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"Markenbotschafterin" für Daimler: Sabine Christiansen wehrt sich gegen Schleichwerbungs-Vorwurf

Sabine Christiansen kämpft um ihren guten Ruf: Nach einem Bericht des Evangelischen Pressedienstes ist sie seit längerem "Markenbotschafterin" des Daimler-Konzerns, hat diese Tätigkeit dem NDR aber nicht offengelegt. Die Moderatorin beteuert, sie sei erst nach ihrer letzten Sendung für Daimler tätig geworden.

Hamburg - Andrea Kiewel plauderte als Moderatorin gerne über ihre Erfolge beim Abnehmen - doch als herauskam, dass sie heimlich einen Vertrag als PR-Botschafterin für Weight Watchers abgeschlossen hatte, wurde sie vom ZDF sofort gefeuert. Der Vorwurf: Schleichwerbung.

Nun muss sich auch Sabine Christiansen unangenehme Fragen gefallen lassen. Nach Recherchen des Evangelischen Pressedienstes (epd) unterhält die Moderatorin mit dem Autokonzern Daimler einen Vertrag als "Markenbotschafterin". Unklar ist jedoch, wann genau die PR-Partnerschaft vertraglich begründet wurde.

Christiansen selbst teilte der Nachrichtenagentur mit, als "freischaffende und unabhängige Journalistin und Moderatorin" übernehme sie unter anderem für Daimler seit Ende Januar 2008 einige Moderationen oder Interview-Auftritte bei Veranstaltungen.

Daimler-Sprecher Christoph Horn bestätigte dies auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: "Es besteht ein entsprechender Vertrag mit Frau Christiansen, er wurde erstmals mit ihrem Auftritt bei der CLC-Weltpremiere in Berlin am 28. Januar gelebt." Darüber, wann genau der Vertrag unterschrieben worden sei, machte Horn am Sonntag keine Angaben.

Der Vertragsbeginn mit Daimler ist insofern relevant, als das Christiansens Jahresvorschau-Sendung "Mein 2008" bereits am 11. Januar in der ARD ausgestrahlt wurde. Unter anderem waren dort ausgesprochen viele mit dem Daimler-Konzern assoziierte Prominente zu Gast: Daimler-Chef Dieter Zetsche war geladen, aber auch Sportler wie Oliver Bierhoff, Franziska van Almsick, Christina Obergföll, Wojtek Czyz und Mika Häkkinen - alles Prominente, die regelmäßig PR-Termine für den Autokonzern wahrnehmen.

Der NDR war nach eigenen Angaben nicht über die Zusammenarbeit von Christiansen und Daimler informiert. Die ARD-Werberichtlinien sehen jedoch vor, dass "programmprägende freie Mitarbeiter" sich Werbetätigkeiten von der jeweils zuständigen Rundfunkanstalt genehmigen lassen müssen. Falls der Vertrag zwischen Christiansen und dem Daimler-Konzern also vor ihrer Sendung "Mein 2008" zustande gekommen ist, hätte Christiansen dies dem NDR melden müssen.

Christiansen selber machte in ihrer Stellungnahme gegenüber epd keine Angaben darüber, wann die Vereinbarung mit Daimler angebahnt oder unterzeichnet wurde.

Dem Evangelischen Pressedienst liegt der Entwurf einer Vereinbarung zwischen Christiansen und Daimler vor. In dem Papier ist laut epd als Zeitraum für PR-Tätigkeiten Christiansens 1. April 2007 bis 31. März 2009 angegeben. Im Gegenzug für die Wahrnehmung verschiedener PR-Termine werden Christiansen den Unterlagen zufolge zwei Mercedes-Benz-Fahrzeuge, ein Cabrio und ein Geländewagen, "kostenlos zur Verfügung gestellt". Seit wann Sabine Christiansen die Fahrzeuge nutzt, ist bislang unklar.

Christiansens Anwalt Christian Schertz sagte dem epd, der PR-Vertrag sei erst Ende Januar "zum Tragen" gekommen. Ein Zusammenhang zwischen ihrer PR-Tätigkeit und der ARD-Sendung "Mein 2008" sei "denklogisch ausgeschlossen". Christiansen selbst teilte mit, ein Zusammenhang zwischen ihrer Tätigkeit für Daimler, und den Einladungen an Dieter Zetsche und den Sportlern in die Jahresvorschau-Sendung bestehe "unter keinem irgendwie gearteten Gesichtspunkt". Zetsche sei erst nach der Absage anderer Vorstandsvorsitzender großer Unternehmen eingeladen worden.

Weder Anwalt Schertz noch Christiansens Sprecher Jens-Stefan Hübel waren am Sonntag für weitere Stellungnahmen erreichbar.

hoc

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