden im Vorfeld aufgezeichnet und Gewinner ausgewählt, so dass "live" niemand gewinnen konnte. Der Vorwurf betrifft bekannte Sendungen aus den vergangenen Jahren wie "Comic Relief", "Sport Relief" und "TMi".

Ofcom beanstandete außerdem die Spendensendung "Children in Need", in der das Publikum mit der automatischen Teilnahme an einer Verlosung von Flügen in die USA zum Anrufen geködert wurde. Vorgesehen war jedoch, nur fünf Anrufer zu der Ziehung zuzulassen, an deren Ende ein Mitarbeiter der Produktionsfirma als "John aus Essex" zum Gewinner ernannt wurde.

Erst vergangenes Jahr musste die BBC eine Strafe von 50.000 Pfund zahlen. Dabei wurden in Gewinnshows, in denen Zuschauer anrufen konnten, Sieger präsentiert, die in Wirklichkeit gar nicht angerufen hatten.

Die BBC entschuldigte sich für die Vergehen in den Sendungen aus den Jahren 2005 bis 2007. Die Fälle würden "sehr ernst genommen", teilte die Rundfunkanstalt mit. Allerdings habe die BBC mit den manipulierten Gewinnspielen kein Geld eingenommen. Als Reaktion auf die Vorfälle erstellte die BBC einen neuen Regelkatalog für Gewinnspiele.

In den vergangenen Monaten waren britische Rundfunksender wiederholt von der Ofcom für Unregelmäßigkeiten bei Gewinnspielen bestraft worden. Im Mai musste der Fernsehsender ITV die Rekordstrafe von 5,7 Millionen Pfund zahlen, weil die Ergebnisse von Anrufspielen manipuliert worden waren.

sto/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.