Von Stefan Pannor
Eines vorweg: Das hat sie sich nicht selbst ausgedacht. Marie Sann, Jahrgang 1986, illustriert in "Frostfeuer" eine Geschichte basierend auf einem Roman von Kai Meyer, für den Comic adaptiert durch den Skripter Yann Krehl. Und es gäbe viel zu loben daran, wie Krehl Meyers mitunter ausufernden Erzählstil auf Comictauglichkeit herunterbricht, dabei möglichst viel Raum zur Visualisierung lässt und hochgradig ökonomische Dialoge schreibt.
Aber "Frostfeuer" ist, bei allem Respekt, den sich Krehl hier verdient, vor allem die Marie-Sann-Show. Das wird spätestens klar, wenn die grob am Märchen von der Schneekönigin ausgerichtete Handlung nach dem Prolog im Eispalast in das St. Petersburg des Fin de Siècle wechselt, wo sie fast ausschließlich in einem Nobelhotel spielt.
Wie Marie Sann eine Welt der eklatanten Widersprüche entwirft - das gutbeheizte Hotel gegen das im Schnee versinkende St. Petersburg, der noble Ballsaal gegen die trüben Kammern für das Personal - ist in der Ausführung atemberaubend.
Es ist eine wunderbare Poesie des Erzählens, die den leicht trivialen Plot (armes Waisenkind hilft großer Königin bei der Suche nach einem wichtigen Gegenstand) in ein Märchen verwandelt. Aufsehenerregend vor allem die Farben, das permanente optische Wechselbad zwischen blau-weiß gehaltenen Schneesequenzen und rotbraunen Innenaufnahmen.
Da stört es auch kaum, dass gerade die Hauptfigur etwas zu huschig, großäugig und abgemagert daherkommt, dass bei Details wie diesen vielleicht doch zu sehr auf der Klaviatur des Kitsches gespielt wird. Auf drei Bände ist die Reihe angelegt, zwei liegen aktuell vor.
Website: www.marie-sann.de
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